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Tinte, Eule, Metalhäfn – Kvelertak in der Arena

Tinte, Eule, Metalhäfn – Kvelertak in der Arena

Schon im Vorfeld der Missmut – sollen wir hier wirklich auf ein Metalkonzert? Die Antwort lautete Ja. Immerhin sind die norwegischen Metaller von Kvelertak keine 0815-Strumpfhosen-Truppe, sondern eher Umstandsmetaller. Ihre Musik mischen sie mit Rock’n Roll, Hardcorepunk und Rock. Ist doch eigentlich ganz witzig. Und Hauptsache es rattert.

Es zieht: Skeletonwitch

Die Arena ist anfangs mittelgut gefüllt. Bevor die US-Metal-Fraktion Skeletonwitch, das Internet sagt hier Black/Trash dazu, die Bühne betreten, bildet sich schon eine Wall of Death. Aber parallel zur Bühne. Achso nein, auch auf Metalkonzerten stehen Leute ohne Grund in Reihen weit entfernt der Bühne, obwohl vor ihnen genügend Platz wäre. Skeletonwitch starten, die Halle fühlt sich in eine gemütliche Ansammlung von langen, kurzen und verhältnismäßig vielen grünen Haaren.

Skeletonwitch Live Arena Wien 2016 (c) Mario Baumgartner

Skeletonwitch (c) Mario Baumgartner

 

Auch für Nicht-Metal-Fans sind Skeletonwitch ganz witzig. Sie schieben an. Die Musik ist vor allem schnell und hart – Eine Kombination die nie schlecht ist. Oder selten – nicht jedoch in diesem Fall. Die Ohio-Metaler geben eigentlich alles. Nur der Sänger hat keine langen Haare, dafür einen Bart bis zum Jupiter. Schnell wird die Bühne zur Schlachtwiese. Keiner rockt leider einen richtigen Metalhäfn – bin dennoch überrascht, wie gut es mir gefällt. Nach 30 Minuten dann aber doch zur Bar.

Es zieht noch viel mehr: Kvelertak

Licht aus. Die norwegische Metal-Armee Kvelertak betritt die Bühne. Nur Sänger Erlend Hjelvik fehlt noch. Sie starten das Set mit einer ihrer härtestens Nummern: Dendrofil For Yggdrasil. Erlend Hjelvik rennt auf die Bühne, wie gewohnt in der Eulenmaske. Die Stimmung ist bislang noch nicht am Brodeln – der Sound und die Energie aber top. Nach dem ersten Lied verschwindet auch die Eulenmaske. Hochgerechnet springen auf der Bühne 1245 Arbeitsstunden eines Tätowierers herum. Die Musik schiebt an – immerhin spielen sie mit drei Gitarren. Zwei decken sich größtenteils ab, drückt einfach noch mehr. Und gleich zwei Metalhäfn auf der Bühne.

Kvelertak Live Arena Wien 2016 (c) Mario Baumgartner

Kvelertak (c) Mario Baumgartner

 

Mit Mjod spielen sie die erste Nummer des Ursprungswerk Kvelertak. Die Halle ist mittlerweile voll, es wird getanzt und die Metalhands fliegen in die Höhe. Erlend Hjelvik hat einen relativ-häufigen Spuckdrang. Ab und zu fängt er seine Spucke wieder auf und schmiert sie sich in die Haare. Gut die Hälfte des Sets ist abgeklappert: Blodtorst. Kvelertak spielen auch viele Nummern des neuen Albums Nattersferd – welches nach erstem Durchhören den zwei Vorgänger um nichts nachsteht. Auch der Bassist und zwei Gitarristen singen teilweise Parts einzelner Songs. Das kommt auf Platte nie ganz so rüber, wird ja doch auf Norwegisch gesungen.

Kvelertak Live Arena Wien 2016 (c) Mario Baumgartner

Kvelertak (c) Mario Baumgartner

 

Auf der Bühne tut sich was. Immer wieder fliegen alle vier Gitarren (inklusive Bass) synchron über die Schultern oder Köpfe ihrer Besitzer. Erlend Hjelvik stürmt von links nach rechts. Trotz Sprachbarriere wird mitgesungen. Auch mir entlocken sie die eine oder andere Textzeile – Eigeninterpretation natürlich. Es macht Spaß. Doch wie die meisten Dinge, die Spaß machen, ist es wieder viel zu schnell vorbei. Kvelertak beenden den Abend mit dem Titeltrack ihres Neulingswerks: Nattersferd. Ich hatte mit mehr Eskalation im Publikum gerechnet.

Ein ganz ein kurzes Fazit

Ein Konzert mit Höhen, keinen Tiefen.

Photos: (c) Mario Baumgartner

 

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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