Home   /   Games  /   Project X Zone 2 im Test

Project X Zone 2 im Test

Project X Zone 2 im Test

Jeder mag ein gutes Crossover. Egal ob Super Smash Bros., Marvel vs. Capcom oder Street Fighter X Tekken. Wenn dann aber mal drei der größten und wichtigsten Publisher der gesamten Industrie mitmischen und sich sogar an ein anderes Genre als Kampfspiele heranwagen, dann darf man wirklich gespannt sein. Wer den ersten Versuch unbeachtet passieren hat lassen, kann dies nun korrigieren, wenn die Helden von Sega, Capcom und Bandai Namco erneut aufeinandertreffen in Project X Zone 2!

Mehr ist mehr

Vorweg sei betont, man muss den ersten Teil nicht gespielt um der Handlung von Project X Zone 2 zu folgen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass es durchaus dienlich wäre mit jedem einzelnen Spiel vertraut zu sein, dessen Charaktere hier als Freund und Feind in Erscheinung treten. Sollte man außer Mega Man oder Phoenix Wright keinen der involvierten Titel kennen, dann kann man sich schon mal darauf einstellen zu lesen. Sehr viel und sehr lange. Das ist keine Kritik am im Spiel enthaltenen Lexikon, im Gegenteil, es ist ein äußerst nützliches Extra, welches häufig dabei hilft sich im Gewirr der Figuren, Beziehungen und Geheimorganisationen (so viele Geheimorganisationen) zurechtzufinden. Nein, das Problem ist, so paradox es klingt, gleichzeitig eine der größten Stärken des Spiels: Es platzt vor lauter Content fast schon aus allen Nähten. Genau das macht es für Neueinsteiger aber umso schwieriger. Wer die meisten der Charaktere kennt, der wird seinen Spaß dabei haben zu sehen wie sie miteinander agieren und wie sich vorgegebene Beziehungen hier weiterentwickeln. Andere werden sich fragen warum Jin, Kazuya und Heihachi aus Tekken so ein Problem miteinander haben. Wieder andere werden den 3DS wütend in die Ecke werfen, weil sie Xenoblade Chronicles (eines von zwei Nintendo Spielen, nebst Fire Emblem: Awakening, welches mit Gastcharakteren aufwartet) noch nicht durchgespielt haben und den Spoiler dafür nicht kommen gesehen haben.

Bei der vielfältigen Auswahl an Charakteren ist für jeden etwas dabei.

Bei der vielfältigen Auswahl an Charakteren ist für jeden etwas dabei.

Das Spiel für sich bietet durchaus einen relativ kompetenten Plot, die Handlung kann jedoch keineswegs auf eigenen Beinen stehen. Sie baut auf bisherigen Geschichten auf, mit denen man sich zumindest teilweise einfach vertraut machen muss. Das Geschehen, speziell die Dialoge, machen enorm viel Spaß. Wenn man den nötigen Draht dazu hat. Project X Zone 2 ist der ultimative Insiderwitz und Neulinge müssen leider sehr lang dran arbeiten, ehe sie auch endlich mitlachen dürfen. Dann lohnt sich aber auch.

Tactics? Action? Taction?

 Die fragliche Wortkreation sei verziehen, beschreibt aber durchaus womit man es beim Gameplay hier zu tun hat. Hat man sich erst durch etliche Minuten Dialoge gedrückt, starten die Gefechte und man fühlt sich sofort als hätte man es mit einem Fire Emblem-artigem Tactics Game zu tun. Aber wo bliebe der Spaß, wenn immer alles so simpel wäre? Tatsächlich liegt der wirkliche Fokus an anderer Stelle. Taktik und Geschick, ein Gegenstück zu Schach in dem man alle Stärken und Schwächen abwiegen muss, das bekommt man hier nicht serviert. Solang man die Lebensenergie seiner Truppen im Auge behält, kann man sie nach belieben auf die Gegner hetzen. Wirkliches Tactics Feeling kommt nur beim Itemmanagement und beim Aufheben von Spezialangriffen für Bosse auf. Der wahre Weg zum Erfolg liegt hier jedoch primär bei einem guten Timing. Anders als in anderen Spielen führen die Charaktere ihren Angriff nämlich nicht automatisch durch. Attackiert man einen Gegner, können die eigenen Truppen mehrfach zuschlagen, Supportcharaktere einsetzen, Spezialangriffe entfesseln und den Gegner durch die Luft schleudern. Aber Obacht: Wenn man den Feind kurzzeitig aus seiner Reichweichte befördert, dann gehen schnell ein paar der kostbaren Schläge ins Nichts.

In den Gefechten kann es schon mal hektisch zugehen. Schnelle Reaktionen und gutes Timing sind hier gefragt.

In den Gefechten kann es schon mal hektisch zugehen. Schnelle Reaktionen und gutes Timing sind hier gefragt.

Wer dennoch strategisch vorgehen will muss sich natürlich nicht nur mit Itemmanagement begnügen. Es bringt sehr wohl Vorteile wenn die richtigen Figuren nebeneinander stehen und sich unterstützen können. Ebenso ist kann man auch die Supportcharaktere gezielt zuweisen. Allein, notwendig ist dieser aufwand die meiste Zeit nicht, aber zumindest die Option ist gegeben.

Schönheit im Detail

Auf den ersten Blick ist die Präsentation von Project X Zone 2 eine recht unspektakuläre Angelegenheit. Die Hintergründe sind großteils eintönig und uninspiriert, während die Figuren in hübschen, aber unscheinbaren Sprites dargestellt sind. Die Kämpfe machen da schon mehr her: Kommt es zum Konflikt prügeln sich Figuren die klassischen 2D Kampfspielen würdig wären quer über den Bildschirm, während mit Effekten auch nicht gegeizt wird. Die Dialogpassagen schließlich haben detaillierte Artworks, deren Stil dem jeweiligen Ursprungsspiel treu bleibt. Das mag manchmal etwas eigenwillig aussehen, gerade dann wenn realistische Gesichter auf gewaltige Animeaugen treffen, wird Fans der Figuren aber zweifellos gefallen.

Der Soundtrack – und generell der Sound – des Spieles ist aber jener Aspekt, bei dem Project X Zone 2 besonders punkten kann. Die Entwickler haben sich nämlich auch hier großzügig bei ihren Ursprüngen bedient. Die Musik wechselt deshalb fließend zwischen bekannten Songs aus Tekken, Mega Man und co., was den Effekt des Crossovers (und stellenweise den Nostalgiefaktor) ziemlich steigert. Wenn Phoenix Wright auftaucht ist das nett. Wenn er auftaucht und der dazugehörige Soundtrack aus den Lautsprechern dröhnt kennt das Fanherz kein Halten. Es sind simple Tricks die hier eingesetzt werden, aber sie funktionieren und Project X Zone 2 ist dank ihnen ein besseres Spiel geworden.

Raum nach oben: Die Optik fällt zwar nicht negativ auf, wird aber auch niemanden umwerfen.

Raum nach oben: Die Optik fällt zwar nicht negativ auf, wird aber auch niemanden umwerfen.

Fazit

Wie sehr einem Project X Zone 2 gefällt hängt von sehr vielen Faktoren ab. Es ist ein gutes Spiel, zweifellos, aber es probiert sich an sehr vielen Dingen, die vielleicht nicht jedem zusagen. Die Taktikelemente spielen eine merklich kleinere Rolle als bei Fire Emblem und Konsorten, was Genrefans enttäuschen könnte. Gleichzeitig bringt die aktive Steuerung in den Kämpfen, anders als in solchen Titeln üblich, eine völlig neue Komponente mit ins Spiel, die für frischen Wind sorgt. Über seine zahlreichen, extrem dialoglastigen Stunden hinweg droht jedoch immer wieder die Gefahr der einsetzenden Langeweile, speziell dann wenn die Handlung sich längere Zeit mit Figuren aufhält, die man nicht mag oder gar nicht erst kennt. Die wichtigste Frage die man sich also stellen kann ist: Wie sehr ist man ein Fan all der hier verarbeiteten Videospiele? Wer mit keinem der Charaktere etwas anfangen kann, ist anderswo sicher besser bedient. Hardcore Fans aller miteinbezogenen Serien sind schon seit Tag 1 am Zocken. Alle anderen sehen sich am besten mal den Figurenroster an und entscheiden dann. Eine Empfehlung ist Project X Zone 2 absolut wert. Bloß keine unbedingte.

7punkte-cd-review_neu

Release Date: 12.02.2016
Plattform: 3DS
Genre: Taktik-Rollenspiel
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Entwickler: Monolith Soft

Home   /   Games  /   Project X Zone 2 im Test

Tags

Related Article