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Trackpremiere: The Informal Thief – Seasons

Trackpremiere: The Informal Thief – Seasons

Jahreszeiten vergehen, auf Winter folgt Frühling folgt Sommer folgt Herbst. Irgendetwas verändert sich immer, die Farben, der Geruch, das Gefühl. Und manchmal auch der Klang. Betrachtet man einen Künstler als Maler, dann hat The Informal Thief mit seiner neuen Single seine Farbpalette um einige Facetten erweitert. Seasons heißt das neue Stück, das nicht nur die langsam kälter werdenden Nächte anteasert, sondern auch neues Material, das Lukas nun anstatt alleine gemeinsam mit Band aufgenommen hat.

Der Charme alter VHS-Kassetten

Man sagt immer, Homerecording hat einen ganz eigenen Charme. Diese Aussage halte ich in ihrer Allgemeinheit für Blödsinn, denn viel zu oft soll dieser Euphemismus von der einfach schlechten Qualität ablenken. Wenn ein Song, der ohnehin schon im langsamen Tempo vor sich hinschwebt, seine Klangfarbe aber mit leichten Schlieren überlagert, die an das Rauschen alter Videokassetten erinnern, dann kann man ruhig einmal sagen: Nostalgie und DIY, aber richtig gemacht.

The Informal Thief - Seasons Cover

Seasons ist genau so eine Nummer. Dezente Akkorde, ein minimalistisch eingesetztes Arrangement und ordentlich viel Hall laden dazu ein, mit voller Inbrunst die Langsamkeit zu genießen und in den Rauchwolken der verlassenen Beisln der Stadt zu verschwinden.

Ihr merkt schon: Auch Autoren spüren den Jahreszeitenwechsel und verirren sich im Herbst leicht in die Schwülstigkeit der Romantik. Wie dem aber auch sei – wir freuen uns außerordentlich, dieses schöne Stück Musik mit euch teilen zu dürfen:

The Informal Thief im Interview

Bei unserem ersten Interview hast du gesagt, dass du ein großes Ego hast und deshalb als Solokünstler auftrittst – wie kommt es dazu, dass du deine neuen Sachen mit Band aufgenommen hast?
Lukas:
Ich glaube man muss das selbe Ego finden mit anderen Musikern. Und wenn man das gefunden hat, dann funktioniert es vielleicht. Aber es war ein langer Prozess, die richtigen Leute zu finden. Man muss einerseits Leute finden, die wahnsinnig gut sind – und das Problem an guten Musikern ist, dass die sich natürlich selbst auch einbringen wollen. Andererseits muss man aber auch Musiker finden, die selbstlos sind. Da hatte ich ziemliches Glück.

Hast du eine fixe Band oder wechselt die Besatzung?
Lukas: Die fixen zwei Musiker sind Sebastian und Severin. Beim Sebastian habe ich das Glück, dass er ein extrem selbstloser Musiker ist. Severin hat neben meiner Sache noch zwei andere Projekte, in denen er sich ausleben kann. Beide verstehen einfach, dass ich hinter diesem Projekt stecke, und dass es zum Großteil dennoch meine Musik ist und sie dazu da sind, um sie zu untermalen. Es wird nichts eingespielt, ohne dass ich sage: Es passt. Das klingt zwar sehr streng und diktatorisch, aber es ist auch der einzige Weg, wie ich zu dem Ergebnis komme, zu dem ich kommen will.

Spielen immer nur die beiden mit oder kommen auch andere Leute dazu?
Lukas: Also die zwei haben sich durch relativ viele gemeinsame Auftritte als fixe Band etabliert. Sonst habe ich einen Pool von Musikern, so ungefähr acht Leute, die schon einmal mit mir gespielt haben und die Songs kennen. Es ist aber bei jedem Konzert spannend, weil die Besetzung eigentlich immer wechselt. Früher habe ich zum Beispiel mit Bläsern im Hintergrund gespielt. Die habe ich nicht mehr dabei, dafür ist aber eine Pedal-Steel Gitarre dazugekommen. Für die nächsten paar Konzerte habe ich wiederum ein Horn dabei – es ist für mich deshalb auch total spannend, weil ich für jedes Konzert eine andere Setlist schreiben muss.

Wer singt eigentlich die wunderbare zweite Stimme bei Seasons? 
Lukas: Die Dame heißt Julia Posch und ist die Cousine vom Severin. Ich schätze sie sehr und ich schätze auch ihre Stimme sehr. Bei Seasons kommen viele Instrumente zusammen, die in der Kombination, wie sie zusammengestellt sind, sehr gut funktionieren. Die Stimmung ist meiner Meinung nach relativ offen und melancholisch und die Stimme von Julia hat einfach perfekt reingepasst, weil der Text eigentlich eine Konversation ist. Im Endeffekt habe ich das Gefühl, dass sich bei der Nummer alles schön ineinanderfügt und kein Teil den anderen überlauft. Es ist die erste und einzige Nummer von mir, die ich selber nicht ungern höre.

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Du nimmst deine Sachen alle im Homerecording auf. Stecken da nur finanzielle Gründe dahinter, oder auch andere?
Lukas: Bei der LP hatte ich das Glück einen Produzenten zu haben, der es auch verstanden hat, das Gefühl, das ich transportieren möchte, umzusetzen. Wenn ich es mir leisten hätte können, wäre ich vermutlich noch einmal zu ihm gegangen. Wobei ich sagen muss, dass das Homerecording ein Experiment war und das Experiment hat sich als erstaunlich gut erwiesen. Ich hatte so viele Freiheiten und habe sehr viel ausprobiert. In den letzten zwei Monaten hatte ich ein Studio in Innsbruck und hab mich ewig lange darin ausgelebt. Im Endeffekt bekommst du nur das Ergebnis, das du dir wünscht, wenn du es selber machst. Du darfst nur nicht zu feige sein, es zu probieren. Ein professionelles Studio würde die Aufnahmen vielleicht als schäbig und kaputt beschreiben – vielleicht auch zurecht. Aber meiner Meinung nach gehört zu meiner Musik auch die Ehrlichkeit dazu, dass es nicht perfekt ist.

Seasons ist auch als Ankündigung für dein neues Material zu sehen – wann darf man damit rechnen?
Lukas: Das ist im Frühjahr geplant, eine EP mit sechs Songs. Eigentlich steht alles schon, das Cover ist gemacht, die Audiofiles sind großteils fertig, es ist eigentlich alles produziert. Seasons ist die Ankündigung, dass es lauter – oder eben fülliger – wird, wobei ich sagen muss, dass die EP wieder ein bisschen bunter gestaltet ist. Die Sterne stehen ganz gut, dass die EP im Jänner oder Februar herauskommt.

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The Informal Thief spielt übrigens am 19. Oktober wieder in Wien als Supportact von Brokof und am 22. Oktober im Treibhaus in Innsbruck. Seasons könnt ihr ab Sonntag bei allen Plattformen kaufen. Veröffentlicht wurde die Single auf seinem eigenen Label Tuco Music

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