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The Hateful 8 – Filmkritik

The Hateful 8 – Filmkritik

Der lang ersehnte neue Film von Kultregisseur Quentin Tarantino trägt den wunderschönen Titel The Hateful 8 und begibt sich wie der hochgelobte Vorgänger Django Unchained in den Wilden Westen. Nur anstatt öder Wüstenlandschaften gibt es außer Schnee so gut wie nichts. Für seinen achten Film holte sich der renommierte Skandalregisseur und zweifache Oscarpreisträger sein Eliteensemble: Samuel L. Jackson (fünfte Zusammenarbeit), Tim Roth und Michael Madsen (jeweils vierte Zusammenarbeit) und weitere sensationelle Schauspieler.

Die Story kann man in wenigen Worten zusammenfassen: Kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg werden auf dem Weg in die Stadt Red Rock acht zwielichtige Personen durch einen Schneesturm gezwungen, in Minnies Kleinwarenladen mehrere Tage auszuharren. Obwohl der Krieg vorbei war, sind die Überzeugungen noch immer stark präsent. So ist es den ehemaligen Konföderierten ein Dorn im Auge, dass sie ihren Unterschlupf mit einem Schwarzen (Samuel L. Jackson), der für die Union gekämpft hat, teilen müssen. Und vielleicht ist das Zusammentreffen der acht Fremden gar nicht so zufällig, wie es den Anschein hat.

 

Zur Freude aller eingeschweißten Tarantino Fans konnte diese minimalistische Story nur eines bedeuten: Endlich wieder ein Dialogfilm á la Reservoir Dogs oder Pulp Fiction. Mit einem sensationellen Cast, eingesperrt in einem kleinen Raum, freut man sich richtig auf die Diskussionen der Protagonisten. Dazu kommt noch die Zeitepoche. Wie bereits in Django Unchained spielt das Thema Sklaverei eine wesentliche Rolle und würde ordentlich Stoff für gute Dialoge geben. Außerdem bestand der Kultregisseur darauf, den Film auf 70mm, was ein Breitbandformat von 1:2,76 erzeugt, zu drehen, was besonders die Landschaft zur Geltung bringen soll.

Was in der Theorie wie das Meisterwerk schlechthin klingt, ist in der Praxis unglücklicherweise größtenteils gescheitert. Aber der Reihe nach. Für Zartbesaitete waren die Tarantino Filme sowieso noch nie etwas. In seinen bisherigen Filmen – also ohne The Hateful 8 – kommt das Wort „Fuck“ 1371-mal und das Wort Nigger 194-mal (alleine 113 davon in Django Unchained) vor. The Hateful 8 springt auf diesen „Nigger und Fuck“- Zug auf und es wird langsam mühsam. Die erste Hälfte des Filmes wird man mit dem Humor der Charaktere ja noch unterhalten, doch spätestens ab der Intermission langweilt man sich nur noch durch die Auflösung der Geschichte. Einige Witze sind für Nicht-Amerikaner schwer zu verstehen, da man sich im Normalfall mit dem Bürgerkrieg nicht gut auskennt. Die Dialoge sind nur noch gegenseitiges Beleidigen und Provozieren und keine interessanten Geschichten mehr. Wo sind die herrlichen Diskussionen über Trinkgeld? Über einen Quarterpounder mit Käse in Europa? Über einen Banküberfall mit einem scheiß Telefon? Oder ein Monolog über Superhelden? Irgendwas?

 

Kommen wir weiter zu Intermission. Diese gibt es nur in der 70mm Roadshow Fassung. Der Film dauert dann anstatt 167 Minuten 187 Minuten inklusive 12 Minuten Pause. Vor gar nicht allzu langer Zeit war es bei Überlängen Filmen üblich, in der Hälfte eine kurze Pause zu machen. Dadurch, dass The Hateful 8 Tarantino-typisch in Kapitel unterteilt wurde, funktioniert das auch ganz gut… jedoch nur, wenn die Pause auch tatsächlich eingehalten wird. Das passiert aber in der Standardvorführung nicht, sondern nur in der 70mm Vorführung. Jetzt ist es in der Standardvorführung etwas verwirrend, wenn man nach der Hälfte eine kurzen Recap von dem sieht, was man gerade vor zwei Minuten gesehen hat. Da wir schon bei 70mm sind, was ja für Landschaftsaufnahmen das Nonplusultra sein soll. Ja, das mag schon sein. Jedoch bringt das nicht viel, wenn der Film zu ungefähr 80 Prozent in einem Raum spielt.

Die Geschichte von The Hateful 8 hätte unerwartet viel Potenzial gehabt, wenn man einen Vorschlag von Tim Roths Charakter Oswaldo Mobray weiter verfolgt hätte. Das passiert jedoch nicht und heraus kommt trotz unterschiedlicher und wirklich gut geschriebener Charakteren (besonders Daisy Domergue, großartig dargestellt von Jennifer Jason Leigh) mehr oder weniger eine Verfilmung des Gesellschaftsspiels „Die Werwölfe von Düsterwald“. The Hateful 8 ist auf jeden Fall ein solider Film, jedoch für Tarantinos Niveau eher in der hinteren Riege der Liste des Kultregisseurs anzuordnen.

Kinostart: 28. Jänner 2016
Genre: Action, Thriller
Regisseur: Quentin Tarantino
Cast: Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Tim Roth
Land: USA
Dauer: 167/187 Minuten
Filmverleih: Universum Film
Für Fans von: Reservoir Dogs, Django Unchained

7punkte

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