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Sozialer Misserfolg vs. Bubbletea – Terrorgruppe im Grazer p.p.c.

Sozialer Misserfolg vs. Bubbletea – Terrorgruppe im Grazer p.p.c.

Das Jugendwort des Jahres 2016 ist „Fly sein“. Hm, hab ich noch nie gehört, geschweige denn schon mal gesagt. Dass ich, obwohl ich erst 23 bin, nichts mit der Jugendkultur anfangen kann, habe ich auch an diesem Freitagabend im p.p.c. in Graz erfahren, an dem die Terrorgruppe aus Berlin spielte.

Denn bevor die wunderbare Terrorgruppe wüten durfte, spielten, oder besser gesagt performten, Neonschwarz. Das ist so eine Hip-Hop Kombo aus Hamburg, die aus undefinierbaren Gründen ebenfalls an diesem Abend spielte. Somit gab es nicht nur auf der Bühne zwei komplett verschiedene Welten zu sehen und zu hören. Auch das Publikum teilte sich in zwei Schichten. Auf der einen Seite Punks mit auftoupierten Irokesen, die romantisch von besetzten Häusern träumen und heimlich Bausparen, auf der anderen Seite wohlhabende Richkids mit Turnbeuteln um der Schulter und übergroßen T-Shirts, umgeben von einer klebrigen Bubbletea-Duftwolke. Sowas kannst du dir nicht ausdenken.

Mehr: Terrorgruppe im Interview

Während die Hipster zu Neonschwarz „abrockten“, standen wir, die Ü20 Generation, hinten an der Bar, mit verschränkten Armen und beschwerten uns, dass die Musik vor die Hunde geht. Und wie sie das tut. So quälten wir uns durch eine Stunde Party-Rap mit semi-originellen Texten und freuten uns, als nach dem Auftritt von Neonschwarz endlich richtige Instrumente auf die Bühne befördert wurden. Nun wurde auch der Mob vor der Bühne kräftig umgerührt und wir wanderten mit einer Masse aus Terrorgruppe-Shirt tragender Freizeit Assipunks in die vorderen Reihen des p.p.c. Es war Zeit für Musik. Für ehrliche Musik, mit Instrumenten und so.

Terrorgruppe Arena Wien 05.02.16 (c) Alexander Blach

Terrorgruppe in der Arena Wien am 05.02.16
(c) Alexander Blach

 

Und verdammt, die Terrorgruppe ist immer noch eine der besten Livebands, die du so finden kannst. Vom ersten Ton an hatten Archi, Johnny Bottrop und der restliche Tiergarten den Saal unter Kontrolle und zogen ihre typische Show ab, die wir so lieben. So wurden wir über 90 Minuten beschimpft, verarscht und mit Songs beschenkt, die unser Leben begleitet haben, mehr als es ein abziehbarer Wandspruch aus einem Billigdiskonter je könnte – Carpe Diem ihr Fucker!

Vor allem über die Setlist können wir uns wirklich nicht beschweren. Klar gab es einige Songs ihres neuen Albums Tiergarten, die wir echt gut finden, doch der Großteil bestand aus Terrorgruppe-Klassikern wie Russenhitler, Sabine, oder Schöner Strand. Das Publikum dankte es mit Dauerpogo und lauten „Fick dich, du Arschloch“-Rufen. Dass auch die Terrorgruppe einen Riesenspaß hatten, sah man vor allem an Frontmann Archi, der den gesamten Abend über wie ein lackiertes Hutschpferd grinste und sich wohlwollend als Messias der Grazer Punkszene feiern und liebevoll anspucken ließ. Es ging sogar so weit, dass zu einem Song das komplette Publikum im sitzen und liegen pogte – hab ich so auch noch nie gesehen.

Terrorgruppe Arena Wien 05.02.16 (c) Alexander Blach

Terrorgruppe in der Arena Wien am 05.02.16
(c) Alexander Blach

 

Mein Fazit: Wenn ich mir die Kids heutzutage so ansehe, bin ich froh, dass ich in meiner Jugend von Bands wie der Terrorgruppe geprägt wurde und dass es die Terrorgruppe immer noch gibt. So und jetzt beende ich diese Artikel, denn mein Goofy Saft ist alle und ich muss die Platte auf meinem Plattenspieler umdrehen. Erwachsen sein ist cool.

Photos: (c) Alex Blach

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