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Shadwen im Test

Shadwen im Test

 

Die Entwickler von Trine sind zurück! So lang liegt Frozenbytes letzter Wurf gar nicht zurück, da wagen sich die Finnen schon an ein ganz neues Genre. Weg mit den Puzzles, den Bosskämpfen, den Jump’n’Run Elementen. Her mit jeder Menge Stealth. Das ist Shadwen!

Der Weg ist das Ziel

Im Kern ist die Geschichte von Shadwen sehr simpel. Die Art Handlung, die andere Titel als Grundlage nutzen, nicht als das Gerüst welches mehrere Stunden Spiel trägt. Man schlüpft in die Rolle von Shadwen, einer Attentäterin, die das Ziel hat den König zu töten. Stück für Stück schleicht sie in das Innere der Stadt, unbemerkt an Wachen vorbei oder sichergehend, dass selbige Wachen niemals jemanden warnen werden. Schon zu Beginn ihrer Reise trifft die Berufsmörderin jedoch eine Entscheidung, welche ihre Mission maßgeblich beeinflussen soll: Sie rettet Lily, ein kleines Mädchen, und wird fortan von ihr begleitet.

Vorsicht! - Wer unentdeckt bleiben will muss die Wachen stets im Auge behalten.

Vorsicht! – Wer unentdeckt bleiben will muss die Wachen stets im Auge behalten.

Es mag zwar nicht vollends nachvollziehbar sein, wieso Shadwen das Mädchen quer durch die Stadt mitnimmt nachdem sie Lily gerettet hat, aber das sind Abstriche, die man gerne macht, im Hinblick auf das Potential welches die Geschichte entfaltet. In Shadwen beeinflusst nämlich die Art wie man spielt den Storyverlauf. Schafft man es ohne Gewalt durch das Spiel – oder sorgt zumindest dafür, dass Lily die Leichen nicht sieht – entwickelt sich eine gänzlich andere Beziehung zwischen den beiden Protagonistinnen, als man sie hat, wenn man ohne Skrupel Wachen vor unschuldigen Kinderaugen absticht. Da sie mit größerem Aufwand verbunden ist, möchte man meinen, dass die erste Variante die fesselndere ist, aber dem ist nicht so. Die Beziehung zwischen der eiskalten Killerin und dem immer feindlicher gestimmten Mädchen begeistert viel eher, gerade weil es eine ist, die man so selten gesehen hat. Tatsächlich wird auf diesem Weg sogar stark dafür argumentiert, dass man keineswegs die glorreiche Heldin ist. Lily drückt es am besten aus: Die Wachen sind gemein. Aber Shadwen ist böse.

So erzählt Shadwen zwar eine sehr kleine Geschichte, die von einem Epos nicht weiter entfernt sein könnte, aber es ist, speziell wenn man sich für den moralisch fragwürdigeren Weg entscheidet, eine spannende Geschichte, in deren Zentrum eine (erneut: je nach Art des Spielens) so noch nicht dagewesene Beziehung zweier junger Damen steht. Anfang und Ende, das Ziel den König zu töten, all dies rückt dabei in den Hintergrund. Die Figuren und ihr Verhältnis zueinander tragen den Plot. Der Rest ist lediglich ein Auslöser. Kommt für den Königsmord. Bleibt für ein Aneinandergeraten kollidierender Moralvorstellungen eines kleinen Mädchens und einer Frau die schon zu viel in ihrem Leben getan und gesehen hat.

Leben und leben lassen

Während man in Sachen Handlung sehr leicht für eine der möglichen Entwicklungen plädieren kann, ist es beim Gameplay schwieriger zu sagen welche Variante besser ist. Versucht man ohne Gewalt das Spiel abzuschließen – oder zumindest ohne Lily merken zu lassen was man tut – hat man damit auch die weitaus größere Herausforderung. Ein Pluspunkt für viele. Gleichzeitig muss man jedoch anerkennen, dass man sich auf diesem Weg relativ bald langweilen kann. Wenn es Shadwen nämlich an einem mangelt, dann an Abwechslung. Praktisch alle Missionen spielen sich ungefähr gleich und tatsächlich schauen sie überwiegend auch gleich aus. Monotonie macht sich schon nach ein paar Kapiteln breit. Diese Gefahr ist geringer, wenn man die rabiatere Vorgehensweise wählt. Aus dem Hinterhalt Wachen kaltblütig auszuschalten ist erstaunlich unterhaltsam, aber auf der anderen Seite auch ein sehr simples unterfangen. Die Stages können so in kürzester Zeit abgeschlossen werden, mit allzu großen Herausforderungen wird man nicht konfrontiert. Gepaart mit dem Mangel an Abwechslung, hat auch dieses Spielerlebnis bald seine Längen.

Augen zu und durch: Wem Schleichen zu lange dauert, kann seine Feinde auch einfach aus dem Weg räumen

Augen zu und durch: Wem Schleichen zu lange dauert, kann seine Feinde auch einfach aus dem Weg räumen

Das ist umso bedauerlicher, weil das Potential zu Größe absolut vorhanden ist. Die Idee der unterschiedlichen Entwicklungen der Handlung, je nachdem wie man spielt, ist eine gelungene und konsequent umgesetzt. Das Gameplay an sich macht auch Spaß. Es ist simples schleichen, ohne großen Schnickschnack, weniger Metal Gear Solid oder Splinter Cell, mehr Link-versucht-an-den-Wachen-vorbeizuschleichen, aber gerade das verleiht dem ganzen seinen Charme. Dazu kommt die Möglichkeit neue Waffen und Gadgets zu bauen, wenn man nur die Materialien findet. Der eine Gegenstand den man in jedem Fall bekommt? Ein Enterhaken. Enterhaken! Das macht grundsätzlich alles besser. Auch das Spiel mit Zeit ist ein cleveres. Wenn man sich nicht bewegt, dann steht die Zeit still. Erst wenn man Shadwen gehen lässt oder per Knopfdruck die Zeit vorantreibt, können sich die Gegner bewegen. Eine clevere Idee, deren Potential nie ausgeschöpft wird. Manchmal vergisst man gar, dass dieses Spielelement überhaupt vorhanden ist.

In Sachen Gameplay ist nichts an Shadwen schlecht. Es ist ein sehr kompetent gestalteter Titel, der über einige wirklich gute Ideen verfügt und der anfangs auch wirklich jede Menge Spaß macht. Langzeitmotivation sucht man jedoch vergebens. In der Monotonie der Level, verkommt das Erreichen des Ziels irgendwann zu einer Aufgabe. Bedauerlich, denn schon nach den äußerst spaßigen Anfängen ist klar, dass Shadwen so viel mehr hätte sein können.

In den Schatten verschwinden

Die Optik von Shadwen ist nicht unbedingt schlecht, das wäre ein zu starkes Wort. Für einen günstigen Independenttitel ist der Look annehmbar. Das Spiel kaschiert seine optischen Schwächen recht geschickt dadurch, dass – für das Genre passend – das Geschehen überwiegend in der Dunkelheit der Nacht stattfindet. Das lässt über sehr viel hinwegsehen. Bloß einen visuellen Makel kann das Spiel damit nicht verbergen. Es sieht fast alles gleich aus. Überall warten dieselben Fässer, dieselben Heuhaufen, dieselben Wachen auf unsere Protagonistinnen. Ein paar Ausnahmen gibt es, vor allem gleich zu Beginn, aber nach einiger Zeit sieht man den Unterschied zwischen den Stages gar nicht mehr. Die imposante Farbenpracht und die kreativen Designs von Trine bleiben eine ferne Erinnerung.

Kinder zuerst: Egal wie man es angeht, Lily darf auf keinen Fall entdeckt werden!

Kinder zuerst: Egal wie man es angeht, Lily darf auf keinen Fall entdeckt werden!

Was die Präsentation hier einbüßt, macht, zumindest teilweise, die sehr gelungene Synchronisation wieder wett. Immer wenn Shadwen und Lily zwischen den Kapiteln das Wort ergreifen und sich ein kleines, verbales Gefecht liefern, zeigt sich das Spiel von seiner besten Seite. Lily wirkt trotzig und doch  unschuldig, Shadwen wirkt gleichzeitig besorgt aber doch herablassend distanziert. Allzu häufig bekommt man die beiden nur leider nicht zu hören. Es schleicht sich eben immer noch am besten im Stillen.

Fazit

In vielen Punkten ist Shadwen ein Spiel der vergebenen Chancen. Die Story oder vielmehr die Entwicklung der Hauptcharaktere und ihre Beziehung zueinander ist eine faszinierende. Insbesondere wenn man dem Pfad der skrupellosen Mörderin folgt. Gameplay und Präsentation hingegen haben für jede Stärke gleich wieder eine Schwäche, was uns am Ende mit einem Spiel zurücklässt, welches mittelmäßiger nicht sein könnte. Da die PS4-Version mit gerade mal 17€ dennoch eine recht günstige Angelegenheit ist, kann man den Blick natürlich riskieren wenn man neugierig ist. Eine reine Empfehlung wird jedoch nur für solche Leute ausgesprochen, die absolute Genrefanatiker sind und schon nach dem nächsten Stealth Titel gieren. Allen anderen werden zwar anfangs auch Ihren Spaß haben, aber ob es für die gesamte Dauer des Spieles reicht ist fraglich.

 

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Release Date: 17.05.2016
Plattform: PC, PS4
Genre: Stealth-Action
Publisher: Frozenbyte
Entwickler: Frozenbyte

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