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Smalltalk mit Musikern – diesmal: Pre-Production

Smalltalk mit Musikern – diesmal: Pre-Production

Das kleine Völkchen der Musiker ist seit Anbeginn der Zeit für seine Eigenheiten bekannt. Neben einem meist exzessiven Lebensstil und auffallenden Kleidungsgeschmack verwenden diese Wesen auch zumeist recht eigensinnige Begriffe, um sich untereinander zu verständigen. Damit du beim nächsten Date mit einer heimischen Musikergröße nicht nur Bahnhof verstehst, nehmen wir von enemy.at einige Begriffe unter die Lupe.

Unser heutiger Begriff „Pre-Production“

Vor einem Jahr haben wir unsere Demos im Logic aufgenommen, jetzt geht’s noch in die Pre-Production, aber dann dauert es nur mehr ein paar Monate, bis du unsere Platte hören kannst. 

Pre-Production, zu deutsch Vorproduktion, ist ein Begriff, der in der (semi-)professionellen Musikwelt in aller Munde ist, jedoch den Laien stets vor ein Rätsel stellt. Was steckt nun wirklich hinter diesem Begriff? 

Kurz gegoogelt findet sich im Netz jedoch schnell eine gute Erklärung: Bei Musikproduktionen beinhaltet die Vorproduktion (engl. Pre-Production) in der Regel ein Arrangement im Entwurfsstadium, das dem Auftraggeber einen ersten Eindruck geben soll und meist aus Zeit- und Kostengründen mit Software-Instrumenten und Samples auf Basis des MIDI-Standards erstellt wird. Hierbei spielen die standardisierten General-MIDI-Klänge (GM) heutzutage aufgrund ihrer minderen Qualität keine Rolle mehr. Findet der Entwurf Zustimmung, beginnt die eigentliche Produktion mit Studiomusikern (oder auch mit hochwertigen Softwaresamplern), bei Filmmusik häufig mit Orchester. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vorproduktion_(Musik)).

In der Praxis stellt die Pre-Production einen mühseligen, aber wichtigen Schritt auf dem langen Weg zum fix fertigen Album dar. Nachdem die (im Normalfall eigens komponierten) Songs im Proberaum, früher mal grob mit dem Kassettenrekorder der kleinen Schwester, heute mit dem Smartphone, mitgeschnitten wurden, sucht man den Produzenten bzw. Musikstudiobesitzer seines Vertrauens auf, um mal über eine Produktion zu quatschen. Es gibt jedoch auch die Einserschüler unter den Musikern, die sich vor einem solchen Treffen ein Jahr im Proberaum verkriechen und auf dem Laptop eine Demonstrationsaufnahme (kurz Demo) in Studioqualität kreieren, unzählige Instrumente- und Gesangsspuren inklusive. 

Dave Grohl im Studio mit Trent Reznor und Josh Homme

Zurück zur Pre-Production. So, das Demotape hätten wir mal. Dies wird etliche Male durchgehört, bevor es in die Pre-Production geht, wo die Songs, ähnlich eines Diamanten, den Feinschliff bekommen. Das geht, wenn die Band harmoniert, locker flockig mit einem Livemitschnitt, oder mit Hilfe von künstlichen MIDI-Instrumenten. Hierbei gibt der Studiomensch bzw. Produzent seinen Senf dazu und muss manchmal auch versuchen, Wasser in Wein zu verwandeln. 

Egal, es kostet ein wenig Zeit und Nerven, meist mehr Nerven als Zeit, aber wenn die Songs dann zum gefühlt tausendsten Mal gespielt, gehört und verfeinert werden, geht es ran an den Speck zum richtigen Einspielen der Platte. Sofern man nicht nach der Pre-Production pleite ist. Dann heißt es Oma, Opa und weiteren Verwandten wieder einen Besuch abzustatten, alle möglichen Förderungsstellen anzukeilen, Shows zu spielen, die man niemals, wirklich niemals sonst spielen würde und weitere Opfer aufzubringen, um das heiß ersehnte Stück Polycarbonat oder Vinyl endlich in seinen Händen zu halten. Yes!

Vielleicht behaltet ihr euch das im Hinterkopf, wenn ihr beim nächsten Mal am Merchstand über den Preis verhandelt. 

So. Hätten wir wieder was gelernt. Demnächst widmen wir uns der Promotion im Musikbusiness.

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