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Years & Years – Arena Wien

Years & Years – Arena Wien

Montag, den 14. März in der Wiener Arena. Es war 19:30 und der halbe Kundenkreis American Apparels hatte sich im altbekannt bunten und streng riechenden Gemäuerkomplex in Erdberg versammelt, um sich die Daumen wund zu fotografieren und den Herrschaften des Abends Years & Years zu lauschen.

Schon vor Beginn des Konzertes, die Garderobe deutlich besser besucht als die Bar, schwebte der Duft von viel Parfüm und ein wenig Östrogen in der Luft. Mädchen vom zarten Alter bis zur Studienreife standen nebeneinander, Schulter an Schulter, und wippten unheimlich synchron zu Chet Faker hin und her. Was sich wohl am besten als die „Generation Drake“ zusammenfassen lässt, war eine homogene Gruppe an 20-Somethings die neben Einkaufsgewohnheiten auch offensichtlich dieselben Spotify Playlists zu teilen pflegten.

Höchstwahrscheinlich nicht in diesen Playlists war die Vorband jenes Abends vertreten: Klyne. Eine zweiköpfige Electro-Pop Band aus den Niederlanden, die zusammengepfercht auf 1/4 der Bühnenfläche erstmals vor österreichischem Publikum ihr Bestes geben durfte. Mit starker Stimme und braven Beats lieferten die Niederländer zwar ein solides Set ab (wenn sich auch alles verdächtig ähnlich anhörte), konnten allerdings zu keinem Zeitpunkt so richtig begeistern. Ob es an der mangelnden Vielfalt, dem relativ unbekannten Namen oder an der Wortkargheit des Sängers lag, sei dahingestellt.

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Klyne
(c) Anna Obermeier

Nach kurzer Umbaupause und ein paar weiteren Drake Songs für die „cool kids“ war es endlich so weit. Die Bühne färbte sich in einen pinken Nebel, das Riesengestell an Glühbirnen, das man seit Einlass bewundern durfte, strahlte auf und das zu erwartende Kreischkonzert begann. Zur Einstimmung dröhnte das etwas schwermütige Foundation durch die Boxen, das jedermann Grund und Anlass gab, Frontmann und Liebling Olly Alexanders Stimme vollste Aufmerksamkeit zu schenken. Kaum hatte dieser die Bühne auch schon betreten, wurde ein Hit nach dem anderen herausgehauen. Es folgten Take Shelter, das die Menge zum ersten Mal so richtig durchschüttelte, sowie das ebenso catchige Worship und Border, bei dem ebenfalls unüberhörbar fleißig mitgesungen wurde.

Da die Tontechnik leider öfter tat, was ihr gefiel, man die zwei Backgroundsängerinnen beinahe schon umsonst engagiert hatte, und nicht einmal die bombastische Lichtershow darüber hinwegtäuschen konnte, dass auch Sänger Olly nur phasenweise zu hören war, musste die Show erhebliche Minuspunkte einstecken. Ein paar goldene Sternchen sammelten sich die Londoner dann wiederum mit Spontanität, Sympathie und Coolness. Quietschvergnügt und breit grinsend tänzelte der 25 Jährige ehemalige Filmstar zu seinen eigenen Songs umher und verbreitete damit eine gute Laune (denn Enthusiasmus steckt an!), die so schnell auch nicht mehr den Saal verließ.

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Years & Years
(c) Anna Obermeier

Mag es vielleicht auch zu keinem großartigen Schock oder Wow-Moment an dem Abend gekommen sein, wurden trotzdem Fangirlträume wahr und so durfte sich eine junge Dame, mit ebenso viel Glitzer im Gesicht, glücklich schätzen, auf die Bühne geholt zu werden, um einen ganzen Song neben ihrem Idol zu verweilen. Eine durchaus nette Geste, die von dem Publikum mit einem lautstarken, sentimentalen „Awwww“ belohnt wurde. Leider war auch diese Magie von kurzer Dauer und verflog, sobald die Glückliche ihr Handy zückte und begann, sich fleißig neben dem Keyboard spielenden Sänger selbst zu filmen.

Aber auch das ging vorbei und nach dem brav vorgetragenen, allseits beliebten Eyes Shut und ein paar Coverversionen von – wenig überraschend – Drakes Hotline Bling und Britneys Klassiker Toxic, wurden noch die obligatorischen Ohrwürmer zum Besten gegeben und das Glühbirnenmonstrum noch einmal zu 100% ausgenützt. Als King, auf das sowieso alle insgeheim gewartet hatten, gespielt und die Gentlemen von der Bühne gegangen waren, gab es – für diejenigen, die sich noch nicht sattgesehen hatten – noch ein letztes Schmankerl: das Albumcover als Lichtermeer.

Photos: (c) Anna Obermeier

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