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WWE 2K17 im Test

WWE 2K17 im Test

Wieder ein Jahr vorbei, wieder wurde die Nummer hinter den Sportspielen angepasst. Zeit herauszufinden wie sich der neueste Ableger der WWE 2K Reihe macht. Aufgewärmtes Rosterupdate oder würdige Fortsetzung? Die Antwort hier in unserem Review zu WWE 2K17!

Willkommen in Suplex City

Bei Wrestling ist das Erzählen von Geschichten grundsätzlich ein größerer Bestandteil und in den letzten Jahren hat sich die WWE 2K Reihe darauf konzentriert Geschichten und auch Geschichte in Form des Showcase Modus zu präsentieren. Story Modes kommen auch bei Sportspielen langsam in Mode. Von Jahr zu Jahr versuchen sich mehr Titel daran, auch eine Geschichte zu erzählen, wie jüngst FIFA 17. Umso überraschender ist, dass gerade diesmal gänzlich darauf verzichtet wird. Wer sich erhofft hat die Karriere von Coverstar Brock Lesnar nachzustellen, der hat leider Pech. Der Fokus lag diesmal darauf die weiteren Spielmodi so gut wie möglich zu optimieren und das Gameplay anzupassen. Das Ergebnis ist zwar nicht perfekt, aber der Erfolg bleibt nicht aus.

So nah und doch so fern: Brock Lesnar ist zwar der Coverstar, einen Showcase Modus hat man ihm jedoch nicht gewidmet.

So nah und doch so fern: Brock Lesnar ist zwar der Coverstar, einen Showcase Modus hat man ihm jedoch nicht gewidmet.

Sei ein Star

Eines der besten Argumente für WWE 2K17 ist, wie beim Vorgänger, MyCareer. In diesem Modus erstellt man seinen eigenen Wrestler und führt diesen von den Anfängen im Performance Center bis zum großen Moment bei Wrestlemania. So nett der Modus im Kern auch schon in den vergangenen Jahren war, wurde er dann doch langweilig ehe man auch nur in die Nähe eines Titelkampfes kam. Der Grind ist zwar wieder präsent, wurde jedoch stark reduziert. Tatsächlich trumpft das Spiel diesmal mit mehr Abwechslung und neuen Features auf. Allen voran steht hier die Möglichkeit ein Paul Heyman Guy zu werden und in dessen Auftrag zu kämpfen. Aber auch kleine Details wie Zusatzverdienste durch T-Shirt Verkäufe und mehr Cutscenes als zuvor machen MyCareer dieses Jahr zu einer wahrlich kurzweiligen Angelegenheit.

Man hat in WWE 2K17 einfach weit mehr das Gefühl der MyCareer Modus erzählt eine Geschichte, die man selbst durch Taten und Entscheidungen beeinflusst. Einen Showcase Modus ersetzt dies zwar nicht, aber man kommt der Sache schon näher. Einzig eine umfangreichere Sprachausgabe wäre wünschenswert gewesen. Man hat jedoch, nicht zuletzt dank des neuen Promo Features, weitaus mehr Möglichkeiten seinen Wrestlern Persönlichkeit zu verleihen. Waren die paar Wortfetzen in 2K16 aber noch synchronisiert, so gibt es hier bloß Unmengen an stummen Text.

Das größte Manko jedoch: Wrestlerinnen sind vom Spaß wieder ausgeschlossen. Gerade die Kürze (nur zwei Championships anstelle der sechs Titel der Männer gilt es sich zu holen) würde eine simple und flotte Alternative darstellen.

Lebe die Show

Das Herzstück von WWE 2K17 ist, gleich den vergangenen Jahren, der WWE Universe Modus. Auf den ersten Blick scheint sich hier wenig getan zu haben, der Schein trügt jedoch. Gerade hier macht das Finetuning einen teils gewaltigen Unterschied. Zunächst laufen Rivalitäten nicht mehr ganz so geradlinig ab. Ja, es gibt immer noch zu viele Wiederholungen des immer gleichen Matches. Es kommt jedoch weitaus häufiger vor, dass Rivalen sich während unabhängigen Matches attackieren oder sich plötzlich in einem Tag Team Kampf wiederfinden. Heimliche Attacken sind auch für den geneigten Spieler aktiv simpler – und zahlreicher – umzusetzen. Vor allem kann man nun auch bis zum Ende eines Kampfes warten und dann erst zuschlagen – oder als schlechter Sieger dem Verlierer noch den Rest geben.

Die Damen der WWE sind zwar so präsent wie noch nie, vom MyCareer Mode sind Frauen jedoch weiterhin ausgeschlossen.

Die Damen der WWE sind zwar so präsent wie noch nie, vom MyCareer Mode sind Frauen jedoch weiterhin ausgeschlossen.

Die Gestaltung der einzelnen Shows wurde ebenfalls überarbeitet. Jede Folge von Raw beginnt nun komplett mit Intro und Pyrotechnik. Selbst wenn man Segmente simulieren will, so muss dies nun in der vorgegebenen Reihenfolge geschehen. So hat man vielmehr das Gefühl aktiv eine Episode der Show durchzuspielen.

Um es klarzustellen: Der Modus ist nicht perfekt. Im Vergleich zu den letzten Jahren jedoch eine spürbare Steigerung mit der man auch nach Stunden sein Vergnügen haben kann. Am meisten erhöht wird die Langzeitmotivation jedoch durch das überarbeitete Gameplay und ein paar essentielle neue Features.

Walk the Walk

Lange Zeit war die WWE 2K Reihe unterhaltsame Arcade Action, mit schnellen, simplen Kämpfen und großen Aktionen. Mit WWE 2K15 wagte man jedoch nicht nur den Schritt auf die neuen Konsolen, sondern auch zu ganz neuem Gameplay. Simulation mag ein zu starkes Wort sein, aber es trifft es schon ganz gut: Die neue Generation der Wrestlingspiele simuliert Sports Entertainment, mit all seinen unrealistischen Eigenheiten. Etwa zu langen Pausen damit die Kontrahenten sich ausruhen können. Die Entwicklung in Richtung eines möglichst authentisch nachgestellten WWE Erlebnisses setzt sich mit 2K17 fort. Speziell in großen Matches mit mehreren Gegnern kann es passieren, dass einer der Charaktere einfach mal aus dem Ring rollt und ein kleines Päuschen einlegt. Wer nur einmal den Royale Rumble gesehen hat erkennt diese Momente sofort wieder.

Gleichzeitig fühlt sich das Geschehen jedoch flotter an und das Spiel ist entgegenkommender, wenn es ums Kontern geht. Wo man früher auf den Bruchteil einer Sekunde genau die richtige Taste erwischen musste, bleibt nun ein wenig mehr Spielraum. Dem Flow tut das gut. Wem das noch nicht reicht, der hat jedoch Möglichkeiten den Simulationsaspekt zurückzuschrauben: Müdigkeit kann gänzlich deaktiviert werden. Auch sonst hat man als Spieler öfter mal die Qual der Wahl. Das Submission Minigame gibt es zum Beispiel in zwei Variationen (Lenken der Sticks oder Tastenhämmern). Welche der beiden man nimmt, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen.

So riesig ist der Roster an spielbaren Charakteren in WWE 2K17.

So riesig ist der Roster an spielbaren Charakteren in WWE 2K17.

Fans von Wrestlinggames der alten Schule werden sich über die Rückkehr von Backstage Brawls freuen. Hier hatten die Entwickler sichtlich Ihren Spaß. Schließlich kann man die Schlägereien direkt in das Büro von Vince McMahon verfrachten und vom Fernseher zum Tisch alles zur Waffe machen. Zwar ist die Vielfalt hier noch eingeschränkt und es wäre wünschenswert wenn man sich durch eine größere Variation von Locations prügeln könnte, aber es ist ein Anfang. Hoffentlich wird in Zukunft hierauf aufgebaut.

Talk the Talk

Ein ganz großes neues Feature in WWE 2K17 ist die Möglichkeit aktiv Promos zu gestalten. ‚Promo‘ heißt in diesem Fall praktisch jede Gelegenheit bei der die Männer und Frauen der WWE sich ein Mikro schnappen und sich zu Wort melden. Eigentlich einer der wichtigsten Bestandteile von Sports Entertainment, da hier am deutlichsten die Grenze zu normalem Sport gezogenwird. In einem Spiel jedoch denkbar schwer umzusetzen, schließlich weiß man nie was als nächstes gesagt wird. Dementsprechend eingeschränkt sind die Promos auch hier. Man hat eine kleine Selektion an Aussagen und muss jene erwischen die am ehesten beim Publikum ankommen. Gleichzeitig gilt es natürlich auch sich der Persönlichkeit der Figur bewusst zu sein. Will man ein glorreicher Held sein oder ein verhasster Schurke?

Im Rahmen eines Promos kann man zwischen vier wechselnden Floskeln wählen, für das Publikum posieren, etwaige Verbalkontrahenten einfach nur anstarren oder doch die Fäuste sprechen lassen. Es gibt sowohl Einzelpromos wo man alleine zum Publikum spricht, als auch Wortduelle mit Rivalen. Die Option die Seite zu wechseln – vom Face (die Guten) zum Heel (die Bösen) oder umgekehrt – besteht ebenfalls.  Damit bietet WWE 2K17 ein unterhaltsames neues Feature, welches sowohl für MyCareer als auch für den Universe Modus eine große Bereicherung darstellt. Gleichzeitig ist es aber auch spürbar ausbaufähig. Der erste Schritt ist getan. Jetzt heißt es nur nicht anhalten.

Präsentation ist alles

Mit dem Sprung auf PS4 und Xbox One hat WWE 2K15 vor zwei Jahren auch einen ganz neuen Look mit sich gebracht, der bis heute besteht. Einige der Stars könnten kaum mehr ihrem lebenden Vorbild entsprechen. Wenn etwa Triple H in die Arena einmarschiert, dann darf man über die Optik – nicht bloß die Grafik, sondern die gesamte visuelle Gestaltung – durchaus ein wenig Staunen. Bis sein Gegner auftaucht und man sich das Lachen verkneifen muss. Wie in der Vergangenheit ist der Roster teilweise besser umgesetzt, teilweise aber kaum wiederzuerkennen. Was keine Kritik an der Grafik ist, sondern eher an den Designs. Denn: Die Onlinecommunity schafft es durchaus ein paar der vorhandenen Rekreationen der WWE Stars zu toppen. Da hätte man sich auf Seiten der Entwickler auch ein wenig mehr Mühe geben können.

Visuell weiß das Spiel zu gefallen. Solang man das richtige Motiv betrachtet.

Visuell weiß das Spiel zu gefallen. Solang man das richtige Motiv betrachtet.

In Sachen Eigenkreationen hat sich aber auch einiges getan. Man hat mehr Auswahl und Optionen bei der Gestaltung seines eigenen Charakters. Zusätzlich kann man diesmal auch die Gestaltung des Jubels nach dem Sieg festlegen. Und das Video welches abgespielt wird während man in die Arena einmarschiert? Kann man diesmal selbst zusammenstellen und schneiden. Das beste an all dem? Die Ladezeiten des Spiels wurden gerade hier spürbar verkürzt. Matches selbst brauchen zwar immer noch ein wenig Zeit um anzufangen, aber das große Manko bei 2K16 ist beseitigt. Es dauert nicht mehr eine gefühlte Ewigkeit seinem Wrestler eine neue Frisur zu verpassen.

DLC 2K17

WWE 2K17 wartet mit einem beachtlichen Roster auf, dem bisher Größten der Reihe. Vor allem NXT – auch die Damen von NXT! – sind diesmal würdig vertreten. Wer erstmals in die Rolle von Sasha Banks, Charlotte oder Alexa Bliss schlüpfen will hat hier die Chance. Wem das nicht reicht, der kann weitere Figuren – so wie neue Moves, besondere Matches und andere Extras – als DLC erwerben. Einige machen hierbei durchaus Sinn. The Club, Austin Aries oder Shinsuke Nakamura sind erst im Verlauf des Jahres überhaupt ein Teil der WWE geworden, da ist es verschmerzbar, dass Sie nicht gleich Teil des Startrosters sind. Das ein Apollo Crews (WWE Debut im August 2015) sich hinter einer DLC Wand verbirgt ist jedoch wenig mehr als Werbung für die NXT Edition. Diese beinhaltet nämlich Crews (ebenso Nakamura und Nia Jax) von Beginn an. An bestimmten Wrestlern interessiert aber keine Lust zusätzlich Geld für DLC auszugeben? Dann bitte im Vorhinein überprüfen ob der eigene Liebling auch wirklich schon dabei ist.

Fazit

Vorweg: WWE 2K17 macht enorm viel Spaß. Für Fans von Wrestling ist allein der gewaltige Roster Grund genug zur Freude. Das Gameplay weiß auch mit netten Ergänzungen und vor allem verbesserten Feinheiten aufzuwarten. Einige Probleme kann man dennoch nicht immer ignorieren. Die Ladezeiten wurden an vielen Stellen verkürzt, die eigentlichen Matches brauchen trotzdem noch zu lange, ehe man sie starten kann. Die diversen Creator-Funktionen wurden aufpoliert, lassen an machen Stellen aber weiterhin zu wünschen übrig. Dass man nach wie vor etwa keine eigene Musik für den Einmarsch seines Charakters wählen kann ist eine herbe Enttäuschung. Das Fehlen des Showcase Modes wird auch einigen Zockern missfallen. Die Grafik schließlich, kann teilweise begeistern – bei einigen Charakteren kann man jedoch nur mit dem Kopf schütteln. Das Spiel hat seine Kritikpunkte, zweifellos, das Zielpublikum wird es jedoch wieder begeistern. Schließlich ist WWE 2K17 spürbar das beste WWE der neuen Konsolengeneration. Wer die Rückkehr zum alten Arcade-lastigen Gameplay wünscht, der wird weiter warten müssen. All jene die mit Wrestling nichts anfangen können aber neugierig wären, sollten es wenn möglich antesten bevor sie zuschlagen. Der Rest? WWE-Fans, die das Gameplay der letzten zwei Jahre schon mochten, die können die Wertung noch um einen Punkt nach oben korrigieren.

Release Date: 11.10.2016
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, PlayStation 3, Xbox 360, PC (angekündigt)
Genre: Sport
Publisher: 2K
Entwickler: Yuke’s

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