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Rock in Vienna 2016 – Kinderkrankheiten mit Aussicht auf Besserung

Rock in Vienna 2016 – Kinderkrankheiten mit Aussicht auf Besserung

Das Rock in Vienna lief nun zum zweiten Mal über die Bühne und lockte tausende Metalfans auf die Donauinsel. Ein neues Festival ist immer schwierig zu etablieren und zu organisieren. Deshalb war das Publikum letztes Jahr auch nur semizufrieden, doch wie war es dieses Jahr?

Tag 1 – Mehr Gäste, also bitte auch mehr Personal!

Wie wir bereits berichteten, war vor allem der Besucherandrang am ersten Tag ein Problem für die Securities. Alleine schon beim Eingang mussten sich die Fans mit dem Tagesticket bis zu drei Stunden gedulden und verpassten deshalb einige Bands. Während beim Nachmittagsprogramm mit Eisbrecher, Pain, Anthrax und Babymetal noch alles sehr gepflegt und gemütlich ablief, merkte man ab Slayer die hohe Besucherzahl vor allem an den Bars und im Wavebreaker. Die Security wirkte ungeschult, die Barkeeper waren überfordert. Das Personal war offensichtlich nicht für 45.000 Personen, die alleine am Freitag anwesend waren, ausreichend.

Da mussten sich die Bands schon ordentlich ins Zeug legen, um die schlechte Stimmung auszugleichen. Doch auch das leider teilweise vergebens, da die Lautstärke zu gering war und der Sound vor allem bei Slayer nicht gerade optimal war. Während es uns letztes Jahr noch bei Metallica die Ohrwaschel weggefetzt hat und auch in Kaisermühlen noch mitgesungen werden konnte, war es dieses Jahr genau umgekehrt. Nächstes Jahr sollte dann doch genau die Mitte beim Lautstärkenregler getroffen werden.

Slayer - unschwer erkennbar am T-Shirt. © Alex Blach | enemy.at

Slayer – unschwer erkennbar am Shirt.
© Alex Blach | enemy.at

 

Auf die Herren von Rammstein ist immer Verlass, wenn man eine unglaubliche Show sehen will. Da wird „das Publikum anheizen“ wortwörtlich genommen und die halbe Bühne, sowie der Lichterturm fast abgefackelt. Es war eine extrem spektakuläre Show mit einer richtig geilen Auswahl an Songs. Leider konnte die Technik nicht mithalten und das Mikro von Leadsänger Till Lindemann gab bei dem Lied Sonne den Geist auf. Doch das Publikum hat lautstark weitergesungen und ließ sich dadurch auf keinen Fall das Konzert vermiesen.

Tag 2 – Es geht doch eh!

Als wir am Festivalgelände ankamen, trauten wir unseren Augen nicht: Keine Schlange am Eingang und alles lief wie am Schnürchen. Das Wetter war perfekt und dadurch, dass weit weniger Besucher anwesend waren, gab es kaum Wartezeiten bei der Kulinarik. Auch wir nutzten diesen Tag um uns die Essenauswahl ein bisschen genauer anzusehen. Unser Fazit: Wer sich da beschwert, hat unrealistische Vorstellungen. Tolle Auswahl, leckeres Essen und wirklich für fast jeden was dabei, wenn man auf Fleisch steht. Die Preise waren natürlich schon ein wenig hoch (Semmel mit Fleisch von der Spansau um sechs Euro ist kein Bemmerl!), aber günstig ist auf einem Festival mal so gut wie gar nichts. Ein halbe Bier kostete wie gewohnt fünf Euro, Soda dieses Mal drei Euro, jedoch nur ein kleines (0,3 Liter). Dafür gab‘s Trinkwasser bei den Toiletten.

Auch die Bands konnten sich am Samstag alle ordentlich sehen lassen: Anti-Flag, Graveyard, Royal Republic, Juliette and the Licks, The Subways und Mando Diao sorgten am Nachmittag schon mal für richtig gute Laune. Zwar war die Lautstärke noch immer zu leise, aber dafür war im Wavebreaker viel Platz um zu pogen, was wir uns bei Biffy Clyro natürlich auch nicht nehmen ließen.

Sänger Simon Neil von Biffy Clyro © Alex Blach | enemy.at

Sänger Simon Neil von Biffy Clyro
© Alex Blach | enemy.at

 

Das Line-Up war am Samstag sehr schön auf den Headliner Iggy Pop abgestimmt, denn die Bands auf den beiden Hauptbühnen sind definitiv eher dem Genre Punkrock, als Metal zuzuordnen. Iggy Pops Bühnenshow war genau das Gegenteil von Rammstein, nämlich äußerst dezent, was uns auch sehr gut gefallen hat. Es standen der Godfather of Punk und seine Band im Mittelpunkt. Leider war es nicht seine neue Supergroup mit Musikern der Queens Of The Stone Age und Arctic Monkeys. Seine Megahits wie Now I Wanna Be Your Dog, Lust for Life oder The Passenger wurden gleich am Anfang präsentiert, um das Konzert mit den Hits von seinem aktuellen Album Post Pop Depression zu beenden. Das Publikum war begeistert, vor allem weil Iggy auch trotz kaputter Hüfte immer wieder zu den Fans runtersprang.

Tag 3 – Schlammschlacht und das Grande Finale

Das Line-Up des dritten Tages stand im Zeichen der fetten Gitarrenriffs und Soli. Die Bands waren am Sonntag mit Abstand die härtesten. Unter anderem spielten Gitarrenlegende Zakk Wylde, die Franzosen Gojira, Powerwolf, die – wie es der Name schon verrät – Powermetal spielen und Kreator aus Deutschland. Besonders bei letzterer Band war die Überraschung groß, als auf einmal die Lautstärke endlich mal aufgedreht wurde. Das war richtig geil und zeigte sich auch bei der bombastischen Stimmung im Wavebreaker.

Auf der meistens eher mäßig besuchten Jolly Rogers Stage hätte gleichzeitig Dragonforce spielen sollen, die getrost auch genug Fans für eine der Hauptbühnen hatten. So gut war die Jolly Rogers Stage das ganze Festival nicht besucht. Doch alles vergebens, denn Dragonforce hatten leider technische Probleme, weswegen der Auftritt um eine ganze Stunde nach hinten verschoben werden musste. Damit aber nicht genug, denn es begann kurz auch noch zu schütten. Doch der harte Kern blieb, Dragonforce spielte und die Technik versagte wieder. Das wurde jedoch mit Humor genommen. Die Band zeigte sich sehr sympathisch und konnte ihr Set schließlich beenden.

Der legendäre Gitarrist Herman Li von Dragonforce © Alex Blach | enemy.at

Der Gitarrist Herman Li von Dragonforce
© Alex Blach | enemy.at

 

Wieder zurück bei der Soul Stage waren Nightwish schon fast fertig und In Extremo kamen als nächstes. Die Stimmung war super, das Wetter leider nicht. Die Mittelalter-Rocker mussten ihr Set aufgrund des Sturms abbrechen. Nachdem was dieses Wochenende schon beim Rock am Ring passiert ist, war das auch definitiv die richtige Entscheidung der Veranstalter.

Am Sonntag gab es mehrere Unwetterwarnungen. © Alex Blach | enemy.at

Am Sonntag gab es mehrere Unwetterwarnungen.
© Alex Blach | enemy.at

 

Glücklicherweise lockerte das Wetter wieder auf und Iron Maiden konnten rechtzeitig beginnen. Die Fans trotzen dem Schlechtwetter und gaben auch im Gatsch alles. Genauso gehört‘s. Iron Maiden bedankten sich für die Treue mit einem richtig fetten Konzert, einem coolen Maya-Bühnenbild und einem herumlaufenden vier Meter großen Eddie, dem von Leadsänger Bruce Dickinson das Herz herausgerissen wurde und eben jenes ein sehr, sehr glücklicher Fan mit nach Hause nehmen durfte.

Schwacher Start! Starker Abschluss!

Wäre der erste Tag nicht so eine organisatorische Katastrophe gewesen, dann wäre das Rock in Vienna 2016 ein starkes Festival geworden. Die Veranstalter haben aus den meisten Fehlern vom letzten Jahr gelernt, der Sound ist auf jeden Fall auch noch verbesserungswürdig, doch so eine Fehlkalkulation wie am ersten Tag ist unverzeihlich. Am zweiten und am dritten Tag kann man fast gar nichts kritisieren. Die Relation zwischen Personal und Besucherzahl hat einfach gestimmt, was eben der Hauptfehler am ersten Tag war. Wird dieser Faktor nächstes Jahr besser berücksichtigt, dann steht einem richtig geilen Rock in Vienna 2017 nichts mehr im Wege. Wir freuen uns schon darauf.

Photos: (c) Alex Blach | enemy.at

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