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Band des Monats Februar – Purple Souls

Band des Monats Februar – Purple Souls

Die Salzburger Indiepopper Purple Souls veröffentlichen am 19. Februar 2016 ihr Debütalbum. Nachdem sie letztes Jahr als Vorband von AC/DC vor über 100.000 Menschen ihren Sound präsentierten, gibt es sicher einige Menschen, die sich auf diese Platte freuen. Und eins steht fest: Williamsburg ist eine richtig fette Produktion. Immerhin haben sie es auch schon zum zweiten Mal aufgenommen. Der Unterschied: Diesmal sind sie richtig zufrieden. Wieso Williamsburg Williamsburg und nicht Lehen heißt, ob Salzburg jetzt das neue New York ist und was Purple Souls mit Coldplay am Hut haben, haben sie uns im E-Mail Interview erklärt.

Purple Souls – Das Interview

Hallo! Ihr seid ja alle vier aus Salzburg. Würdet ihr sagen, dass junge Bands dort einen guten Ausgangspunkt haben?
Jakob:
Salzburg hat sich über die Jahre zu einem guten Boden für junge, talentierte und motivierte Bands entwickelt und ist derzeit sicherlich ein guter Ausgangspunkt. Inwiefern es das früher war, können wir nicht beurteilen. Es gab aber immer wieder Salzburger Bands, die national aufzeigten, zum Beispiel The See Saw. Für die ersten Schritte ist Salzburg derzeit sicherlich ein guter Ausgangspunkt. Dann fehlt es aber an einem gewissen Punkt schon ein bisschen an den Strukturen – Labels, Management und Booking Agenturen findet man in Österreich eigentlich fast nur in Wien. Zu Salzburg muss man aber auch dazu sagen, dass sich auch die jetzt präsenten Künstler gegenseitig seit jungen Jahren kennen und gegenseitig pushen. Ähnliches kannte man bis jetzt in erster Linie aus Oberösterreich oder Graz.

Im Internet werdet ihr als Indie-Rocker beschrieben, euer Promotext sagt schlichtweg Pop. Wie würdet ihr eurer Oma beschreiben, was für Musik ihr macht? Oder findet ihr Schubladisierung bei Musikstilen generell überflüssig?
Jakob:
Eigentlich weitestgehend überflüssig. In England würde man Britpop dazu sagen, bei uns will man das immer noch mehr verschubladisieren. Unserer Oma würden wir sagen, dass unsere Musik von Künstlern inspiriert ist, die sich selbst musikalisch bei Bands wie den Stones, den Beatles oder Bob Dylan bedient haben. Handgemachte Musik, die ins Ohr geht, ohne viel Schnick Schnack und Elektronik. Das fände sie dann sicher ziemlich scharf.

Rubicon und Frozen Feelings haben ja bereits die Runden gemacht. Was kann man sich von eurem Debütalbum Williamsburg sonst noch erwarten?
Jakob: Eine Mischung aus Alternative-Rock und Pop-Songs, musikalisch abwechslungsreich und von der Grundstimmung auf jeden Fall ziemlich melancholisch. Es gibt sehr ruhige Stellen und dann drückt es wieder ziemlich an. Wir wollten diese Gegensätze auch bewusst. Es sind Songs dabei, die nachdenklich machen, aber mit denen man auch feiern und Spaß haben kann. Und dauernd Sex eigentlich.

Das Album trägt den Titel Williamsburg und ist eine Hommage an New York bzw. den Brooklyner Stadtteil Williamsburg. Wie ist es dazu gekommen?
Jakob: Ich hab für einige Monate in New York gelebt, genauer gesagt in Brooklyn, in der Nähe des Stadtteils Williamsburg. Stefan hat mich längere Zeit besucht. In den Tagen und Wochen haben wir so viel gemeinsam erlebt – wir sind dort auf das pure Leben gestoßen. Von der Linzer Gasse in die Bedford Avenue ist natürlich auch eine Nummer! In einem Hinterhof haben wir begonnen Songs zu schreiben, Geschichten vom Leben in Williamsburg zu erzählen.
Elias: Kurz vor Abschluss unserer Albumproduktion sind wir dann noch als ganze Band für ein paar Tage nach Williamsburg gereist, um das Lebensgefühl dort aufzusaugen. Schlussendlich sind auch alle Musikvideos dort entstanden.

Findest du, Jakob, dass in New York anders mit Musik umgegangen wird? Beziehungsweise hat Musik in New York einen anderen Stellenwert als zum Beispiel in Salzburg?
Jakob: New York ist eine dieser Städte, wo man überall auf Musik und Kunst trifft. Ich hab damals in Bushwick (Brooklyn) gelebt – da war von HipHop & Rap bis zu Shoegaze und Indie-Garagen-Rock alles dabei und die Clubs von Williamsburg waren direkt um die Ecke. Es gibt wahnsinnig viele gute Musiker dort, eine riesige Szene für fast jede Musikrichtung, vor allem auch im Undergroundbereich. Das ist auch einer der vielen großen Unterschiede zum Beispiel zu Salzburg. In Salzburg gibt es quasi keine Underground-Szene mehr.

Euer Album ist ja richtig fett produziert worden – wie finanziert man so etwas als „neue Band“?
Elias: Als Band muss einem bewusst sein, dass einem Nichts einfach so in den Schoß fällt. Man muss viel dahinter sein, immer dranbleiben. Natürlich gehören aber auch Glück und Zufall dazu. Bei unserer Albumproduktion war irgendwie beides ausschlaggebend. Dadurch, dass wir schließlich auf ein Produzententeam getroffen sind, die sehr an uns und unsere Musik glauben.
Jakob: Wir haben uns da schon ein Stück auch selber durchgeboxt. Und sicher immer wieder das Quäntchen Glück gehabt. Förderungen haben wir nie bekommen.

Auf Youtube gibt es einen Kommentar unter dem Video zu Babylon „David Gray, Coldplay and U2 combined in one song!!!“ Würdet ihr das so unterschreiben?
Jakob:
Es ist natürlich schön mit solchen Bands verglichen zu werden, die uns sicher auch mitgeprägt haben. Wir wollen aber unser eigenes Ding machen.
Stefan: Ein sehr schönes Kompliment – war zwar nicht die Intention, aber das lassen wir jetzt mal einfach so stehen.

Wer sind denn eure größten Einflüsse oder Idole, wenn es um Musik geht?
Stefan:
Wir haben uns alle vier schon immer mit Musik beschäftigt, sind mit der Musik von den Stones, David Bowie, Dire Straits, Hendrix oder Queen aufgewachsen. Allerdings hat sich auch jeder von uns in seine eigenen musikalischen Richtungen entwickelt. Die Bandbreite unserer jeweiligen Idole ist sehr groß und somit auch die unterschiedlichsten Einflüsse. Das spiegelt sich zu einem gewissen Punkt auch in unserer Musik wider.
Dominik: Naja, grundsätzlich könnten wir es nun auf ein paar Bands wie Coldplay oder Editors runterbrechen, die uns doch stark inspiriert haben. So einfach ist es aber nicht. Es gibt so viel spannende Künstler.
Jakob: Sicherlich Bands wie Stones oder Editors, wenn ich von Idolen spreche – Coldplay gehört auch dazu. Jede Band finde ich auf ihre Art, für das, was sie machen oder gemacht haben, faszinierend. Aber Einflüsse sind dann schon wieder vielseitiger. Wir haben zum Beispiel auch die ganze Englische Welle um die 0er Jahre ziemlich stark inhaliert.

Oft ist es so, dass sich Bands jahrelang den Arsch abtouren, bis sie es mal in größere Venues schaffen. Bei euch war das ja ein bisschen anders, oder?
Elias:
Nein, eigentlich nicht wirklich. Auch wir haben viele Konzerte in kleinen Venues mit gerade mal 20 bis 50 Leuten am Anfang gespielt, sind quer durch Österreich und Deutschland schon mit dem Auto gefahren. Auch für uns war die Support-Show zuletzt für eine größere australische Rockband etwas Unerwartetes.

Momentan stehen ja irgendwie alle auf aus Österreich stammende Musik. Glaubt ihr, dass jetzt der richtige Zeitpunk wäre, um als österreichische Band international durchzustarten?
Jakob:
Es wäre beim derzeitigen Hype gut möglich, das zu glauben. Es ist schön, dass sich der Fokus auf unsere heimischen Künstler verstärkt hat. Um international wirklich durchzustarten, braucht es jedoch mehr als nur den richtigen Zeitpunkt. Den einen oder anderen Hit mit dabei zu haben, wäre sicher nicht schlecht. Das mein ich nicht im kommerziellen Sinn, aber Maschin und Bologna würde ich jedenfalls als Hits bezeichnen.
Stefan: Allerdings passen wir auch nicht wirklich in die neue gehypte Austro-Pop 2.0 Schiene, da wir einfach nicht auf Deutsch singen und unsere Musik auch nicht auf irgendeine Weise nach Österreich klingt.

In einem Interview habe ich gelesen, dass ihr „einen anderen Weg einschlagt“ und jetzt die Welt von Deutschland aus erobern wollt. Funktioniert das über Österreich einfach nicht?
Elias: Nein, Österreich ist toll und in den letzten Jahren auch wirklich aufgeschlossener gegenüber heimischer Musik geworden. Aber Deutschland bietet halt einen ganz anderen Markt und neue Möglichkeiten. Wenn man mit seiner Musik etwas erreichen möchte, muss man unserer Meinung nach über die Dimension Österreich hinausdenken.
Jakob: Es geht auch immer um’s Team und die Leute, mit denen du arbeitest. Es ist uns egal, ob die Agentur oder das Label aus Österreich oder Deutschland kommt – das Wichtigste ist, dass sie sich mit dem was wir machen so identifizieren können wie wir.

Ihr seid eine österreichische Band. Eine österreichische Band, die auf Ö3 gespielt wird. Wie steht ihr, als österreichische Band, die tatsächlich auf Ö3 gespielt, zu der ganzen „Ö3 spielt zu wenig österreichische Musik“-Diskussion?
Jakob: Na ja- die Diskussion hat sich in den letzten Jahren sicherlich schon in eine positive Richtung bewegt. Auch weil Leute wie Eberhard Forcher durch persönliches Engagement versuchen, das anzuschieben. Grundsätzlich sehen wir es schon als Auftrag, dass ein österreichischer Radiosender den Österreichern möglichst viel österreichische Musik zukommen lassen soll. Da würden mir einige Radiostationen einfallen, wo noch Luft nach oben ist.

Wenn ihr euch in der heimischen Musiklandschaft zwischen zwei Bands stellen müsstet – wo würdet man euch finden (musikalisch gesehen)?
Elias:
Müssen wir zum Glück nicht. Ich hab keine Ahnung. Farewell Dear Ghost und Opus vielleicht? (lacht)

Danke für das nette Gespräch, Purple Souls. Williamsburg erscheint am 19. Februar 2016. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wir freuen uns darauf!

Photo © ACODA

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Robert Ziffer-Teschenbruck

„Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen“ (Marcus Wiebusch)

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