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Ganz schön poppig: Bouncing Souls in der Arena

Ganz schön poppig: Bouncing Souls in der Arena

Auch wenn man mit Punkrock aufwächst, altert und gedeiht gibt es Bands, die an einem spurlos vorübergehen. The Bouncing Souls ist eine von diesen Bands, obwohl sie ja quasi die Einstiegsdroge ins Punkrockuniversum, Skatepunk, macht. Vielleicht mal ein schlechtes Lied gehört oder war es damals einfach nicht genug Scheiß Bullen und Anarchie. Man weiß es nicht. Umso mehr ein Grund, dass man sich The Bouncing Souls mal live ansieht. Ein voreiliges Fazit: Ganz schön poppig.

Schmusepop

Sonntag, 19:30, aus der großen Halle der Wiener Arena ertönen romantische Klänge. Beim Betreten der Halle werden sie immer lauter. Ein erster Blick in die Halle. Die Tribünen sind gefüllt, das Parterre eher weniger. Auf der Bühne steht ein sympathisch aussehender Typ mit langen, ein wenig lockigen Haaren. Der Flyer sagt, er hieße Roger Harvey. Für den langen Aufbau der Szene – das abrupte Ende. War ganz nett. Die meisten Leute haben die Zeit aber zum Tratschen benutzt. Ich auch. Eher Musik fürs am Kunstbärenfell vor dem Kaminofen liegen oder eine Acoustic-Show im Dreiraum.

Schmusepoppunk

Nach kurzer Verschnaufpause geht es weiter mit The Menzingers. Ebenfalls eine Band, die nicht in mein Standardrepertoire ist. Ich erinnere mich an ihr Konzert vor zwei? drei? Jahren mit The Smith Street Band, wo ich meine ganze Aufmerksamkeit der Smith Street Band schenken musste. Doch heute heizen The Menzingers ordentlich ein. Der Sound ist gut. Immer noch schön poppig. Ab und zu kommen ein paar Screams durch. Aber eigentlich schon mitreißend. Eingängige Rhythmen, Lyrics, die man zum ersten Mal hört, aber doch gleich mitsingen kann. Eine Show wie eine kleine schmusende Revolution. Und es gheat ja afoch vü mea gschmust.

Schmusepoppunkpogo

Na endlich. Sie alle haben schon so euphorisch darauf gewartet. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich gehörte dazu. Aber gespannt war ich trotzdem. The Bouncing Souls legen eigentlich recht schnell los. Stimmung Top. Es wird getanzt, gehüpft und ein paar Fäuste gibt es auch zum Hauptabendprogramm. Auch ich lass mich, trotz der wirklich eingängigen Rhythmen und 4-Akkord-Wechsel von der Musik mitreißen und gehe ins Pit. Irgendetwas dürften sie richtig machen. Manche der Besucher flippen aus. Rammen Leute weg, springen von der Bühne ins Leere, um auf die Fresse zu fliegen und gleich danach wieder aufzuspringen und Lean on Sheena zu schreien. Gefolgt von klassischen Umarmungen im Pit á la „Wir zwei, oh ja wir zwei führen die Revolution an“. Aber genug Zynismus. Alle haben eine gute Zeit.

Überraschung des Abends war Sänger Greg. Er wirkte den ganzen Abend wie ein Gastsprecher bei TEDx, tanzte fast schon witzig auf der Bühne herum, und obwohl er das Mikrophon meist weit entfernt seines Mundes hielt, übertönte er mit seiner Stimme die Instrumente. Eigentlich ganz nett. Für die zwei Schlusssongs bitten The Bouncing Souls die anderen Bands auf die Bühne. Gemeinsam spielen sie mit The Menzingers und Roger Harvey das Manthem, bei dem ich sogar laut mitgröle. Die funkelnden Augen der Bühnenbelegschaft sagen: Ein gelungener Tourabschluss. Wir haben uns alle lieb.

Schmusefazit

Eigentlich wär es ja ein Konzert zum Schmusen gewesen. Ich orientiere mich da eher an Marcus Wiebusch und umarme meinen Becher voll Bier. Den ich ja längst jemand anderen ins G’Nack gegossen habe. Per Versehen. Ein Konzert von The Bouncing Souls, The Menzingers und Roger Harvey ist definitiv etwas, dass einem das Herz erwärmt. Und jeder einzelne Akt brachte irgendwie nostalgische Gefühle hoch. Auch wenn ich keine der Bands früher gehört habe. Kurz gesagt: Es war ganz nett, aber eine Kassette fürs Auto werde ich mir trotzdem nicht überspielen.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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