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Watch_Dogs 2 im Test

Watch_Dogs 2 im Test

2016 ist das Jahr in dem Ubisoft etwas Neues probiert. Assassin’s Creed schafft zwar den Weg ins Kino und eine Neuveröffentlichung von Ezios Abenteuern gibt es ebenfalls. Wer jedoch ein neues Abenteuer erwartet geht leer aus. Passender Ersatz kommt jedoch aus dem Hause Ubisoft selbst: Watch_Dogs 2 ist bereit das Publikum zu begeistern!

Hacker’s Creed

Die Parallelen zwischen Ubisofts Hackerabenteuer und dem Monsterfranchise rund um Assassinen sind nicht nur auf den gemeinsamen Publisher beschränkt. Beide Reihen halten sich an dieselbe Formel, welche auch schon nicht allzu weit von Open World Meilensteinen wie GTA entfernt ist. Stück für Stück arbeitet man sich durch Storymissionen, Nebenmissionen und sammelt eine gewaltige Fuhre an Collectibles ein, von Songs zu Geld zu Fotos von bestimmten Örtlichkeiten. Während das Gameplay im Kern seine eigene Sache ist – wo sonst liegt der Fokus derart auf den Hackertalenten des Protagonisten? – ist das Drumherum, der gesamte Aufbau des Spiels typischste Genrekost. Das kann besser oder schlechter funktionieren. Hier kommt eine weitere deutliche Parallele zu Assassin’s Creed ins Spiel: Der Qualitätssprung gegenüber dem Vorgänger!

Wieso kämpfen, wenn Elektronik einem die Arbeit abnehmen kann?

Wieso kämpfen, wenn Elektronik einem die Arbeit abnehmen kann?



Aller guten Dinge sind Zwei

Als Watch_Dogs 2014 in die Läden kam, war der Hype groß und die Enttäuschung größer. Das Problem war nicht, dass Ubisoft ein schlechtes Spiel veröffentlicht hat. Es war durchaus gelungen. Durchaus gelungen reicht jedoch nicht, wenn das Publikum eine gewaltige Revolution der gesamten Videospielgeschichte erwartet. Watch_Dogs 2 profitiert nun jedoch nicht nur von realistischeren Erwartungen, sondern auch von all dem Finetuning, welches man zuvor vermisst hat. Spielerisch, wie auch narrativ. Es wurde nämlich nicht nur das Gameplay poliert, sondern die ganze Spielwelt. Die dunkle, übertrieben ernste und, ja, vereinzelt langweilige Welt hat Platz gemacht für farbenfrohe Locations und liebenswürdigeren Figuren. Der Sprung ist zwar nicht so gewaltig wie bei Assassin’s Creed II, aber den Raum nach Oben hat man hier dennoch spürbar enger gemacht.

Hacker ohne Grenzen

Wie schon erwähnt, hält sich Watch_Dogs 2 überwiegend an etablierte Genrekonventionen. Dies bringt eine unumgängliche Empfehlung mit sich: Watch_Dogs 2 spielt sich am besten, wenn man seinen eigenen Regeln und Launen folgt. Wer nur die Story verfolgen will soll das tun. Wer Lust auf Nebenmissionen hat, soll sich diesen widmen, denn für jeden ist etwas dabei, von normalen Schleichmissionen zu wilden Schießereien und Autorennen. Meist kann man sogar variieren. Gegner töten oder leben lassen, riskieren dass man gesehen wird oder sich gänzlich dem Stealth verschreiben, hacken oder nicht hacken. Man muss den für sich richtigen Weg finden, dann macht das Spiel auch am meisten Spaß. Bei einem Titel der derart auf Freiheit im Gameplay setzt, darf man diese auch auskosten.

Dronen, dein Freund und Helfer

Nur weil es verschiedene Wege gibt eine Mission zu beenden, heißt das jedoch nicht, dass alle gleichwertig sind. Selbst auf einem niedrigen Schwierigkeitsgrad kann Watch_Dogs 2 für schießfreudige Gamer frustrierend schwierig werden. Das Checkpointsystem, welches einem gerne schon mal eine Stunde zurückwirft, hilft hierbei auch nicht weiter. Wer sich etwas mehr Zeit lässt und auch gewillt ist die Fähigkeiten eines Hackers auszureizen hat es da leichter. Insbesondere wenn die zwei Dronen des Spiels zum Einsatz kommen. Ferngesteuerte Fahrzeuge können zu Land und in der Luft an entlegene Terminals gelangen, die Lage auskundschaften, Fallen für Gegner erstellen. Sie helfen das Spiel gleichermaßen unterhaltsamer wie auch einfacher (beziehungsweise fairer) zu gestalten. Zweifellos eines des besten Elemente in Watch_Dogs 2 und es sei jedem der das Spiel anfängt nahegelegt sich so rasch wie möglich die zweite Drone zu beschaffen.

Warten auf Freunde

Geduld ist eine Tugend: Der Multiplayer war mit Release leider stark eingeschränkt.

Geduld ist eine Tugend: Der Multiplayer war mit Release leider stark eingeschränkt.



Für all seine Vorzüge, ist Watch_Dogs 2 allerdings auch nicht frei von Kritikpunkten. Für all jene die etwa von Titeln wie Saints Row, GTA oder Sleeping Dogs den Sprung zu Watch_Dogs wagen wird die Steuerung anfangs gewöhnungsbedürftig sein. Speziell das eine Taste, kontextabhängig, für Klettern und Springen verantwortlich ist, man dafür aber stets auch einem Objekt im richtigen Winkel zugewandt sein muss, kann vielen missfallen. Erfahrene Assassin’s Creed Spieler haben hierbei wieder einen Vorteil.

Dass man nicht die Möglichkeit hat tote oder bewusstlose Gegner zu verstecken ist schade, aber verschmerzbar. Das Fehlen eines Nahkampfangriffes der nicht tödlich ist, ist da schon eine weitaus fraglichere Entscheidung. Insbesondere da man sonst stets die Möglichkeit hat auf eine weniger radikale Option auszuweichen. Dadurch wirkt dieser Mangel erst recht als hätte man die Entscheidung nicht ganz durchdacht.

Die größte Enttäuschung, wo man jedoch auch von Anfang an wusste, dass es nur ein kurzzeitiges Problem ist, sind die Einschränkungen des Multiplayer Modus. Soll heißen, der Multiplayer war am Releasetag noch nicht vollständig verfügbar. Ein Umstand der bedauerlich ist, aber da das Spiel als Singleplayer Angelegenheit äußerst gut funktioniert, auch kein allzu schwerwiegendes Problem. Inwieweit Watch_Dogs 2 durch die Mehrspieleroptionen ein besseres Spiel wird, wird sich weisen. Ihr vorläufiges Fehlen stellt jedoch noch keinen besonderen Makel dar.

Watch_Dogs: Jetzt in Farbe

Watch_Dogs war in vielen belangen ein Produkt der letzten zehn, plus/minus, Jahre von Videospielen. Es war ein ambitioniertes Open-World-Actiongame, welches nicht alle Versprechen einhalten konnte und welches darauf getrimmt war düster, ernst und dreckig zu wirken. Sowohl hinsichtlich der Geschichte und Figuren, als auch grafisch. In beiden Belangen hat man sich bei Watch_Dogs 2 in eine andere, willkommene Richtung entwickelt. Optisch ist es nicht einfach so, dass die Grafik besser ist als noch in Teil 1 (auch wenn sie das ebenfalls ist). Die ganze Designpolitik überzeugt diesmal mehr. Weg sind dröge, eintönige Settings mit ihren Graus und Brauns, hallo strahlender Sonnenschein und farbenfrohe Szenerie! Die Präsentation gefällt sonst auch, speziell die üppige Musikauswahl. Einzig bedauerlich hier, ist das man immer wieder auf eine alternative Ansicht wechseln muss, welche einem erlaubt Gebäude als Blaupausen zu sehen. Feinde und Gegenstände mit denen man interagieren kann scheinen hierbei auch, selbst wenn noch eine Mauer im Weg ist. Derartige Möglichkeiten kennt man bereits aus Spielen wie der Batman: Arkham Reihe. Ebenso wie dort, opfert man auch hier zu oft den Ausblick auf die schöne Welt einer weitaus praktikableren Alternative.

Knallig, bunt, fröhlich. Watch_Dogs 2 setzt auf Farbe und Sonnenschein.

Knallig, bunt, fröhlich. Watch_Dogs 2 setzt auf Farbe und Sonnenschein.



Die Nutzung des Handys mit all seinen Apps als Menü ist ebenfalls ein netter Einfall, wobei es jedoch manchmal stört, dass man das Spiel nicht einfach pausieren kann, sondern bloß der halbe Bildschirm von einem Smartphone verdeckt wird, während die Action weitergeht. Hat man alte Gewohnheiten jedoch erst einmal abgelegt, ist auch das dann kein Problem mehr.

DedSec is back

Die Geschichte von Watch_Dogs 2 dreht sich um den jungen Hacker Marcus, welcher nach einem Testlauf (sprich, dem Tutorial) Mitglied von DedSec wird. Wie zuvor handelt es sich bei DedSec um eine Gruppierung von Hackern die darauf aus sind die vorhandenen Machtstrukturen einzureißen um so für ihre Vorstellung von Gerechtigkeit zu sorgen. Ebenfalls wie zuvor, werden haufenweise Dialoge abgearbeitet die sich anhören als hätte sich irgendjemand gedacht ‚Ja, so hören sich Hacker bestimmt an‘. Dieser Teil des Geschehens wirkt nicht selten holprig und ist ein Grund wieso es tatsächlich dauert, bis man mit all den Figuren warm wird. Wenn es jedoch soweit ist, will man sie nicht mehr missen, denn die Figuren von Watch_Dogs 2 sind mehr als nur ausgelutschte Hackerklischees. Sie sind ein verrückter Haufen charmanter, skurriler Menschen, die einem vielleicht nicht durch ihre Rolle in der Handlung, wohl aber durch ihre individuelle Persönlichkeit ans Herz wachsen.

Die Figuren stehen im Mittelpunkt des generellen Stimmungswandels. Alles wirkt positiver, optimistischer und fröhlicher. Watch_Dogs war ein Kampf gegen das Establishment, Watch_Dogs 2 ist entspannt mit Freunden abhängen und dumme Actionfilme zitieren. Das mag nicht jedem gefallen, macht in Summe jedoch weit mehr Spaß.

Schrullig, aber liebenswürdig: Der Cast an Charakteren ist die Geheimwaffe von Watch_Dogs 2.

Schrullig, aber liebenswürdig: Der Cast an Charakteren ist die Geheimwaffe von Watch_Dogs 2.



Fazit

Watch_Dogs 2 ist all das was Watch_Dogs hätte sein können. Zugegeben, inwieweit dies für den Mehrspielermodus gilt lässt sich zum Zeitpunkt dieses Reviews noch nicht genau sagen. Was die Einzelspielerkampagne betrifft, da wird jedoch beim Hinarbeiten auf den maximalen Funfaktor aus allen Rohren gefeuert. Das Gameplay ist sehr gut, in vielen Punkten aber bloß eine verfeinerte Art des Vorgängers. Was wirklich die Kluft zwischen Teil 1 und 2 erzeugt ist das Feeling. Story und Präsentation erzeugen eine Welt in der man sich viel lieber aufhält und in die man auch gerne wieder und wieder eintaucht. Wer Watch_Dogs mochte, wird Watch_Dogs 2 lieben. Wer vom Original enttäuscht war, darf jedoch auch noch einmal einen Blick riskieren. Man wird vielleicht überrascht sein von dem was einen da erwartet. 

8punkte-cd-review_neu
Release Date: 15.11.2016
Plattform: PS4, Xbox One, PC
Genre: Action-RPG
Publisher: Ubisoft
Entwickler: Ubisoft Montreal
PEGI: 18

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