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The Cure und eine Ode an meine traurige Teenie-Zeit

The Cure und eine Ode an meine traurige Teenie-Zeit

Ich hatte meinen ersten Kuss zu The Cure, und meinen ersten Liebeskummer auch. Na gut, es war nicht mein erster aber zumindest mein erster echter und bis heute sehr tragischer Liebeskummer. Dementsprechend fühle ich mich innerlich verstrickt mit The Cure. Welche Band gibt einen besseren Soundtrack zum Liebeschaos eines Teenagers, der in den 2000ern in der Blüte seiner „Wer bin ich und was soll das Leben?“-Verwirrtheit gestanden ist?

Ich hab’ The Cure 2008 im Gasometer gesehen (ja, irgendwie noch mitten im Teenie-Chaos) und mich vollends in diese Band verliebt. Und acht Jahre danach hatte ich große Befürchtungen, man könnte mich enttäuschen. Vielleicht ist es, wie bei anderen großen Urstein-Bands, noch einmal ein Abklappern einiger Städte, um ein bisschen Kohle aufs eigene Konto zu transferien? Wird Robert Smith mich wieder in seinen Bann reißen? Werden sie eh meine Lieblingslieder spielen und nicht nur ganz neue, die ich nicht mehr so mag??

the cure

Der Tag nach dem Konzert…

Heute bin ich ein bisschen wehmütig. Und traurig. Ich konnte das Konzert nicht so genießen, wie ich es hätte sollen. Die Marx Halle hat mir das Konzert so madig gemacht, dass mich nur Just like heaven in der Mitte der Show ein bisschen aus dem Ärger reißen konnte. Obwohl die Vorband schon vorbei war, mussten viele Besucher noch eine halbe bis dreiviertel Stunde vor der Halle anstehen, bis sie endlich herinnen waren. Angekommen in den un-heiligen Hallen, ging es gute zwanzig Minuten eng zusammengepfercht den langen Eingangsschlauch entlang, bis man endlich wirklich drin war.

Wer aufs Klo musste, und sich das aufgrund der anstehenden Menge für später während des Konzerts aufgehoben hat (weil da ja normalerweise nichts los ist und man nur maximal einen halben Song verpasst) auch der hat Pech gehabt. Meine Uhr hat eine halbe Stunde gezählt. Die Sache mit Bier oder Wasser haben wir nicht probiert – bis zum Schluss war dort so viel Gedränge, dass wir länger gebraucht hätten als für unsere Klopause. Aber auch kein Wunder, bei nur drei oder vier Getränkeständen und einer mit 10.000 Besuchern ausverkauften Halle.

Robert Smith minus 40 Jahre

Reduzierte LED-Lichterspielchen, ganz passend zur Musik und der Stimmung, die die Halle selbst abgibt. Mit ihren Eisenträgern und hohen Decken ist sie ja schon so geheimnisvoll und düster. Dass wahrscheinlich die Hälfte der Besucher aufgrund genau dieser schönen Eisenträger und des verbauten, schlauchartigen Grundrisses schlichtweg nichts gesehen haben, ist ein anderes Thema. Die Halle ist in ihrer Form vielleicht eine coole Location für ein DJ-Event, für ein Konzert aber sicher nicht.

Wenigstens erkennt man Robert Smith auch von ganz hinten – er ist bis heute einfach das Abbild seiner selbst, aus den 80ern oder 90ern, egal. Eine Kultfigur, wie es aussehenstechnisch vielleicht noch Elvis, Marilyn oder Pippi Langstrumpf sind. Du siehst eine Silhouette, und weißt sofort, es ist Robert Smith. Die Haare sind vielleicht aufgrund des 40-Jahre-Jubiläums der Band schon ein bisschen ausgedünnt, aber man erkennt sie. Der knallrot geschminkte Mund geht auf, sie trällern die ersten Zeilen von Plainsong, Pictures Of You. Ja, das ist Robert Smith.

Es gibt ein paar wenige Ansagen zwischen den Songs – mehr als beim letzten Mal – aber das macht nichts, denn es ist ja Robert Smith. Ich will gar nicht, dass er viel mehr redet, das wär‘ irgendwie nicht authentisch. Er redet wenig, und mir fallen zum ersten Mal die langen Instrumentalparts auf. Er soll mehr singen. Ich mag seine Stimme, weil auch seine Stimme ein Abbild ist. Von ihm selbst, als er Songs wie  In Between Days eingesungen hat. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass dazwischen 30 Jahre liegen sollen. Nur seine Hülle ist gealtert, nicht aber seine Sehnsucht, das Herzklopfen, seine mysteriöse „Aura“.

Robert, die Sehnsucht und ich

Robert Smith ist ein Zauberkünstler. Er macht es einfach, dass ich mich wieder wie 16 fühle. Macht er das bei sich selbst auch? Muss so sein. Sie spielen Lovesong und ich fühle mich zurückversetzt. Liebeskummer, ihr wisst schon. Jetzt höre ich mir die Live-CD von 2011 an und wünschte, es wäre gestern Abend. Und dann wünsche ich mir, dass ich The Cure nicht zum letzten Mal gesehen hab‘.

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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