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Schweigen ist Gold – Die Pixies im Gasometer

Schweigen ist Gold – Die Pixies im Gasometer

Die Pixies: Eine Band, der man anmerkt, dass sie richtig Spaß am live spielen haben. (/sarcasm off) Ein Bericht über ihr Konzert im Wiener Gasometer mit ein bis drei bloßen Unterstellungen und schwedischen Sprichwörtern.

Ein schüchterner Hund wird selten fett

Als Vorband haben sich die Pixies die Schweden Fews eingeladen. Keine Ahnung, ob sie sich telefonisch zusammengerufen haben, oder einfach einen Brief geschrieben haben – sie waren auf jeden Fall zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sie sind eine witzige Truppe. Der Schlagzeuger rockt nicht nur die Toms, sondern auch einen feinen, dakota-beigen Schnauzer. Der Sänger hat sich die Gitarre ans Kinn geschnallt, der Bassist hämmert auf seine Stahlseiten ein, als gäbe es kein Morgen. Der zweite Gitarrist überzeugt vor allem stimmlich. Die Musik ist irgendwo zwischen abwechslungsreichen, verschwommenen Grunge, Stoner und Indie. Könnte man definitiv verfolgen, haben sie ja gerade erst ihr Debüt veröffentlicht.

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Fews
© Yavuz Odabas

Wer singen will findet immer ein Lied

Das letzte Pixies Konzert vor drei Jahren im Gasometer war überschattet von schlechtem Sound, langweiliger Performance und der fehlenden Redseligkeit der Band. Drei Gründe, wieso viele sicherlich voreingenommen ins Konzert reingegangen sind. Die Pixies betreten die Bühne. Sprachlos. Also ohne etwas zu sagen, starten sie mit River Euphrates. Der Sound ist gut. Die Halle hat sich mittlerweile etwas gefüllt, auch wenn nicht alle Tribünen offen sind. Mutig ist jener, der die Band in die Stadthalle gebucht hatte. Schnell wird klar, auch heute soll nicht allzu viel mit dem Publikum interagiert werden. Die Pixies reißen einen Song nach dem anderen runter. Wie eine Maschine. Spätestens bei Caribou wird auch getanzt.

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Pixies
© Yavuz Odabas

 

Die Pixies kämpfen sich schnurstracks durch ihr Set. Crackity Jones, Hey, Gouge Away, Wave of Mutilation, ein paar neue Songs von Head Carrier, wenig Songs von Indie Cindy. Nach gut einer Stunde haben sie bereits 20 Nummern gespielt. Sänger Black Francis wechselt zur Akustikgitarre. Sie spielen Where is my Mind. Black Francis spricht den Text runter – man könnte es künstlerische Freiheit nennen – wirkt aber einfach nur genervt. Bassistin Paz Lenchantin ist jedenfalls ein würdiger Ersatz für Kim Deal. Sowohl am Bass als auch am Gesang.

In der Liebe versteht man einander nur, wenn man nichts zueinander sagt

Die Band ist stumm. Wo 2013 noch ein „hi“, „oh shit“ und „bye“ drin war, gibt es 2016 nur ein paar wenige Gesten mit der Hand wie bei einer Beauty Peagant. Black Francis kommuniziert mit Bandkollegen und Tontechnik über ein zweites Mikrofon, das im Publikum nicht hörbar ist. Fast wie einstudiert spielen sie einmal zwei unterschiedliche Lieder an. Wie 2013. Ein kurzes Grinsen. Ein Funke Menschlichkeit. Weiter geht’s. Die Band formt einen Kreis, um den ersten Ton von Here Comes Your Man anzuspielen. Es hat gut 1,5 Stunden gedauert, bis man einen Grinser auf einem der Gesichter sieht. Ausgenommen: Schlagzeuger David Lovering. Der hat tatsächlich sichtlich Spaß. Von Anfang bis Ende.

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Pixies
© Yavuz Odabas

 

Man muss ja keine großen Reden schwingen, aber es fehlt so jegliche Rezeption der Band. Sie lassen nicht mal genügend Zeit zwischen den Liedern, um die Leute klatschen zu lassen. Mit Planet Of Sound beenden sie ihr Set. Sie legen die Instrumente ab, gehen an die Bühnenkante und verbeugen sich. Gitarrist Joey Santiago geht hektisch die Bühne auf und ab, winkt und kurz danach ist es auch schon vorbei. Lang lassen sie sich aber nicht bitten und betreten noch mal die Bühne. Vamos. Mit Into the White beenden sie das Konzert. Die Nebelmaschine springt zum ersten Mal an und pulvert eine unglaubliche Menge Rauch auf die Bühne und ins Publikum, sodass die Band gar nicht mehr zu sehen war. Nach dem letzten Akkord verschwindet die Band heimlich, still und leise zwischen den Nebelschwaden, als wären sie nie da gewesen.

Der Überfluss ist die Mutter aller Langeweile

Der Vorteil, wenn die Band kein einziges Wort auf der Bühne sagt: Sie schaffen es, 35 Lieder in ihr Set zu packen. Sie schaffen es aber auch, Holiday Song wieder nicht zu spielen. Emotionslos und langweilig trifft es wohl am ehesten. Wie Roboter dreschen sie ihr Set runter, lassen sich keinen Grinser und schon gar kein Wort entlocken. Ein „Goodbye“ wäre wohl drinnen gewesen. Vielleicht ist auch der Spotify Podcast Pixies: A Conversation als Beilage für ihre Konzerte konzipiert worden. Die 60 Euro sollte man jedoch lieber in 2-3 LPs der Band investieren. Denn die bleiben auch 25 Jahre nach Erscheinung noch zeitlos. Und obendrein geht sich dann noch ein Pixies Shirt aus. Das trägt sich gut mit einem Holzfällerhemd.

Photos: (c) Yavuz Odabas

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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