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Pokémon Super Mystery Dungeon im Test

Pokémon Super Mystery Dungeon im Test

 

Stellt euch vor, ihr würdet eines Morgens aufwachen und plötzlich steckt ihr nicht mehr in eurer eigenen Haut, sondern habt euch in ein Pokémon verwandelt. Als wäre das nicht schon genug, leidet ihr auch noch unter Amnesie! Das einzige woran ihr euch erinnern könnt ist euer Name und der Umstand, dass ihr eigentlich ein Mensch seid. Was ist bloß passiert? Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen. Da man ganz auf sich allein gestellt allerdings nicht allzu weit kommt, gilt es schleunigst Freunde zu finden, die euch auch im Kampf beistehen, wenn es heißt den Geheimnissen hinter eurer Verwandlung auf die Schliche zu kommen… oder auch nur den Schulalltag als Pokémon zu meistern.

Klischees mit Twist

Klingt vielleicht wie eine Geschichte, die man eher in einer Fanfiction erwarten würde, tatsächlich hat man es allerdings mit dem neuesten Teil der Pokémon Mystery Dungeon-Reihe zu tun. So mancher mag bei der Ausgangssituation (die sich das Spiel auch mit seinen Vorgängern teilt) mit den Augen rollen, aber sie schafft jedoch ein großes Mysterium gleich von Beginn an, welches vor allem Kinder und Junggebliebene unter den Gamern durchaus zum weiterspielen motivieren dürfte, bis der eigentliche Fokus der Handlung (Pokémon werden zu Stein verwandelt!) sich zeigt.

Unter zwanzig Pokémon wählt man seinen Charakter: Alle Starter sowie Pikachu und Riolu stehen zur Verfügung.

Unter zwanzig Pokémon wählt man seinen Charakter: Alle Starter sowie Pikachu und Riolu stehen zur Verfügung.

Für ältere Semester ist ein anderer, vermeintlich belangloser, Aspekt des Spiels weitaus amüsanter, insbesondere für Freunde von Anime und JRPGs: Im Verlauf der Geschichte wird Pokémon Super Mystery Dungeon ein unterhaltsames Potpourri an Klischees und Stereotypen. Man muss die Schule besuchen, knüpft Freundschaften, muss kleine Kinder retten, Geistergeschichten überstehen, sich gegen gemeine Mitschüler durchsetzen oder gemeinsam mit schrulligen Erwachsenen gefährliche Abenteuer erleben, während man unnachgiebig auf sein großes Lebensziel hinarbeitet. Das Retten der Welt kann warten. Diese Herangehensweise an die Geschichte gibt mir nicht nur die Möglichkeit endlich das Wort Potpourri in einem Review zu verwenden, sondern macht auch noch erstaunlich viel Spaß. Statt den üblichen attraktiven Jugendlichen hat man es hier immerhin mit Pokémon zu tun, was dem Geschehen einen ganz eigenen Humor verpasst. Die episodenhafte Struktur des Spieles trägt ebenso dazu bei, da sich der Schwerpunkt der Handlung laufend ändert und die jeweiligen Geschichten, welche erzählt werden, nie lang genug andauern als dass sie überhaupt die Möglichkeit hätten wirklich langweilig zu werden.

Es muss trotz allem natürlich betont werden, dass man es hier in Summe dennoch mit einem Titel für ein eher junges Publikum zu tun hat. Stories, oder zumindest Elemente von ihnen, die viele von uns noch aus Kindheitstagen kennen, nun mit Pokémon erneut präsentiert zu bekommen, entbehrt jedoch auch für Erwachsene nicht eines gewissen Charmes und macht Pokémon Super Mystery Dungeon zu einem Spiel, welches kaum übertrieben begeistern wird auf narrativer Ebene, aber sehr wohl angenehm überraschen kann.

Schnapp‘ sie dir alle!

Das Gameplay von Pokémon Super Mystery Dungeon ist schwer zu beurteilen, nicht zuletzt, da der Unterhaltungswert auch davon abhängt wie – und wie lang – man es spielt. Das Konzept ist simpel. Man steuert eines von bis zu drei der Party zugehörigen Pokémon durch einen vom Spiel individuell generierten Dungeon, bekämpft andere Pokémon in rundenbasierten Kämpfen – wobei jeder Schritt und jede Aktion als eine Runde gelten und das Geschehen nie in einen eigenen Kampfbildschirm wechselt – und erfüllt unterschiedlichste Missionen. Nichts, was man nicht schon aus anderen Rollenspielen kennt, aber Spaß macht es allemal. Der große Twist bleibt diesmal auch aus und nach einigen Stunden hat man auch schon alle Arten von Dungeons und Aufgaben mindestens einmal gesehen. Variation entsteht dann nur noch dadurch welches Pokémon es zu retten, zu erreichen oder in einem Bosskampf zu besiegen gilt. Das ist der große Makel. Begibt man sich für längere Zeit am Stück in die Pokémon-Welt, werden die Spielmechaniken geradezu erdrückend monoton. Anders als bei der Hauptreihe von Pokémon-Spielen bieten die Kämpfe auch weit nicht genug Abwechslung um dies auszugleichen. Zwar kann es in Bosskämpfen durchaus eng werden (einzelne sind sogar ziemlich schwierig und verlangen taktisches Vorgehen – das ist Pokémon Super Mystery Dungeon auf seinem Höhepunkt), davon abgesehen ist man jedoch gut daran einfach immer draufzuschlagen. Besondere Features, wie Kombinationsangriffe sind weitgehend unnötig, Gegner gehen zu schnell zu Boden, als dass sich der Einsatz von Items irgendwie rentieren würde und sogar Typenunterschiede haben nur einen geringen Einfluss auf die gegebenen Abläufe. Gerade hier, mehr noch als an der Geschichte, erkennt man das junge Zielpublikum von Pokémon Super Mystery Dungeon. Dies ist vor allem schade, da einige Einfälle wirklich ihren Reiz hätten, wenn sie nicht meist zur Belanglosigkeit verdammt wären. Insbesondere die Ringel stechen dabei hervor. Bei Ringeln handelt es sich um einen Ausrüstungsgegenstand, welcher über mehrere Slots für Sipale (bunte Edelsteine die den Status der Pokémon für die Dauer des Aufenthalts im Dungeon verbessern) verfügt. Es ist ein simples, aber stets überzeugendes Konzept, welches wie ein vereinfachtes Gegenstück der Materia aus Final Fantasy VII oder vergleichbaren Systeme aus anderen JRPGs wirkt.

Dungeons werden zufällig generiert. So gleicht kein Spielerlebnis dem anderen.

Dungeons werden zufällig generiert. So gleicht kein Spielerlebnis dem anderen.

Die Problematik, die sich bei längeren Spielesessions ergibt, verschwindet jedoch, wenn man nur mal eben einen Dungeon hinter sich bringt und dann – wie einem Nintendo im Spiel auch wiederholt nahelegt – eine Pause macht. In kurzen Schüben erlebt, steigt der Spaßfaktor von Pokémon Mystery Dungeon nämlich enorm an. Nicht unmaßgeblich daran beteiligt ist das Partnersystem. Kann man erst Aufträge annehmen, formen sich durch ein Abschließen derselben neue Freundschaften, was heißt, dass man neue Pokémon mit in die Dungeons nehmen kann. Die Missionen selbst sind überwiegend kurz und knackig und in ein paar Minuten abgehandelt, es können in einem Rutsch also schnell mal zwei, drei von ihnen abgearbeitet werden, ehe man sich mit einem Gefühl des Fortschritts zurücklehnt und und sagt: „So, das reicht für heute.“ Zusätzlich setzt an dieser Stelle die stärkste Waffe des gesamten Pokémon Franchises ein. Die Sammelleidenschaft. Da passiert es rasch, dass man sich dabei erwischt doch noch den einen Dungeon abzugrasen, da man ein weiteres Mitglied im Freundeskreis aufnehmen will – immerhin warten alle 720 Pokémon darauf sich dir anzuschließen! Der Drang nach mehr Freunden lässt einen jedoch nicht ewig über die drohende Langeweile hinwegsehen. Nintendo, beziehungsweise Entwickler Spike Chunsoft, schien sich dessen jedoch bewusst, ja das Spiel geradezu darauf ausgelegt zu haben, dass es in kleineren Portionen genossen wird. So gesehen überzeugt Pokémon Super Mystery Dungeon auf voller Linie. Gamer, die gern ganze Abende in einen Titel stecken und nach zwei Tagen schon die Credits sehen, werden in Nintendos Neuestem wohl kaum die große Liebe finden.

Farbenfrohe Poké-Welt

Optisch ist das Spiel den letzten Pokémon Veröffentlichungen nicht unähnlich, wobei die neue, dreidimensionale Darstellung der Monster immer noch gefällt. Die Welt von Super Mystery Dungeon erstrahlt in bunter Farbenpracht, die Umgebungen wissen zu gefallen und in den zahlreichen Cutscenes merkt man erst wie weit die Reihe inzwischen gekommen ist. Die Dungeons erscheinen hingegen etwas uninspiriert, das ist allerdings in der Natur der Sache, wenn man von zufallsgenerierten Dungeons wie hier ausgeht. Einzig die Bewegungsanimationen mancher Pokémon wirken steifer als man es gern hätte. Der Sprung vom Vorgänger, ebenfalls für den 3DS erschienen, ist letztlich aber doch zu erkennen und der Anblick – welcher übrigens von einem sehr gelungenen, aber auch zurückhaltendem Soundtrack begleitet wird – weiß zu gefallen.

Gerade in Cutscenes kann man nochmal einen Unterschied zum Vorgänger sehen.

Gerade in Cutscenes kann man nochmal einen Unterschied zum Vorgänger sehen.

Fazit

Pokémon Super Mystery Dungeon ist ein gutes Spiel. An diesem Umstand kann man nicht rütteln, doch wird es nicht jeder Zockerseele im gleichen Ausmaß gefallen. Wie schon erwähnt, ist das Spiel speziell für Leute, die sich damit zufrieden geben, es mal für ein paar Minuten oder eine Stunde zu starten und nicht mehr. Kurze, knackige Dungeons und wiederholtes Betonen innerhalb des Spieles, dass man doch bitte mal eine Pause einlegen sollte, sprechen dafür, dass auch Nintendo es lieber sieht, wenn man Super Mystery Dungeon täglich nur für kurze Zeit, dafür aber eben über Wochen hinweg zockt. Das harmoniert auch mit der episodenhaften Handlung. Wen der niedrige Schwierigkeitsgrad (bis auf ein paar Spitzen in Bosskämpfen) nicht stört oder wer einfach nur mal wieder der Sammelleidenschaft frönen will, der wird mit Pokémon Super Mystery Dungeon einige sehr unterhaltsame Stunden verbringen. Kinder, die es gern noch etwas einfacher haben, aber auch nicht mit Shovelware vertröstet werden wollen, sind hier sowieso bestens bedient. Alle anderen müssen selbst entscheiden, ob ihnen die Wartezeit bis zum nächsten großen Pokémon zu lang ist oder nicht.

7 von 10 Punkte

Release Date: 19.2.2016
Plattform: 3DS
Genre: Rollenspiel
Publisher: Nintendo

 

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