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The Basement Tapes: Simon and Garfunkel – Bridge Over Troubled Water

The Basement Tapes: Simon and Garfunkel – Bridge Over Troubled Water

Was sind die wirklichen Must-Haves in einer guten Plattenkollektion? Welche Alben haben einen derart legendären Status erlangt, sodass ein jeder Musikliebhaber, der etwas auf seine Sammlung hält, sie besitzen sollte? Natürlich sind eindeutige Antworten auf diese Fragen pure Utopie, jedoch beschäftigten sie mich trotzdem. Obwohl jeder Mensch andere CDs als besonders wichtig erachtet, scheint es dennoch einige Alben zu geben, die aufgrund ihres Erfolgs überdurchschnittlich häufig Einzug in die heimischen CD-Regale finden. Um herauszufinden, welche das sind, habe ich mich auf eine internationale Vinylmesse begeben und die dortigen Plattensammler, -liebhaber und -händler nach den ihrer Meinung nach unverzichtbarsten Werken befragt. Die Ergebnisse gibt es monatlich hier zu lesen.

simon-and-garfunkel-bridge-over-troubled-water-coverVon Tom and Jerry zu Simon and Garfunkel

Letztes Monat habe ich mit U2 über eine Band geschrieben, die sich bereits in jungen Jahren an der gemeinsamen Schule kennenlernte. Ähnlich steht es um Simon and Garfunkel, wenn auch deren Beziehung zueinander wohl etwas weniger harmonisch verlaufen ist. Paul Simon und Arthur „Art“ Garfunkel, damals 12-jährig, freundeten sich bei Proben eines Schulmusicals an und beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Zunächst noch unter dem Namen Tom and Jerry landeten sie nur drei kurze Jahre später mit Hey Schoolgirl einen ersten Hit und feilten weiterhin an ihrer musikalischen Karriere. Besonders hellhörig wurden Kritiker allerdings erst mit dem Debütalbum Wednesday Morning, 3 A.M. ( 1964), das die zwei Amerikaner schlagartig in das Blickfeld der Öffentlichkeit rückte.

Ein weiteres rekordbrechendes Album ist Bridge Over Troubled Water aus dem Jahr 1970, das sogar mit einem Grammy in der Kategorie „Best Album“ ausgezeichnet wurde. Und diesen Titel trägt es mehr als zurecht! Obwohl das Meisterwerk grundsätzlich klar dem Folkrock zugeordnet werden kann, steht es keinesfalls isoliert von anderen Genres, im Gegenteil. Es finden sich zahlreiche musikalische Einflüsse aus anderen Kategorien, wie dem Rock’n’Roll, um ein Beispiel zu nennen, die raffiniert in die einzelnen Nummern eingeflochten werden.

Besonders charakteristisch sind Simons akustische Gitarren-Pickings und natürlich die schönen, eingängigen, teilweise fast hypnotisierenden Melodien, die von den beiden Amerikanern meistens zweistimmig aufbereitet sind. Letzteres ist vermutlich das stilprägendste Merkmal überhaupt, wenn von Simon and Garfunkel die Rede ist. Diese beiden Stimmen in ihrer Einzigartigkeit passen einfach perfekt zusammen. Zudem weitet sich die Untermalung des Gesangs extrem weit aus: Neben erwähnter Gitarrenbegleitung findet eine breite instrumentale Palette Verwendung, die jedem einzelnen Song seine ganz eigene Stimmung verleiht. Bläser, Streicher, Klavier, scheinbar immer perfekt dosiert. Nie zu viel, nie zu wenig. Simon and Garfunkel wagen es, in andere musikalische Richtungen auszuschweifen und schaffen es dennoch, ihrem Stil immer treu zu bleiben.

In Höchstform

Auf Bridge Over Troubled Water (Label: Columbia Records) erwartet einen also eine angenehme Abwechslung, und vielleicht ist es mitunter dieses gekonnte Balancieren zwischen Innovation und Gefestigtem, welches den Erfolg von Bridge Over Troubled Water und dem Phänomen Simon and Garfunkel generell ausmacht. Elf Songs finden auf rund 36 Minuten Platz. Der erste davon ist Aushängeschild und verleiht dem Album seinen Namen. Rapide stieg die mit vier Grammys ausgezeichnete Ballade von Simon zu einer wahren Hymne auf. Es folgt El Condor Pasa (If I Could), das auf ein peruanisches Volksstück zurückgeht. Diese anfängliche Nostalgie wird mit dem flotten Cecilia und dem fast jazzig groovigen Keep The Customer Satisfied aufgelöst. Auf letzterem findet man einen ganzen Bläsersatz vor, der sich bis Ende immer mehr steigert.

Bei So Long, Frank Lloyd Wright erfährt man einen angenehm chilligen, ruhigen Moment. Perfekte Vorbereitung für das nächste Stück, The Boxer. Mit ihm schwingt eine melancholische Tragik, welche einfach nur berührt. Als nächstes folgt das heitere, Country angehauchte Baby Driver. Nach The Only Living Boy In New York und Why Don’t You Write Me kommt der allseits bekannte Hit Bye, Bye Love als Live-Version. Den letzten Song bildet Song For The Asking, das erneut eine ruhige Komponente ins Spiel bringt und zum Nachdenken anregt. Einen besseren Schlusstrack hätte man wohl nicht wählen können.

 

Vielfältiger Folk-Rock

Mit Sounds of Silence (1966) und Parsley, Sage, Rosemary and Thyme (1966) etablierten sich Simon and Garfunkel als fixe Größen ihrer Zeit, und allerspätestens seit Mrs. Robinson, der Titelsong zu dem Film The Graduate, können sie ohne weiteres in einem Atemzug mit Musikikonen wie Bob Dylan oder den Beach Boys genannt werden. Als Bridge Over Troubled Water erschien, waren sie also bereits viel beachtete Musiker. Die von Simon komponierten Stücke sind abwechslungsreich arrangiert und in einer genialen Reihenfolge angeordnet: Sie bauen sich auf, lösen diese Spannung dann aber immer wieder. So entstehen viele Höhepunkte gleichermaßen wie melancholische Komponenten.

Leider ging es privat nicht so harmonisch zwischen Simon und Garfunkel zu, die beiden zerstritten sich immer mehr. Zwischenzeitlich rauften sie sich zwar hin und wieder zusammen (berühmtestes Beispiel wohl das „Concert in Central Park“ 1981), doch die Wege blieben grundsätzlich getrennt. Bridge Over Troubled Water ist das fünfte und auch letzte Studioalbum der talentierten Amerikaner.

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