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Wirtz im Interview

Wirtz im Interview

Daniel Wirtz – vielen erst seit Sing meinen Song, das Tauschkonzert ein Begriff – hatte nun zum allerersten Mal auch Österreich mit im Tourplan. Nach seinen Konzerten im Flex in Wien und im Posthof in Linz hat er auch im P.P.C Graz vor ausverkauftem Haus ein großartiges Konzert gegeben und die Österreicher mit erdigem, deutschsprachigem Rock und auch einigen gefühlvollen Momenten begeistert. Wer’s verpasst hat, dem sei die Live-DVD der letzten Tour schwerstens an Herz zu legen!

Vor seinem Konzert hat er mich zu einem Gespräch im Tourbus empfangen.

Hallo Daniel, Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, kurz mit mir zu plaudern! Du hast ja jetzt schon zwei Konzerte in Österreich hinter dir, wie war’s denn?
Daniel: Es war wirklich sensationell! Ich meine, das Flex ist schon von der Art Club her extrem Rock’n’Roll, aber das hat der Stimmung keinen Abbruch getan. Es hat mich sehr an alte Zeiten in Deutschland erinnert, wie’s halt da auch angefangen hat. Und ich muss sagen, die Österreicher waren extrem gut vorbereitet auf uns und hat lautstark alle Songs mitgesungen! Es wurde also eindeutig Zeit, dass wir mal nach Österreich gekommen sind!

Hast du eine persönliche oder musikalische Verbindung zu Österreich?
Daniel:
Ich bin im Winter privat sehr oft Skifahren oder Snowboarden bei euch. Und abgesehen davon kommt auch einer meiner besten Freunde aus dem Salzkammergut und hat bei mir zu Hause in Frankfurt ein Restaurant. Bei ihm esse ich dann auch immer alles: von Käsekrainer bis zur Frittatensuppe.

Essen und Wintersport – die Klassiker also?
Daniel: Ja, ich bin wirklich gerne bei euch und seit Sing meinen Song hab ich mit Christina Stürmer ja auch quasi eine Herzensdame des Landes kennengelernt und das verbindet ja auch. Nee, ich darf nicht meckern, ich fühle mich hier sehr wie zu Hause!

Gibt’s musikalisch etwas, das du mit Österreich verbindest? Die österreichischen Bands sind ja immer mehr auf dem Vormarsch!
Daniel: Ich muss ja ehrlich gestehen, ich hatte euch bisher nicht so sehr am Schirm. Als ich im letzten Sommer mit Christina Stürmer am Donauinselfest gespielt habe, da hab ich mir nur gedacht: „Wow, ich kenn hier echt keine Band, außer den Headlinern.“ Da gibt’s bei mir also noch diversen Nachholbedarf, aber ich bin jederzeit gerne für alle Tipps offen!

Was hörst du sonst so? Was ist aktuell auf deiner Playlist?
Daniel: Boah, aktuell hab ich tatsächlich nichts, wo ich sage: Das muss man gehört haben. Hier im Tourbus läuft alles: von ABBA bis Zappa. Und ich muss ja ehrlich gestehen, ich geh auch nicht mehr viel auf Konzerte, weil ich einfach diese Massenansammlungen nicht haben kann. Ich fahr auch privat lieber mit dem Skateboard als mit der U-Bahn durch Frankfurt. Aber umso mehr freu ich mich auf die Festivalsaison, da schau ich mir dann einige Bands vom Bühnenrand aus an!

 

Das letzte Jahr war sehr erfolgreich für dich: neues Album, Bambi und Platin mit Sing meinen Song, große Deutschlandtour und vieles mehr. Hast du das alles schon verarbeitet?
Daniel: Also bei Bambi und Platin ist mir schon bewusst, dass das eigentlich die Sing meinen Song-Mannschaft gewonnen hat und ich bin mir auch sicher, dass es mein erster und letzter Bambi war. Es ist schon echt schön, wenn man die Möglichkeit hat, so ein Ding jetzt auf dem Kamin stehen zu haben, aber es ist ganz klar auch nicht das, wofür ich Musik mache.

Aber an Platin könntest du dich gewöhnen?
Daniel: Ach, das wär natürlich schön! Aber daran messe ich nicht den Erfolg, sondern daran, dass ich hier zum ersten Mal in Österreich stehe, die Clubs sind voll und die Leute singen alle Songs mit. Das zählt viel mehr!

Dein neuestes Album Auf die Plätze, fertig, los! ist im letzten Jahr erschienen und es gab gerade von alten Wirtz-Fans einige kritische Stimmen, es sei zu Mainstream geworden, zu poppig oder zu sehr „gute Laune“. Ist das etwas, dass dich beschäftigt oder über dass du dir Gedanken machst?
Daniel: Ich verfolg das auf jeden Fall und ich bin auch absolut ein Fan von konstruktiver Kritik, aber es ist auch immer so: Wenn man was Neues macht, dann ist das Alte immer besser. Ich weiß noch, als mein zweites Album Erdling abgefeiert war, dann kam Akustik Voodoo und auch da haben alle gesagt: „Boah, was ist das denn jetzt?“ Und heute ist Akustik Voodoo für alle der Oberhammer. Am Ende ist es immer ein Prozess. Ich für mich mach immer das Gleiche und am Ende beurteilen andere, ob es das Gleiche ist. Es ist eine Momentaufnahme einer Zeit, an der man an der Platte arbeitet und ich bin auch mal ganz froh drüber, dass mir grad keine Frau das Herz aus der Brust gerissen hat und draufgetrampelt ist. (lacht)

Viele Musiker sagen ja auch, es ist leichter Songs über negative Gefühle zu schreiben…
Daniel: Ich glaube, wenn es einem nicht gut geht, hat man eher das Bedürfnis, das mit anderen teilen zu wollen und deswegen identifizieren sich die Leute eher damit, als wenn man sagt: „Ey Leute, mir geht’s gut, mir scheint grad die Sonne ausm Arsch.“ Für mich ist es auch mehr Inspiration zum Schreiben, wenn es mir nicht gut geht. Aber ich genieße grad den Zustand, wo’s auch mal eine Saison gut lief. (lacht)

Es ist ja auch eine Weiterentwicklung. Nichts ist wohl so schlimm wie Stillstand – gerade in der Musik!
Daniel: Genau! Alle anderen Songs sind ja trotzdem auch noch da und werden gehört und gespielt und jeder kann sich das rauspicken, was grade für ihn passt. Und auf Zwang ein zweites Keine Angst zu schreiben, ist dann halt auch nicht mein künstlerischer Anspruch.

Wirtz in Graz

Wirtz in Graz

 

Dein Auftritt heute Abend rückt näher. Wie bereitest du dich auf ein Konzert vor? Gerade wenn du auch so stark erkältet bist wie heute?
Daniel: Ach, als Jungpapa hab ich das Gefühl ich bin ständig krank! Ich musste die Österreich-Tour ja schon mal absagen, weil mir mein Kleiner aus der Kita einen hardcore Virus mitgebracht hat und ich echt flach gelegen bin. Aber heute ist das letzte Konzert, ich werd alles geben, auch wenn das Singen vielleicht keinen Spaß macht. (lacht) Nein, heut ist’s echt schon egal. Ich lass heut alles von mir da, wenn’s sein muss und ich hoffe mal stark, dass die Leute lautstark mitsingen. Dann wird das schon irgendwie werden.

Was ist für 2016 geplant?
Daniel: Oh, viele schöne Open-Airs und dann bin ich auch schon wieder im Studio, langsam Ideen für ein neues Album sammeln. Es wird wieder ein intensives und arbeitsreiches Jahr – lasst euch überraschen, da kommt einiges!

Da freuen wir uns drauf und ich hoffe, wir sehen dich auch bald mal wieder in Österreich?
Daniel: Das auf jeden Fall! Also ich hab auch schon versprochen, die drei Orte sind ab jetzt fix im Tourplan mit eingebaut!

Das klingt ja hervorragend! Vielen Dank für das Gespräch und bis zum nächsten Mal!

Photo: (c) Ina Bohnsack

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