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Nostalgie und BOOM! – Simple Plan im Gasometer

Nostalgie und BOOM! – Simple Plan im Gasometer

Fünf Jahre hat es gedauert, bis Simple Plan wieder ein neues Album auf den Markt geschossen haben. Fünf Jahre sind im Musikbusiness eine halbe Ewigkeit und können ein musikalischer Selbstmord sein, wenn man auf das schnelle Geld aus und den aktuellen Hype angewiesen ist. Für eine Band mit treuer Fanbase ist so was natürlich kein Problem – aber leider war es doch überraschend leer am 06.03.16 beim Simple Plan Konzert im Gasometer.

Das fiel mir sofort auf, als ich bei der ersten Vorband die Halle betrat. Aber gut, das könnte ja noch kommen, dachte ich mir. Immerhin geht der Einlass langsam voran und durch die kalten Temperaturen hat jeder eine Jacke, die bei der Garderobe abgegeben werden will. Eine halbe Stunde nach Einlass, also um 19:30 Uhr, seinen Slotbeginn zu haben ist einfach mies, man kann es nicht anders sagen. Die Jungs von The Bottom Line machten aber das Beste daraus! Sie spielten sie gerade Teenage Dirtbag, als ich es in den Konzertsaal schaffte – nicht das einzige Cover bei ihrem Auftritt.

Musikalisch sind die Londoner Pop-Punker nicht herausragend, im Sinne von: alles ziemlich 0815. Das reißen sie allerdings dadurch raus, dass sie viel Schabernack auf der Bühne anstellen und man sich von ihnen unterhalten fühlt. Fazit: The Bottom Line sollte man sich auf jeden Fall mal anschauen!

The Bottom Line(c) David Bitzan

The Bottom Line
(c) David Bitzan

 

Dasselbe kann ich auch über Ghost Town sagen, nicht umsonst sind Simple Plan selbst Fans von ihnen. Das Trio macht coole Mucke und besonders dem Drummer Manny „MannYtheDrummeR“ Dominick beim Spielen zuzusehen, war eine große Freude! Für Sänger Kevin „Ghost“ McCullough und Gitarrist Alix „Monster“ Koochaki gibt’s von mir aber einen Punkteabzug wegen der Hipsterhauben, sorry Burschen! Nichtsdestotrotz hätte ich es ihnen gegönnt, vor einem größeren Publikum aufzutreten, doch leider sollte das nichts mehr werden.

Denn als Simple Plan gegen halb zehn die Bühne betraten, war im Gasometer immer noch viel Platz. Aber man muss es positiv sehen: So gab es ausreichend Platz zum Tanzen! Dazu animierten die Fünf ihre Fans auch die ganzen anderthalb Stunden Spielzeit. Ich muss zugeben, ich war überrascht, wie gut gelaunt sie sich während ihrer Performance gaben. Denn am Nachmittag wirkten Backstage (wir führten dort in Interview mit Jeff und Chuck, das findet ihr bald auf enemy.at) alle – bis auf Pierre – ziemlich müde und abgeschlagen. Vermutlich haben sie sich also so richtig in die gute Laune reingesteigert, um dieses Tief zu überwinden. Egal was genau dahinter steckte, es war gerade zu ansteckend!

Die Crowd war von Beginn an voll da und hat kräftig mitgesungen, vor allem bei den Klassikern wie I’m Just A Kid – was interessant ist, war das Publikum an diesem Abend doch erstaunlich jung. Bei einer Band, die es mittlerweile 16 Jahre gibt, hätte ich deutlich mehr Fans 25+ erwartet, die wachsen ja schließlich mit. Aber viele der Anhänger der ersten Stunde sind auf ihre alten Tage wohl einfach zu Hause geblieben, ich selbst kenn solche Kandidaten. Das find ich ziemlich schade, andererseits ist es ja schön zu sehen, dass Simple Plan auch die Teenager von heute durch ihre Jugend begleitet!

Simple Plan (c) David Bitzan

Simple Plan
(c) David Bitzan

 

Für mich mit meinen 24 Jahren war es natürlich ein kleiner Nostalgieschock, mal wieder Tracks zu hören, die man seit damals als dauerdeprimierter Teenie nicht mehr in seiner Playlist hatte. Doch es gab auch ganz viel BOOM! mit Songs vom aktuellen Album Taking One For The Team und den anderen LPs von Simple Plan. Die Setlist war gut durchmischt und bot sogar Platz für kleine Covereinlagen von I Gotta Feeling oder Uptown Funk, die die ausgelassene Stimmung noch mehr in die Höhe pushten.

Auch mit Mitte 30 wissen Simple Plan noch genau, wie man Stimmung macht. Alles in allem war der Abend wirklich Crazy – auf die gute Art, versteht sich – und nach dem vielen Jumpen dachte ich nur eines: I Don’t Wanna Go To Bed! Das muss in meinem Alter erlaubt sein, ich bin eben nicht mehr Just A Kid!

Photos: (c) David Bitzan

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