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The Basement Tapes: U2 – The Joshua Tree

The Basement Tapes: U2 – The Joshua Tree

Was sind die wirklichen Must-Haves in einer guten Plattenkollektion? Welche Alben haben einen derart legendären Status erlangt, sodass ein jeder Musikliebhaber, der etwas auf seine Sammlung hält, sie besitzen sollte? Natürlich sind eindeutige Antworten auf diese Fragen pure Utopie, jedoch beschäftigten sie mich trotzdem. Obwohl jeder Mensch andere CDs als besonders wichtig erachtet, scheint es dennoch einige Alben zu geben, die aufgrund ihres Erfolgs überdurchschnittlich häufig Einzug in die heimischen CD-Regale finden. Um herauszufinden, welche das sind, habe ich mich auf eine internationale Vinylmesse begeben und die dortigen Plattensammler, -liebhaber und -händler nach den ihrer Meinung nach unverzichtbarsten Werken befragt. Die Ergebnisse gibt es monatlich hier zu lesen.

I don’t care what anybody thinks, I’m going to speak out.

– Bono

Vier Schüler beginnen Musik zu machen, ergattern einen Plattenvertrag und füllen nach wenigen Jahren statt Turnhallen ganze Fußballstadien auf ihren Welttourneen. So etwa ließe sich die Bandgeschichte von U2 in nur einem Satz zusammenfassen. Diese, welche beinahe wie die unrealistische Handlung eines amerikanischen Teenager-Films klingt, begann 1976 ihren Lauf zu nehmen. Denn da meldeten sich Bono (eigentlich Paul David Hewson, Gesang), The Edge (eigentlich David Howell Evans, Gitarre) und Adam Clayton (Bass) auf die „Musicians Wanted!“-Anzeige Larry Mullens (Schlagzeug), angebracht am Anschlagbrett ihrer Schule.

Nach Erspielen einer nationalen Fangemeinde folgte der internationale Durchbruch mit War (1983), das Kultsongs wie New Year’s Day oder Sunday Bloody Sunday enthält, und das darauffolgende The Unforgettable Fire (1984). Die Singleauskopplung Pride (In The Name Of Love) ist wohl fast jedem ein Begriff. Der Erfolg wurde durch das Nachfolgealbum The Joshua Tree (1987) noch mehr gesteigert und der Status von U2 als eine der stärksten und präsentesten gegenwärtigen Rockbands war endgültig gefestigt. Besonders auffällig sind die von Bono stammenden Texte, welche sich von Beginn an immer wieder durch Gesellschaftskritik auszeichnen. Mit politischen Missständen, auf die oftmals konkret Bezug genommen wird, und sozialen Mängeln wären zwei Themen aufgegriffen, die sich durch das Werk der vier Iren ziehen und auch bei The Joshua Tree Eingang finden. Wenn Bono über eigene Gefühle und Bestrebungen singt, bekommt das Album auch eine persönliche, intime und auch religiöse Note, und vielleicht ist es genau die, welche manchen Songs eine tiefe Melancholie und Spiritualität verleiht.

Auch musikalisch begegnet einem das Werk kontrastreich. Präzise, genau definierte Drum-Beats stehen neben Gitarrenarpeggios, die sich aufbauen, häufig unter Verwendung von Delay-Effekten, und manchmal in einer Klangfläche enden. Überhaupt wurden The Edges Gitarrensoli schon bei Ersterscheinung der Platte von vielen Kritikern hochgelobt. Auch, dass sich die Band in dieser Zeit mit Rock’n’Roll, Blues und Folk näher beschäftigte, bekommt man beim Hören des Albums oftmals zu spüren. Ansonsten knüpften U2 mit The Joshua Tree an den Faden des Vorgängeralbums an: Die Band bleibt im Genre Rock verankert.

I just think, the album takes you somewhere. It’s like a journey

– Adam Clayton

Mit The Joshua Tree (1987; Label: Island Records) erschufen U2 ihr fünftes Studioalbum. Es enthält elf Songs, welche alle von ihnen selbst geschrieben wurden, und auf ziemlich genau 50 Minuten Platz finden. Bereits im Titel fällt die religiöse Symbolik auf, die auch bei einigen Stücken greifbar wird: Der Josuabaum ist eine Pflanzeart, benannt nach der alttestamentlichen Figur Joshua.

Legt man The Joshua Tree auf, folgt sogleich eine Kultsingle der nächsten. Where The Streets Have No Name ist mit seinem sich steigernden Anfang ein perfekter Opener und vermittelt ein Sehnsuchtsgefühl nach Freiheit, mit dem man auch heute noch etwas anzufangen weiß. Diese Aktualität bleibt auch bei I Still Haven’t Found What I’m Looking bestehen. Auf die ruhige Ballade With Or Without You folgt das kraftvolle, fast aggressive Bullet The Blue Sky. Abgelöst wird es von Running To Stand Still, einer erneut ruhigen Nummer. Einen sich aufbauenden Beginn findet man auch bei Red Hill Mining Town. Überhaupt sind solche Steigerungen charakteristisch für das Album und U2 generell. Nach In God’s Country und Trip Through Your Wires kommt mit One Tree Hill eine emotional-aufgeladene Nummer, die es schafft, dennoch rockig zu sein. Es folgt Exit und schließlich mit Mothers Of The Disappeared ein starkes, würdevolles Finale.

Abwechlungsreicher Rock

Wer sich mit den erfolgreichsten Bands des 20. Und 21. Jahrhunderts auseinandersetzt, kommt an U2 einfach nicht vorbei. Mit The Joshua Tree schufen sie eines der bedeutendsten, einflussreichsten, und auch kommerziell erfolgreichsten Alben der 80er. Neben Songs, die sich durch Kraft, Engagement und Emotionalität auszeichnen, trifft man gleichermaßen auf melancholische, zum Nachdenken einladende Stücke. Kritische Texte, die Missstände aufdecken und Gerechtigkeit fordern, werden von eingängigen Melodien und solider Begleitung genau passend untermalt. Ein abwechslungsreicher, angenehmer Kontrast zieht sich durch die gesamte Platte, die sofort zu einem Chartstürmer wurde und zahlreiche Auszeichnungen einheimste, darunter ein Grammy. Rolling Stone kürte das Werk zum „Best Album“. Die vier Iren stiegen von der einstigen Schülerband zu regelrechten Musikikonen auf, und heute, genau 40 Jahre später, spielen sie immer noch in gleicher Besetzung. Ruhig wurde es nach The Joshua Tree bei weitem nicht um Bono, The Edge, Adam und Larry: Kultalben wie Achtung, Baby (1991) oder All That You Can’t Leave Behind (2000) wurden auch bei meinen Umfragen häufig genannt. Nach wie vor sind U2 hochaktiv, erst 2014 erschien ihr bisher letztes Album Songs Of Innocence. Die Tour dazu endete erst im Dezember 2015.

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