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Skillet: „Ich will machen, was Bono macht.“

Skillet: „Ich will machen, was Bono macht.“

Vor ihrem Auftritt am ersten Tag des Nova Rock Festivals 2016 trafen wir Skillet-Frontmann John Cooper zum Interview. Skillet ist eine christliche Rockgruppe aus den USA, wo diese Art der Musik ein ganzes Genre bekleidet. Es gibt eigene Billboard Charts mit christlicher Musik und natürlich auch Stars. Skillet gehören dazu, immerhin gibt es die (jetzt) vierköpfige Gruppe seit 20 Jahren.

Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen verzichten Skillet darauf, in ihren Texten ständig den Namen des heiligen Vaters einzubauen. Mehr sogar: Wenn man nicht weiß, dass Skillet gläubige Christen sind, würde man es ihrer Musik kaum merken. Warum, hat uns John im Interview in einer der vielen kleinen Backstageboxen verraten. Im super entspannten Gespräch erzählte er auch, mit welchen Vorurteilen man als offen christlicher Musiker zu kämpfen hat, warum Bono sein Vorbild ist und warum er sich einen Bart wachsen lies.

(Read the english Interview here.)

Mehr: Nova Rock Best Of 2016 – Fotohighlights!

Hi John! Vor dem Nova Rock hattet ihr schon ein Konzert in Österreich, wie lief’s?
John:
Es war gut! Vor ein paar Jahren war wir hier zum ersten Mal auf dem Nova Rock und wussten damals nicht, ob irgendjemand uns kennen würde. Es lief sehr gut, ich war echt nervös und liebte die Show. Jetzt wusste ich wieder nicht, was ich erwarten sollte. Es war eine Metalshow, das Publikum war also sehr metal. Wir waren nicht metal genug, aber es lief trotzdem gut. Die Leute kamen, um uns spielen zu sehen und die anderen Bands waren auch klasse!

Du hast es gerade angesprochen, ihr wart noch nicht oft in Europa. In den USA seid ihr große Stars…
John:
Hmm.. eher Sternchen. (lächelt)

Ach komm! Also, hierzulande seid ihr noch nicht so bekannt. Ist es komisch für euch, hierher zu kommen und eure Karriere quasi neu zu starten?
John:
Ja das ist es. Vor allem vor ein paar Jahren war es merkwürdig. Ich hab es gemocht, aber man möchte ja auch wissen, dass das Ganze zu etwas führt. Wir hatten mehr Fans, als wir dachten, also war es wirklich wundervoll das aufzubauen und die Fans zu sehen. Ich bin froh, dass wir das machen, aber es war anfangs echt schräg. (lacht)

Sagen wir, ich will meinen Freunden, die euch noch nicht kennen, Skillet beschreiben. Was wäre die schlimmste Art, das zu tun?
John:
Die Schlimmste? Oh Gott, das hat mich noch nie jemand gefragt!

Yes!
John:
Ja, dafür gibt’s einen Award. Hm, die schlimmste Art Skillet zu beschreiben… Was denkst du denn?

Hm, vier echt hässliche Menschen… ihre Musik ist total poppig, wie bei einer Girl-Boy-Band…
John:
Das ist gut!

Und die Texte sind anstößig.
John:
Das könnte tatsächlich eine gute Art sein, das zu sagen! So wie wir aussehen, glauben Leute wirklich oft, wir wären eine Gesangsgruppe.

Wie eine Castingband?!
John:
Ja genau! Also hast du das echt gut gemacht, das wäre eine furchtbare Beschreibung. Deshalb hab ich auch meinen Bart wachsen lassen, damit ich nicht aussehe wie ein Backsteet Boy oder so! (grinst)

skillet-interview-nova-rock-2016

(c) Alex Blach

 

Euer neues Album Unleashed ist euer neuntes Album und es klingt immer noch nach Skillet. Wie schafft ihr es, nicht von eurem eigenen Stil gelangweilt zu sein und zu enden wie beispielsweise Linkin Park, die ihre komplette Musik verändert und dabei Fans verloren haben?
John:
Ich denke, es ist schwierig, immer weiter Musik zu kreieren. Man will nicht dasselbe Album immer wieder herausbringen. Und die Leute wollen, dass du was Neues machst… Nein – sie denken, dass sie wollen, dass du was Neues machst. Und wenn du das tust, sagen sie: „Oh, es ist so anders, sie haben vergessen, wer sie sind!“ Diesen schmalen Grat zu gehen ist heikel. Manchmal gelingt es, manchmal nicht. Am meisten Skillet kann ich in meinen Texten und den Melodien sein. Wer wir sind, ist vor allem in den Vocals erkennbar. In der Musik können wir also viel ausprobieren. Dieses Mal ging es darum, den Sound zu modernisieren, mit Keyboards und Gitarre. Ich denke, wir haben einen guten Job dabei gemacht, sie zu verschmelzen. Ich bin sehr zufrieden damit. Es ist mein Lieblingsalbum der letzten zehn Jahre! Ich freue mich darauf, es zu veröffentlichen.

Und ich freue mich, es zu hören! Ich schätze, du kennst das Sprichwort: „Man bereut nie, was man getan, sondern immer, was man nicht getan hat.“ Wenn du auf 20 Jahre Skillet zurückblickst, was bereust du, nicht getan zu haben?
John:
Vermutlich, dass wir nicht schon früher nach Europa gekommen sind, um an die Frage vorhin anzuknüpfen. Das war nämlich so. Vielleicht interessiert es dich nicht, aber ich erzähle es dir: Wir kamen ganz am Anfang das erste Mal nach Europa. Das war 1997 und kein Schwein kannte uns. Denk dran, wann das Internet wirklich populär wurde. Wir waren da, bevor im Internet Musik verbreitet wurde! Erst Jahre später merkte ich dann, dass online Musik über den ganzen Globus ging. Ich dachte nicht daran, dass Leute uns durch das Internet kennen könnten. Aber das half uns natürlich enorm. (lacht) Also ich wünschte, wir wären früher darauf gekommen und nach Europa zurückgekehrt.

Ihr wart schon zwei Mal für einen Grammy nominiert. Denkt ihr manchmal daran, wenn ihr im Studio ein neues Album aufnehmt? So nach dem Motto: „Auf der Platte haben wir das gemacht und es lief gut, also sollten wir das wieder machen.“ Oder ist das Kapitel abgeschlossen?
John:
Ich glaube, jeder Künstler kämpft irgendwie damit, das nicht zu tun, denn man weiß ja nicht genau, warum diese magischen Dinge passieren. Allerdings war Comatose, eines der nominierten Alben, mein Lieblingsalbum bisher. Und jetzt haben wir mit demselben Produzenten gearbeitet. Also hoffentlich haben wir dieses Mal wieder diese Magie eingefangen.

Ich drück euch die Daumen!
John: Ja, danke! Jeder hier drückt gefälligst die Daumen! (lächelt)

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(c) Alex Blach

 

Euer Glauben spielt in eurem täglichen Leben eine große Rolle, aber in den Texten ist das nicht so offensichtlich. Wie kommt’s?
John:
Manche unserer Songs und Alben waren offensichtlicher als andere und es gab Zeiten, da bekamen Menschen das Gefühl, sie könnten Skillet nicht hören, wenn sie nicht religiös sind. Das gefiel mir nicht, das war nicht das, was ich wollte. Ich wollte das tun, was Bono [von der Band U2] macht. Bono schreibt über seinen Glauben und darüber, die Welt zu verändern, aber auf eine Art, mit der sich jeder identifizieren kann. Also hab ich beschlossen, auch über meinen Glauben so zu schreiben, dass sich jeder identifizieren kann. Egal ob atheistisch, religiös oder was auch immer. Und das versuche ich seitdem.

Ich kann mir nicht helfen, aber immer wenn ich die Worte „Christian Rock“ höre, muss ich an ein Zitat aus der Serie King of the Hill denken: „Siehst du nicht? Du machst das Christentum nicht besser, du machst nur Rock ’n‘ Roll schlechter!“ Was denkst du über dieses Statement?
John:
(lacht) Ich kenne schon andere, zum Beispiel von den Simpsons, aber das kannte ich noch nicht! (lacht) Das ist auch so ein Grund, warum ich nicht mehr so offensichtlich über meinen Glauben singe. Weil viele Leute gleich mit ‚Ah, das ist scheiße, das ist schlecht‘ reagieren, wenn sie den Ausdruck „christlichen Rock“ hören. Und das ist wie ein schlechter erster Eindruck. Also habe ich versucht, davon wegzukommen. Aber eigentlich ist es nicht fair, wenn du dir ansiehst, wie viele christliche Bands in den letzten zehn Jahren berühmt geworden sind. Oder die christlichen Künstler, die diese Sparte verlassen haben, um Mainstreammusik zu machen, wie Katy Perry. Es gibt so viele berühmte Beispiele. Also ich denke, das Zitat und was Viele im Kopf haben, ist nicht wahr.

Der neue Albumtitel Unleashed klingt ja ziemlich wild. Beschreibt das auch den Sound der LP?
John:
Ja! Ich meine, es ist kein Metalalbum, aber für uns ist es sehr aggressiv. Und es ist eine aufregende CD. Darum haben wir es Unleashed genannt. Es sind keine Lieder, die du anhörst und dich dann fragst: „Was bedeuten sie?“ Du schaltest ein und es ist sehr überschwänglich. Man hat dann Lust zu trainieren, Laufen zu gehen, aufs Gaspedal zu steigen und so was. Es ist ein Album, das wir unbedingt machen wollten. Wir haben es nicht für andere gemacht, sondern für uns.

Das klingt toll! Wann werden eure österreichischen Fans euch wiedersehen können?
John:
Ich weiß nicht. Wann werden die österreichischen Fans uns wiedersehen können? (schaut seinen Manager an)
Manager: Wir kommen im Dezember wieder nach Europa, im Dezember sind wir in der Gegend.
John: Aber wir wissen noch nicht wo. Wir kommen nach Europa um eine Tour zu machen, unsere eigene Tour. Wir kennen aber noch nicht alle Termine.

Na dann hoffe ich, dass ihr es auch wieder zu uns schafft! Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die restliche Tour!

Mittlerweile wurde auch schon bestätigt: Am 2. Dezember 2016 (ein Freitag!) spielen Skillet in der Arena Wien, yay!

Photos: (c) Alex Blach

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