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Tokyo Mirage Sessions #FE im Test

Tokyo Mirage Sessions #FE im Test

Was bekommt man, wenn man die beiden populären Videospielreihen Shin Megami Tensei und Fire Emblem miteinander kombiniert? Einen guten Grund sich eine Wii U zu kaufen! Während der Rest der Welt auf Persona 5 wartet, kann hier nämlich schon den spirituellen Nachfolger zum Atlus RPG-Hit genießen. Wir haben Tokyo Mirage Sessions #FE für euch getestet.

Der Weg zum Ruhm

Vor fünf Jahren ist das Unmögliche geschehen. Im Rahmen einer Aufführung, sind nicht nur die Stars, sondern auch das gesamte Publikum verschwunden. Einzig ein junges Mädchen blieb verschont. In der Gegenwart will Tsubasa Oribe, das Mädchen welches dem Massenverschwinden entgangen war, in der Fußstapfen ihrer einst ebenfalls verschwundenen Schwester treten und zur Berühmtheit – genauer gesagt zu einem Idol – werden. Allein, bei einem öffentlichen Talentwettbewerb tauchen plötzlich seltsame Kreaturen auf, welche den Menschen ihre Energie rauben und Tsubasa in eine andere Dimension verschleppen. Nun ist es an ihren Freunden Itsuki und Touma sie zu retten.

So sieht gerade mal die Ausgangssituation aus. Wo manche Rollenspiele sich Zeit nehmen, wirft einem Tokyo Mirage Sessions #FE die Informationen zu Beginn gleich mal um die Ohren, was anfangs vielleicht etwas viel ist. Im weiteren Verlauf der Handlung jedoch gut tut, da man sie ungehindert genießen kann, nachdem erst einmal die Regeln der Welt dargelegt wurden.

Wie hoch bekommt ihr den Combo-Zähler?

Wie hoch bekommt ihr den Combo-Zähler?

Düster UND witzig

Die übergreifende Handlung des Spiels lässt sich in zwei essentielle Elemente unterteilen. Auf der einen Seite haben wir eine lockere, teils sogar seichte Geschichte über attraktive Teenager, die es zu Ruhm und Ehre in der japanischen Popkultur bringen wollen. Das reicht von Bühnenauftritten im hiesigen Power Rangers-Equivalent hin zu kompletten Songs und Musikvideos. Dieser Teil des Spiels tobt sich mit allen Facetten des fernöstlichen Startums aus. Das Publikum mag hierbei zwar nicht das Größte, aber wer Interesse an Japan, speziell der gängigen Kunst und Kultur des Landes, kann hier durchaus noch etwas lernen. Die Gags zünden dabei zumeist ebenfalls, auch wenn sie ab und an eine Spur ZU japanisch sein können für westliche Geschmäcker.

Auf der anderen Seite versteckt sich hinter der quietschbunten Welt noch ein düsterer Plot über Monster aus einer anderen Dimension. Mancher mag mit dem Kopf schütteln in Anbetracht der Tatsache, dass diese Welt als die Idolsphere betitelt wird. Fakt ist allerdings, dass die Geschichte sich vor den sehr erwachsenen Plots der Persona-Reihe beispielsweise nicht verstecken muss. Tatsächlich ist diese Mischung, der Grenzgang zwischen ernster Horror-Fantasy-Action und belanglosen Alltagsabenteuern in Japan, ein Aspekt der besonders stark an Atlus Vorzeigerollenspiel erinnert.

Der Controller als Handy: Teile der Handlung und Charakterinteraktionen werden über Textnachrichten vermittelt – und ausschließlich über den Touchscreen.

Der Controller als Handy: Teile der Handlung und Charakterinteraktionen werden über Textnachrichten vermittelt – und ausschließlich über den Touchscreen.

 

Auch die Art der seriellen Erzählung stellt eine Parallele zu Persona dar. In beiden Titeln gibt es eine übergreifende Geschichte rund um Mirage beziehungsweise Schatten und Personas, in diesen größeren Plot eingebettet sind jedoch zahlreiche, mehr oder minder abgeschlossene, Geschichten. Hier ging man sogar noch einen Schritt weiter. Die Kalenderstruktur findet sich hier nicht, stattdessen wurde das Spiel ganz klassisch – und für ein Rollenspiel eher ungewöhnlich – in mehrere Kapitel unterteilt.

Bei all diesen narrativen Brücken zu Shin Megami Tensei, speziell Persona, stellt sich nun die Frage: Wie gliedert sich Fire Emblem in dieses Gesamtbild ein? Mit Figuren. Man kann nämlich einigen Charakteren aus Fire Emblem in der Welt von Tokyo Mirage Sessions begegnen, in Form der Mirage. Nicht nur unterstützen Helden wie Chrom, Cain oder Tharja die Protagonisten im Kampf, sondern auch bei den wichtigsten Gegnern handelt es sich um Schurken aus den beliebten Nintendospielen.

Persona 4.5

Auch beim Gameplay dominiert Shin Megani Tensei das Crossover. Zwar sind einzelne Aspekte, speziell die Stärken und Schwächen spezifischer Waffen, direkt aus Fire Emblem übernommen, alles weitere jedoch ist durch und durch klassische Shin Megami Tensei Rollenspielkost, vom Kampf- bis zum Skillsystem. Wie so oft heißt es in rundenbasierten Kämpfen Gegner niederzustrecken, aufzuleveln und neue Skills zu lernen. Die Zahl der verfügbaren Skills ist dabei jedoch limitiert, die zu lernenden Techniken selbst hängen von den ausgerüsteten Waffen ab. Es ist ein einfach System, welches man sich schnell aneignen wird. Kenner des Genres sind ohnehin sofort in ihrem Element. Das eine, herausragende Element des Kampfsystems stellen die Sessions dar. Sessions erlauben, dass bestimmte Angriff automatisch eine weitere Attacke durch einen Mitstreiter zur Folge haben – ohne dabei einen der kostbaren Züge zu verbrauchen.

Das Kniff hierbei ist die volle Bandbreite der Sessions zu meistern. Es passiert schnell, dass aus einem Angriff zwei oder drei werden. Hat man die richtige Kombination aus Charakteren mit den entsprechenden Skills kann eine Session aber auch doppelt oder dreimal so lange werden. Plötzlich haben die Gegner keine Chance mehr.

Die Welt ist eine Bühne. So finden auch die Kämpfe stets vor einem begeisterten Publikum statt.

Die Welt ist eine Bühne. So finden auch die Kämpfe stets vor einem begeisterten Publikum statt.

 

Außerhalb der Kämpfe hat man es ebenfalls mit traditionellem Genregameplay zu tun. Man erlebt die Geschichte, schließt Sidequests ab und bahnt sich seinen Weg durch teils sehr verworren gestaltete Dungeons. Bei den Nebenmissionen kann es sich um Charakterquests für Mitglieder der Party oder banalere „Hol Gegenstand X von Ort Y“ Angelegenheiten handeln. Sind letztere nur dazu da die Spielzeit ein wenig anzuheben, erlauben einem erstere nicht nur eine Rückkehr in bereits absolvierte Dungeons unter neuen Bedingungen, sondern offenbaren in Cutscenes und Dialogen auch mehr über die einzelnen Figuren. Einzig Itsuki bleibt ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Als spielbarer Protagonist stellt er einen persönlichkeitsarmen Avatar für die Spielerinnen und Spieler dar, während Tsubasa sich zur tatsächlichen Hauptfigur hocharbeitet.

Alles Geschmackssache

Optisch wird Tokyo Mirage Sessions #FE niemanden mehr umwerfen, für einen WiiU Titel hat das Spiel jedoch eine sehr respektable Grafik. Mehr noch muss man jedoch die Präsentation loben. Die knallbunte Animewelt die sich einem präsentiert erlaubt es kaum das leistungsschwächste System dieser Generation hinter all den Farben zu erkennen. Es hilft auch, dass Atlus mit einigen cleveren Entscheidungen in Sachen Design potentielle Hürden vollständig umgeht. So kann man dem Spiel nicht vorwerfen, dass es uns in eine leere Welt wirft. Ganz im Gegenteil, die Bezirke Japans wurden möglichst adäquat in die virtuelle Welt übernommen, was auch bedeutet, dass sie mit Menschen nur so überlaufen sind. Statt gleich aussehenden, schlecht animierten NPCs, die einen ohnehin nicht interessieren, hat man jedoch einen besseren Weg gefunden. Der Großteil dieser Figuren besteht schlicht aus farbigen Silhouetten, was optisch sehr gefällt. Hier stört es nicht einmal, dass diese Figuren erst ab einer gewissen Nähe langsam eingeblendet werden. Erneut gilt: Es wirkt wie eine geplante Situation, eine Entscheidung der Designer, keine Notwendigkeit bedingt durch eingeschränkte Ressourcen.

Die farbenfrohe Welt kaschiert nicht nur die Grenzen der Hardware, sondern stellt auch einen äußerst hübschen stilistischen Einfall dar.

Die farbenfrohe Welt kaschiert nicht nur die Grenzen der Hardware, sondern stellt auch einen äußerst hübschen stilistischen Einfall dar.

 

Bei allem Lob für für die Optik – und hier gibt es viel zu Loben, auch die Charakterdesigns seien noch einmal positiv hervorgehoben – der Star des Spiels ist die Musik. Nicht nur der generelle Soundtrack, sondern vor allem all die Songs, welche die Figuren in ihrer Karriere als fiktive Idols veröffentlichen, Auftritte und Musikvideos inklusive. Man muss hierbei natürlich bedenken, dass diese Titel allesamt eine spezielle Nische ansprechen. Fans von J-Pop werden begeistert sein und wer für etwas Neues offen ist, findet daran vielleicht ebenfalls gefallen. Andere werden weniger angetan sein. Das macht die ungemein peppigen Tracks nicht schlecht. Sie sind einfach nur – wie die Ästhetik, das Setting und der Idolfokus des Spiels in seiner Gesamtheit – für ein sehr spezielles Publikum intendiert. Ist man kein Freund fernöstlicher Popmusik, der Kultur die diese umgibt oder in sonstiger Weise einfach japanophil, können Präsentation und Handlung einem rasch den Spaß am Gameplay verderben.

Wie gesagt: Nicht schlecht. Nur speziell.

Der Umstand, dass hier ein ohnehin nicht allzu großes Nischenpublikum angesprochen wird, macht es umso verwunderlicher, dass das Spiel Opfer umfassender Zensur wurde. Zensur, die zum Glück meist nicht auffällt, da sie derart überflüssig ist, dass man nur darüber schmunzeln kann, dass man sich überhaupt die Mühe gemacht hat. So wurden ein paar Details, teils nur Schatten und Hautfalten, von Figuren entfernt um bauchfreie Tops weniger…freizügig (?) wirken zu lassen. Gleichzeitig wurden die Figuren ein wenig älter gemacht, was man jedoch rasch übersieht und gleich wieder vergessen hat. Die einzige Entscheidung welche dem Spiel wirklich schadet, war der Entschluss Bademoden komplett aus dem zweiten Kapitel des Spiels zu streichen. Hier wird gleichermaßen der Schurke des Kapitels verharmlost, da seine Perversion darauf beschränkt wird Frauen in hässlichen Kostümen zu fotografieren, als auch unsere Heldin Tsubasa als ein wenig seltsam dargestellt. Macht es bei ihr nämlich durchaus Sinn, dass sie vor einen Bademodenshooting nervös ist, fragt man sich in der hiesigen Variante durchaus wieso die Gute plötzlich Angst davor hat sich in Outfits fotografieren zu lassen, welche ihren Körper weitaus mehr bedecken als das Gewand welches sie zuvor noch beim Dreh ihres eigenen Musikvideos anhatte.

Schwerwiegend ist der Schaden hierbei dennoch nicht und so kann man mit einem Schmunzeln darüber hinwegsehen. Ein größeres Publikum dürfte das Spiel dadurch jedoch auch nicht erreichen.

Besonders nett ist, dass selbst die gelegentlichen Animesequenzen die knallbunten

Besonders nett ist, dass selbst die gelegentlichen Animesequenzen die knallbunten

Fazit

Habt ihr Interesse an japanischer Popkultur, klassischen JRPGs und Anime? Dann kauft Tokyo Mirage Sessions #FE. Es ist ein großartiges Spiel, ein Must-Have für alle Fans des Genres und insbesondere für all jene die nicht mehr auf Persona 5 warten können. Das Kampfsystem ist flott und dynamisch, erlaubt gleichzeitig jedoch Einiges an Strategie, die Geschichte ist ein sympathischer Mix aus Einblick in den Alltag japanischer Stars und urbaner Fantasy. Die Optik ist schön, die Songs laden zum heftigen Mitrumbrabbeln von Wortfetzen, die potentiell soetwas wie Japanisch sein könnten, ein. Abzüge gibt es im Endeffekt nur für die in keinster Weise nachvollziehbare Zensur der westlichen Version. Da diese aber tatsächlich so unglaublich überflüssig war, dass man sie kaum bemerkt und sie meistens ohnehin fast nichts ändert, kann man darüber auch noch hinwegsehen. Selbst all jene, denen beispielsweise die Musik zu anders, zu japanisch ist, sollten sich überlegen ob sie Tokyo Mirage Sessions nicht doch eine Chance geben wollen. Für alle anderen gilt: Zugreifen. Am besten schon gestern.

Release Date: 24.6.2016
Plattform: Wii U
Genre: Rollenspiel, JRPG
Publisher: Nintendo
Entwickler: Atlus

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