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Turbostaat – Arena Wien

Turbostaat – Arena Wien

Am 30.03.2016 waren die deutschen Melancholiker Turbostaat endlich wieder in Wien.

Alles ist besser als der Tod

, heißt es in Ruperts Grün, einem Song der neuen Platte Abalonia. Ob das stimmt, mag wohl eine Streitfrage sein. Ein Turbostaat Konzert in der Arena ist jedenfalls besser als der Tod. Und als so einiges andere auch.

Den Beginn machten Lorraine aus Wien. Aus der letzten Reihe ruft jemand Fugazi. Das 30-minütige Set ist nur sehr rar mit Ansagen oder Geschichten bestückt. Dafür gibt es halt mehr Musik. Drückende Musik. Mittlerweile sind ein paar Leute gekommen. Aber egal ob vor 30 Leuten oder 300, es gibt Bands, denen man ansieht, dass sie hier keinen Unterschied machen. Sound gut. Musik gut. Es dampft.

Ganz oben in der Mitte wohnt der Hass

Deutschland mag schon eine Spur größer sein. Die Musik von Turbostaat hört sich jedoch sowohl in Deutschland als auch Österreich gleich gut an. Trotzdem schaffen es nur rund 195 Leute in die kleine Halle der Arena, wohingegen Turbostaat Säle mit 1500 Personen in Berlin ausverkaufen. Nun gut. Es steht sich gemütlicher. Und ab und an schnappt man dann doch noch mal eine Prise Frischluft auf.

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(c) Robert Reischütz

 

Von Anfang an geben Turbostaat Vollgas. Begonnen mit Ruperts Grün, wird das Set vor allem von neuen Nummern dominiert. Zwischendrin verlaufen sich immer wieder Songs der letzten drei Alben ins Set. Von Vormann Leiss bis Tut es doch weh und wieder zurück zu Insel.

Wien, verdammt noch mal. Wien, verdammt noch mal.

Ich würde nicht sagen, dass die Stimmung am Brodeln ist. Keineswegs. Immer wieder fliegen Hände in die Luft, ab und an wird getanzt. Turbostaat animieren das Publikum immer wieder mit zu schreien, doch habe ich schon Volksschulchöre gesehen, die bei Weitem mehr Power zu bieten hatten. Spätestens bei dem Satz „Husuuuuum, verdammt!“ sollte die Arena eigentlich zerlegt werden. Fehlanzeige.

Vielleicht liegt es auch an der fehlenden Frischluft. Turbostaat geben nämlich so viel Power, dass mittlerweile der verdunstete Schweiß wieder von der Decke tropft. Die Gesichter im Publikum werden immer röter, die Haare immer nasser. Jeder hat sichtlich Spaß. Sowohl Turbostaat als auch die Fans.

Auch wenn Abalonia eine richtig gute Scheibe ist, trauert man halt doch immer den „alten Zeiten“ hinterher. Langsam macht sich das Gefühl breit, das man leer ausgehen würde.

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(c) Robert Reischütz

Wie habe ich das früher so dreckig gespielt?

In einem Interview sagt Tobert, Bassist der Band, dass er gar nicht mehr weiß, wie er Flamingo damals so dreckig eingespielt hat. So räudig kriegt er es heute gar nicht mehr hin. Dafür hört es sich aber gut an. Den zweiten Zugabeblock läuten Turbostaat mit den Worten „Das sind jetzt drei Alte“ ein. Begonnen mit drei Ecken ein Elvers, beendet mit Schwan. Ich bin glücklich und habe endlich den ersten Ellbogen ins Gesicht bekommen.

Fazit

Turbostaat wachsen mit ihrer Musik mit. Auf ihrem Weg begleiten sie immer wieder neue Gesichter, manche alten biegen ab. Und manche bleiben bis zum Schluss. Auf die Gefahr hinaus, wie ein alter verbitterter Hansepunk mit Flamingo Tattoo am Hals zu klingen: Und der Schluss ist dennoch immer am Besten. Anlauf Alter, Anlauf!

Photos: (c) Robert Reischütz

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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