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Paradiesvögel: Ghost

Paradiesvögel: Ghost

Ghost kommen aus Schweden, sind teilweise stark geschminkt und singen unter anderem über die Ankunft des Antichristen. Auf den ersten Blick könnte man jetzt schnell in die „Schubladen“-Schublade greifen, den 0815-Black Metal-Stempel zücken und die Sache wäre damit erledigt.

So einfach ist das bei der sechsköpfigen Band allerdings nicht, beschreibt etwa ein Mitglied die Musik selbst als Mischung zwischen Pop und Death Metal. Die Songs erinnern dabei immer wieder an alte Größen wie Black Sabbath und versprühen mit Anleihen aus Heavy Metal und Doom das Flair des 60er Jahre Psychedelic Rock. Obwohl sie damit eigentlich gar nichts mit typischem Black Metal zu tun haben, gleichen ihre Liveauftritte einer schwarzen Messe: Zwischen Weihrauchschwaden präsentiert sich der Sänger als Papst mit Skelett-Gesicht, inklusive Mitra. Heil Satan und Bühne frei für Ghost.

Der Antipapst und seine Ghule

Gegründet wurde die okkulte Gruppe 2008 im schwedischen Linköping. Obwohl sich Ghost über die Jahre eine stetig wachsende Anhängerschaft erspielen konnten, ist unter diesen bisher sehr wenig zu den Mitgliedern selbst bekannt. Die Musiker sind bei ihren Auftritten stets maskiert und betiteln sich gegenseitig als „A Nameless Ghoul“. Jeder Ghul repräsentiert dabei eines der fünf Elemente: Feuer, Wasser, Wind, Erde und Aether, die dazugehörigen alchemistischen Symbole sind auf ihren Kutten gestickt. Der Sänger porträtiert den geheimnisvollen Charakter „Papa Emeritus“.

Mittlerweile leitet Papa Emeritus III die Band, der satanische Priester wird nach einiger Zeit immer von einer jüngeren Version abgelöst. Fans vermuten mittlerweile einen Gag der Band, man geht davon aus, dass der Sänger nicht wirklich gewechselt wird. Ein Anwärter in den Verschwörungstheorien hinter der Identität von Papa Emeritus ist Tobias Forge, Sänger der schwedischen Death Metal-Band Repugnant. Live sieht die Teufelsanbetung mit Augenzwinkern so aus:

 

Das Verwirrspiel um die Mitglieder der Band führte in jüngster Bandvergangenheit zu einer interessanten Anekdote: 2013 gibt ein namenloser Ghul in einem Interview zu, dass der Produzent ihrer EP If You Have Ghost und Fan der Gruppe, Dave Grohl, bei einem Auftritt kostümiert mitgespielt hat.

„If you have Ghost, you have everything“

2010 erschien mit Opus Eponymous das erste Album der Band. Durch ihre Nomination bei den „Grammis“, dem schwedischen Äquivalent der Grammy Awards, konnten Ghost dadurch schnell eine treue Fangemeinde anziehen. Musikalisch wird es bereits am ersten Track Deus Culpa interessant: Kirchenorgeln leiten das Opus sakral ein, bevor auf Con Clavi Con Dio der Bass weggroovt und die Riffs das Genre des Heavy Metals mit einem Schlag entstaubt. Das erste gesungene Wort (Lucifer) fügt sich dabei wenig überraschend in das Thema ein.

Die musikalische Vielschichtigkeit und Ghosts Liebe zur Popmusik wird auf ihrem Debut deutlich: Die japanische Version beinhaltet mit Here Comes The Sun ein ganz besonderes Beatles Cover. Auch auf der folgenden EP If You Have Ghost sind mit I’m A Marionette von ABBA und If You Have Ghosts von Roky Erickson zwei Coverversionen vertreten, die man ganz unblasphemisch besser als das Original finden kann.

 

Auf dem zweiten Album, Infestissumam, setzen Ghost ihre Reise in die Unterwelt musikalisch und textlich fort: Während Opus Eponymous mit der Geburt des Antichristen endet (Genesis), beschäftigt sich der Nachfolger mit der Präsenz des Teufels:

you know that the fog is here, omnipresent
You know that his son is near, omnipotent

(Text auf dem Track Secular Haze). Obwohl es textlich durchaus fröhlichere Bands gibt, kommt man nicht umhin, bei vielen Songs euphorisch mitzusingen und Satan, dem Antichristen, Beelzebub und welche Namen Ghost sonst noch für die dunkle Präsenz verwenden, zu huldigen. So auch im hymnischen Refrain von Monstrance Clock:

Come together, together as a one
Come together for Lucifer’s son.

All Hail Papa Emeritus!

2015 erschien mit Meliora Ghosts bislang letztes und bestes Album. Thematisch wird auch hier der Vorhang der Finsternis aufgezogen, Papa Emeritus III singt von einer dystopischen Zukunft und vom Fehlen von Gott. Die Band selbst spricht über das Album auch von der Kraft, die man aus den unterschiedlichsten Quellen bezieht, egal wie man diese höhere Präsenz nennen möchte (Anspieltipp: Das wunderschön ruhige He Is). Eine Singleauskopplung ist der Song From The Pinnacle To The Pit. Dabei spielen Ghost mit unterschiedlichsten Versatzstücken (70er Jahre Rock, Progressive Rock, Doom Metal), stellenweise erinnert der Track an die verkopften Schweden von Opeth:

 

Der absolute Durchbruch der Band bis zur Weltherrschaft von Papa Emeritus III scheint mittlerweile nur mehr einen Steinwurf entfernt: Mit Cirice gewannen Ghost diese Woche den Grammy in der Kategorie „Best Metal Performance“, vor Lamb of God und Slipknot. Im Moment befinden sich die fleischgewordenen Antichristen mit Hang zur Selbstironie und Theatralik auf ihrer „Black To The Future“-Tour, im Sommer sind sie am Rock in Vienna wieder in Wien zu Gast. Spätestens dort sollte man sich als Nicht-Gläubiger die Teufelsmusik von Ghost zu Gemüte führen.

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