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Placebo live in Wien: Steile Frisuren, flacher Spannungsbogen

Placebo live in Wien: Steile Frisuren, flacher Spannungsbogen

Am 13. November gab es in Wien was zu feiern! Denn unglaubliche 20 Jahre ist es schon her, dass das allererste Album unserer Lieblingsmelancholiker Placebo erschien. Bei der langen Gästeliste hätte ein normaler Partyraum natürlich nicht gereicht, drum fand die Jubiläumssause in der Stadthalle statt.

Und die war, leider leider, nicht wirklich voll. Ein Pessimist würde jetzt sagen; halb leer. Vielleicht war vielen der Ticketpreis von knapp 55 € zu viel, ich weiß es nicht. Aber man kann wohl sicher sagen, dass an diesem Abend nur echte Fans da waren – jeder Altersstufe, was ich besonders schön fand.

Begrüßt wurden wir alle von der Alternative Rockband The Joy Formidable, die mit ihrem süßen walisischen Dialekt punkten konnten. Sogar einen Song auf Walisisch hatten sie mit im Gepäck (Y Garreg Ateb). Auf der Sympathieskala würde ich das Trio ganz oben einreihen, auf der Bühne hatten sie auch sichtlich Spaß – leider haben sie weder mich noch meinen Fotografen Mario mit ihrer Musik so wirklich in den Bann gezogen. Der Funke wollte einfach nicht überspringen und so war ich – oh Gott klingt das fies – nicht allzu traurig, als sie nach nur 25 Minuten schon wieder verschwanden. Aber ich hoffe für sie, sie konnte einige andere überzeugen!

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The Joy Formidable
(c) Mario Baumgartner

 

Schon Minuten vor 21 Uhr gingen in der Halle dann die Lichter aus und es wurde Leonard Cohen gedacht: Sein Bild erschien auf den Leinwänden links und rechts der Bühne, Who By Fire wurde eingespielt. Ein schöne Geste von Placebo. Auch danach gab es keinen Grund, seine Augen abzuwenden, denn direkt im Anschluss wurde ein Kurzfilm eingespielt, unterlegt vom Hit Every Me, Every You. Es war überraschenderweise das einzige Mal, dass wir den Song an diesem Abend zu hören bekamen!

Doch sonst ließ die Zeitreise durch die letzten 20 Jahre Placebo, die sogleich startete, kaum etwas vermissen. Von ganz alt (Teenage Angst) bis ganz neu (Jesus‘ Son) war alles dabei. Viel besser hätte man eine Best-of-Playlist wohl nicht machen können – von der Reihenfolge der Tracks mal abgesehen. Denn die war im ersten Teil des Abends bestimmt von Melancholie, was sich irgendwann beim Publikum bemerkbar machte. Der Lautstärke des Applauses merkte man die schwere Stimmung an.

Diese Seite von Placebo ist ja durchaus schön, keine Frage! Mein persönliches Highlight: Exit Wounds. Der Song ist ja auf CD schon so kraftvoll. Live hat ihn Brian Molko dann mit so viel Leidenschaft gesungen, dass es mir eine Gänsehaut von Kopf bis Fuß verpasste. Einfach wow.

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Brian Molko, Placebo
(c) Mario Baumgartner

 

Doch als dann, nach anderthalb Stunden, Brian Molko mit wirklich herzigem, gebrochenem Deutsch verkündete, dass der Melancholie-Teil des Abends nun vorbei sei, war wohl niemand wirklich traurig darüber. Wie er richtig feststellte: Das ist schließlich eine Geburtstagsparty und auf einer Geburtstagsparty hat man Spaß. Und zum Spaß gehört tanzen! Den passenden Soundtrack dazu lieferten er und Stefan Olsdal sofort. Mit For What It’s Worth, Special K oder The Bitter End. Die Menge nahm den Programmwechsel dankend an und bewegte sich instant zur Musik. Man merkte, danach hatten wir uns alle gesehnt.

Nach fünf Nummern verschwanden sie dann von der Bühne und das obligatorische Buhlen um eine Zugabe folgte. Im Endeffekt ließen sie sich zwei Mal bitten, denn nach den Klassikern Teenage Angst (als Ballade), Nancy Boy und Infra-red gingen Placebo noch mal ab, um als zweite Zugabe noch Running Up That Hill nachzulegen.

Ich hätte ja nicht gedacht, dass sie so lang spielen. (Denn nein, ich schau mir die Setlist vor einem Konzert nie an. Ich lass mich lieber überraschen!) Umso positiver war ich davon überrascht. Einfach saugut, so zwei Stunden Konzert! Abgesehen vom flachen Spannungsbogen gibt es sonst ja rein gar nichts zu kritisieren: Der Sound war 1a, die Lichtstimmung auch und bei den Visuals haben sich Placebo einiges einfallen lassen. Wenn beim nächsten Konzert dann die Stimmung so steil aufwärtsgeht wie Stefans Haare an diesem Sonntagabend, hab ich dann gar nichts mehr zu meckern!

Photos: (c) Mario Baumgartner

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