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Yo-kai Watch im Test

Yo-kai Watch im Test

Das Sammelmonsterkonzept ist keineswegs ein neues. Kartenspieler kennen es schon länger und die Videospielindustrie wird immerhin auch schon zwei Jahrzehnte vom Genrekönig Pokémon dominiert. Seit jeher gab es immer wieder Versuche an Nintendos Erfolg anzuknüpfen. Nur leider so wirklich gelingen wollte das nicht. Mit Yo-kai Watch erscheint nun jedoch der erfolgreichste Herausforderer bisher auch hierzulande. Wir haben es unter die Lupe genommen.

Durch die Augen eines Kindes

Yo-kai Watch bedient sich der gleichen Grundlage wie Pokémon (zweifellos auch, da die gleiche Kernzielgruppe angesprochen wird): Ein Junge/Mädchen bekommt die Möglichkeit Monster (in Yo-kai Watch sind es Geister) in den Kampf zu schicken und erlebt gemeinsam mit ihnen Abenteuer. Während Pokémon gerade in seinen jüngsten Editionen immer mehr auf möglichst große, fesselnde Plots gesetzt hat, hat man sich bei Level-5 für einen gemütlicheren Weg entschieden. Was jetzt nicht heißt, dass es keine Handlung gibt, im Gegenteil. Yo-kai Watch strotzt nur so vor Story. Anders als in anderen Spielen wird hierbei nämlich nicht eine Geschichte erzählt, sondern man spielt sich von Episode zu Episode und hat immer wieder einen zufriedenstellenden Abschluss. Als würde man eine Serie mitverfolgen. Die einzelnen Kapitel schwanken dabei in Länge und Inhalt, der überwiegende Großteil handelt jedoch von Erlebnissen, die erst durch das Einbinden der Yo-kai wirklich interessant werden. Verlorene Ringe, Väter die ihre Unterlagen auf dem Weg zur Arbeit vergessen haben, streitende Eltern. Alles sehr reale, fast belanglose Dinge, mit denen sich unser junger Protagonist herumschlagen muss, immerhin steckt stets ein Yo-kai dahinter!

Konkurrenz für Pikachu: Jibanya ist das Aushängeschild von Yo-kai Watch

Konkurrenz für Pikachu: Jibanya ist das Aushängeschild von Yo-kai Watch

Diese Herangehensweise funktioniert erstaunlich gut. Zwar bleibt große Spannung aus und man hat nicht immer den Drang sofort weiterzuspielen, aber die Welt von Yo-kai Watch ist eine gemütliche in der man sich heimelig fühlt und in die man gerne wieder zurückkehrt. Der Handlungsaufbau eignet sich auch besonders für kurze Sessions, wenn man nur mal eine halbe Stunde Zeit haben sollte. Einen ähnlichen Effekt haben die zahlreichen Sidequests, welche mitunter in noch kürzerer Zeit abgeschlossen werden können.

Alle Ähnlichkeiten mit Nintendos Monsterfranchise zum Trotz, muss man ganz klar sagen, dass die Entwickler von Yo-kai Watch ihren eigenen Weg gegangen sind. Es ist ähnlich, aber doch auch erfrischend anders. Eine Aussage, die man auf das Gameplay ebenso anwenden kann.

Anders und doch vertraut

Wenn man andere Genretitel kennt, kommen einem die ersten Minuten sehr vertraut vor. Ein langsames einführen in die Welt, ein paar Tutorials, das Übliche eben. Die Art Monster zu fangen unterscheidet sich zwar stark von Pokémon, da man hier Freundschaften schließt und damit weit mehr Glück dazugehört eine Kreatur auf seine Seite zu ziehen, aber wenn es sonst nichts ist. Sobald man mit dem Kampfsystem konfrontiert ist, fällt der geneigte Rollenspieler jedoch aus allen Wolken. Von rundenbasierenden Auseinandersetzungen in denen man entspannt seine Attacken auswählt ist man hier meilenweit entfernt. Die Kämpfe von Yo-kai Watch sind eine schnelle, hektische Angelegenheit, die sich gleichermaßen von selbst spielen, aber bei denen ein Moment der Unachtsamkeit dennoch verheerende Folgen haben kann.

In den schnellen Kämpfen zählt vor allem eines: Bloß nicht die Übersicht verlieren.

In den schnellen Kämpfen zählt vor allem eines: Bloß nicht die Übersicht verlieren.

Klären wir die Fakten: Ein Team besteht aus sechs Yo-kai, welche immer alle im Kampf dabei sind, jedoch sind nur drei an der Front um auszuteilen und einzustecken. Durch das Drehen des Rades auf welchem sie angeordnet sind, kann man jedoch sofort die Zusammenstellung seiner Front ändern. Allein die Platzierung auf dem Rad kann im Kampf nicht beeinflusst werden. Eine kluge Anordnung kann über Sieg und Niederlage entscheiden, da manche Yo-kai durch den richtigen Nachbarn noch stärker werden, während zwei Heiler direkt nebeneinander wohl nicht die klügste Entscheidung sind. Die Angriffe des Teams laufen automatisch ab, dennoch kann man das Geschehen maßgeblich beeinflussen. Nebst der Selektion der aktiv teilnehmenden Yo-kai, ist man auch für Itemmanagement, die Auswahl des Ziels und den gekonnten Einsatz von Spezialangriffen verantwortlich. Um letztere Auszuführen muss man jedoch erst ein kleines Minigame meistern, währenddessen man jedoch weder die Frontlinie ändern, noch Items einsetzen kann. Wo man bei Pokémon überlegen kann was die beste Vorgehensweise ist, muss man bei Yo-kai Watch schnell und intuitiv handeln, denn sonst hat man schon verloren.

Auch das Trainieren läuft anders ab, als man es aus anderen Rollenspielen kennt. Zwar erhalten auch die Yo-kai für jeden Kampf Erfahrungspunkte, erreichen nach einer gewissen Zeit ein neues Level und können sich irgendwann auch zu einem neuen Yo-kai entwickeln, aber Kämpfe sind schlicht eine weitaus seltenere Angelegenheit. Zufallsbegegnungen gibt es hier nicht, nicht einmal im hohen Gras. Will man sich mit einem Gegner anlegen, muss man diese Auseinandersetzung in den meisten Fällen auch aktiv suchen. Der Fokus des Spieles liegt eben doch bei kindgerechten Abenteuern und nicht Grinden ohne Ende. Die angenehme Alternative: Quests. Für jedes abgeschlossene Quest erhält man massig Erfahrungspunkte und noch dazu eine kurze Bonussequenz. So macht das Leveln wirklich Spaß!

Wer suchet, der findet. Um neue Yo-kai zu treffen, muss man diese nämlich erstmal aufspüren.

Wer suchet, der findet. Um neue Yo-kai zu treffen, muss man diese nämlich erstmal aufspüren.

Es ist der Mut zur Andersartigkeit, der Yo-kai Watch aus der Menge an Pokémonklonen der letzten zwanzig Jahre herausstechen lässt. Allein, beim Multiplayer hätte man mehr mit der Zeit gehen können. Zwar ist ein Mehrspielermodus vorhanden, dieser ist aber nur lokal verfügbar. Wer sich online mit seinen Freunden messen will, wird wohl auf die Fortsetzung warten müssen.

2013? Ernsthaft?

Wenn man die Grafik von Yo-kai Watch betrachtet muss man sich eines vor Augen führen: Es handelt sich hierbei um ein Spiel welches erstmals 2013 in Japan veröffentlicht wurde. Mit diesem Umstand im Hinterkopf muss man sich natürlich Fragen, was darf man von einem fast drei Jahre alten Spiel erwarten?

Offensichtlich eines der besten Spiele welches der 3DS je gesehen hat. Die Grafik ist farbenfroh, die Welt schön anzusehen und voller kleiner Details, der 3D Effekt – ein gern ignoriertes Element des 3DS – überraschend gelungen und überhaupt fragt man sich, wieso nicht mehr Spiele auf dem 3DS so hübsch sind. Die Präsentation ist der eine Punkt, in dem Yo-kai Watch das große Vorbild Pokémon mühelos überbietet. Und das schon bevor wir den peppigen Soundtrack, den soliden Sound, die wunderschönen Animesequenzen und vor allem die geradezu perfekte deutsche Synchronfassung erwähnen. Insbesondere für Letztere dürfen sich die Verantwortlichen auf die Schulter klopfen. In einer Zeit, in der deutsche Synchronfassungen erstaunlich selten und meistens halbgare Fließbandarbeit geworden sind, wartet Yo-kai Watch mit Sprecherinnen und Sprechern auf, die nicht nur zu ihren Figuren passen, sondern auch hörbar Spaß an der Arbeit haben. Hut ab.

Respekt! Für sein Alter kann sich die Grafik von Yo-kai Watch wirklich sehen lassen.

Respekt! Für sein Alter kann sich die Grafik von Yo-kai Watch wirklich sehen lassen.

Fazit

Ist Yo-kai Watch es wert gespielt zu werden? Absolut. Gerade ein jüngeres Publikum wird seine Freude daran haben, aber auch ältere Hasen unter den Zockern sind gut aufgehoben, sofern sie mit dem teilweise doch etwas hektischem Kampfsystem zurechtkommen. Die kostenlose Demo des Spiels sei demnach jedem an’s Herz gelegt.

Viele werden sich aber Fragen: Wie schneidet Yo-kai Watch nun im Vergleich zu Pokémon ab? Ganz auf einem Level mit Pokémon ist es noch nicht, aber das muss es auch gar nicht sein. Die beste Entscheidung, die Entwicklerstudio Level-5 getroffen hat, war die Wahl etwas gänzlich anderes Eigenes zu machen. Denn wieso sollte man ein schlechteres Pokémon wollen, wenn die nächste Edition von Nintendos Dauerbrenner nie lange auf sich warten lässt? Aber….ein exzellentes Yo-kai Watch? Das klingt nach einer willkommenen Abwechslung.

9punkte

Release Date: 29.04.2016
Plattform: 3DS
Genre: Rollenspiel
Publisher: Nintendo
PEGI: 7

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