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The 1975 – Gasometer Wien

The 1975 – Gasometer Wien

Montag, 11. April in Wien Simmering. Es war 19:30 und eine selten gesehene lange Menschenschlange stand zum Einlass ins Wiener Gasometer an. Eine Schlange, die sich bis zur U-Bahn Station erstreckte und alle ein Ziel – oder besser gesagt eine Band – kannten: The 1975! Nach ausverkauften Konzerten im Flex und der Arena in den vergangenen Jahren, beglückten die Briten Montagabend zum dritten Mal in Folge ihr österreichisches Publikum.

Den Anfang machte Labelkollegin The Japanese House. Eine junge Dame aus London, unter bürgerlichen Namen auch bekannt als Amber Bain, füllte den Supportslot und lieferte ein Set, das sich wohl als melancholisch-minimalistisch am besten beschreiben lässt. Mit bis zur Unkenntlichkeit verzerrter Stimme und einem Soundgemisch, das sich irgendwo zwischen Bon Iver und The 1975 ansiedelt, bietet die gerade einmal 20-Jährige Musik, die interessanter nicht sein könnte, jedoch ungeübte Hörer durchaus überfordern kann.

Im lässig, legeren Tomboy-Look und der E-Gitarre eng an sich geschnallt, wirkte Bain sympathisch normal, wenn auch etwas verloren auf der großen Bühne. Fröhlich und munter witzelte die zierliche Londonerin immer wieder zwischen Songs herum und versuchte damit bei dem erheblich jüngeren und ausschließlich weiblichen Publikum Stimmung zu machen. Diese wollte allerdings partout nicht aufkommen, da man entweder den starken britischen Akzent nicht verstand, oder wie gewohnt zu beschäftigt war miteinander zu quatschen oder seinen Facebook, Snapchat, Instagram-Feed zu checken.

The Japanese House - © Yavuz Odabas

The Japanese House – © Yavuz Odabas

Nach einer halben Stunde Umbaupause erklang pünktlich um 21:00 Uhr die schrillen Anfangstöne von Love Me und Sänger Matty Healy kam auf die Bühne gesprungen, um in leicht theatralischer Manier seine 80er-Zeitreise zu beginnen. Die Bühne, ausgestattet mit einer ziemlich bombastischen Lichtinstallation, die neben allen möglichen Farbkombinationen auch verschiedene Szenen (von bunten Seifenblasen bis zu einer Städteskyline) zu projizieren vermochte, war ein Erlebnis für sich. Wenig überraschend stellte sich daher auch der Umstand ein, dass Smartphones von Beginn an im Sekundentakt in die Höhe eilten, um das bunte Lichtspektakel festzuhalten.

Nach dem allseits-beliebten Heart Out, in dem der mittlerweile zum festen Bestandteil der Band gewordene Saxofonist John Waugh bewundern werden durfte, folgten Hits aus dem aktuellen Songrepertoire wie A Change Of Heart und She’s American. Die Setlist stellte sich zu meiner persönlichen Freude und Überraschung relativ schnell als eine ziemlich bunte und ausgeglichene Mischung heraus. Alte Klassiker, neue Lieblinge sowie mehrere Schmankerl von den einst vor drei Jahren veröffentlichten EPs wie You, Anobrain und Falling For You waren alle vorhanden und zudem unüberhörbar gerne willkommen!

Trotz der beeindruckend gewaltigen Lichtershow und einer mehr als soliden Performance, stand jedoch im Zentrum aller Aufmerksamkeit zu jederzeit Frontmann Matty. Dies musste ich beispielsweise feststellen, als ein vor mir stehendes Mädchen den Sänger im herangezoomten Kameramodus bis zu 100 Mal pro Minute fotografierte. Ein Umstand, der mir zu denken gab, hatte ich mich doch noch Stunden zuvor Backstage mit dem 27-Jährigen über den Hype um seine Person unterhalten (Interview folgt!).

The 1975 - © Yavuz Odabas

The 1975 – © Yavuz Odabas

Zwei von vielen Höhepunkten machten unter anderem Songs wie Me, bei dem es – Gott sei Dank! – für alle galt, ihre Handys einmal wegzustecken und die religionsbekrittelnde Ballade If I Believe You aus, die mit eingespielten Gospelchor Gänsehautstimmung verbreitete. Auch wenn ab und an deutlich der Anschein da war, dass sich das Gasometer einer Routineshow erfreut und sich die vier Herrschaften gewohnt wortkarg gaben, kann man sich bei überanderthalb Stunden Spielzeit und 22 Songs sicherlich nicht beschweren.

Nach den lang erwarteten, abschließenden Ohrwürmern Chocolate, The Sound und Sex, die noch einmal für die nötige Portion Euphorie unter dem etwas größer geratenden Klassenzimmer sorgten, verabschiedete man sich kurz und schmerzlos und die Fans fanden sich im Lichte der Hallenbeleuchtung des Gasometers im Jahre 2016 wieder.

Photos: © Yavuz Odabas

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