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Talco – Arena Wien

Talco – Arena Wien

Die Ska-Punk Truppe Talco aus Marghera, Venedig waren gestern zum dritten Mal zu Gast in der Arena Wien. Und selbst wenn sie noch drei- oder drölfmal kommen – Es würde nie fad werden.

Gegen 20:00 öffneten sich die heiligen Pforten des lokalen Ska-Punk Himmels. Das mag jetzt übertrieben klingen – jedoch finde ich, dass man auf Ska-Punk Konzerten immer einen ganz bestimmten Mix an Menschen über den Weg läuft. Die 16-jährigen Schülerinnen, die heute mal länger ausgehen dürfen, obwohl erst Donnerstag ist. Die Typen mit dem Irokesen aus Dreadlocks, die trotz Rauchverbot im Zehn-Minuten-Takt im Pit einen nach dem anderen durchziehen. Grüne Haare, Gelbe Haare, keine Haare. Pupillen so groß wie Langspiel-Schallplatten. Pupillen so klein wie 7“ Schallplatten.

Alles und jede Gesinnung. Immerhin ist ja Ska-Punk auch so ein Ding. Es ist weder noch und oder. Und eigentlich eine ziemlich ausgelutschte Sache. Zumindest im Jahr 2016. Da muss die Band schon irgendwie herausstechen. So wie Talco eben.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Um 21:00 quillte die Bühne in der kleinen Halle fast über. Acht Menschen stehen darauf. Sie nennen sich The Prosecution und kommen aus Deutschland. Drei Bläser. zwei Schlagzeuger. Oder sagen wir Percussionist. Man merkt schon beim Line-up, dass es sich hier um ein Talco-ähnliches Ding handeln wird. Wenn ich die Jungs in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das wohl: Partymäuse.

Der Raum füllt sich. Aus 20 Hanseln werden 150 Hanseln. Wenn es zwei Dinge sind, die The Prosecution können, dann Stimmung machen und schnelle, harten Ska-Punk spielen. Ob Sie auf Tour viel zum Zeitung lesen kommen – ich weiß es nicht. Immerhin fragte der Sänger von The Prosecution nach, ob der Typ nun Strache oder Stracke hieß, um dann die nächste Nummer mit dieser Zeile anzuteasen: „Das geht an Stracke, die dumme Sau… Zack Zack Zack“. Das Herz ist am richtigen Fleck. War gut. Danke.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Ich schaue mir eigentlich auf Konzerten immer alle Bands an. Auch diesmal. Mein Herz schlägt aber den ganzen Abend schon nur für Talco. Ich weiß nicht, was es ist, aber diese Band macht Stimmung. Diese Band macht gute Musik. Diese Band hat ein Ska-Punk Cover von Bella Ciao.

Um 22:00 geht es los. Die Halle scheppert. Sie ist nun gut, sehr gut gefüllt. Die Masse wackelt von links nach rechts. Man wird fast bei jedem schnelleren Part ins Pit gezogen. Da hat man gar keine andere Wahl. Was man Talco auch hoch anrechnen muss, ist, dass sie von Anfang an ein Set von 90 Minuten geplant haben. Man kann nur froh sein, dass nach diesen 90 Minuten keiner kollabiert ist.

(c) Mario Baumgartner

(c) Mario Baumgartner

 

Die Halle tropft. Der Schweiß rinnt. Die Leute fliegen quer durch die Gegend. Talco spielen viele Songs der neuen Platte Silent Town – was definitiv auch kein Fehler ist. Zwischendurch mischen sich immer wieder Songs der anderen Alben. Vor allem Gran Gàla kommt oft zum Zuge. Bei La Mia Citta flippten alle aus. Sie FLIPPTEN aus. Und ich brauche gar nicht erst erwähnen, was so bei Bella Ciao oder Dansa dell’autonno Rosa los war. Kurz gesagt: Talco spielen alle Stückeln.

Und wenn ich die Band mit einem Wort beschreiben müssten, dann wohl mit Partytiger. Egal, ob einem die Musik gefällt oder nicht – bei Talco bleibt sicherlich kein Bein stillstehen, kein Auge trocken und keine in die Luft gestreckte Faust ungeballt. Immerhin St. Pauli, Antifa, Oi, Oi, Oi.

In diesem Sinne: Bei Talco kann man noch so einiges lernen. Wie man schnelle partytaugliche Musik mit Message macht. Wie man sympathisch auf der Bühne rüber kommt. Und vor allem merkt man nach 90 Minuten Talco an einem leichten Seitenstechen, dass es nun endlich wieder an der Zeit wäre, Sport zu machen. Und dann am Besten mit Silent Town im Ohr. Ciao, Bella.

Photos: (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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