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Band des Monats April – Call The Mothership

Band des Monats April – Call The Mothership

Call The Mothership sind unsere Band des Monats April. Wir trafen Sänger Ermis und Gitarrist Jörg zum Kaffeeklatsch, um etwas mehr über ihren Earthcore und ihr neues Album Of Dark Matter And Acension zu erfahren. Was sie uns erzählt haben? Unter anderem, warum es ihre Musik gratis gibt, und ob Star Wars oder Star Trek nun besser ist. Aber lest selbst!

Call The Mothership – das Interview

Hallo ihr beiden! Stellt Call The Mothership doch mal vor, für alle, die euch noch nicht kennen.
Jörg: Das Konzept der Band, also das Offensichtlichste, ist natürlich ein Einschlag ins Sci-Fi mit einer Action Rahmenhandlung und einem futuristischen Gesamtkonzept. Jetzt nicht nur musikalisch, sondern auch von der Ästhetik und vom Design her. Aber das Ganze darf man nicht so wortwörtlich nehmen, dass wir jetzt gern in ein Raumschiff hupfen und wegfliegen wollen. Natürlich, es ist eine gewisse Faszination dabei, keine Frage, aber jedes Thema und jeder Aspekt ist eine Metapher für etwas sehr Weltliches. Und allein dadurch, dass wir sagen, wir sind quasi eine Crew von einem imaginären Raumschiff, steht das für ‚aus dem Alltag ausbrechen‘ und gemeinsam der Realität entfliehen und mit diesem Bildnis wollen wir die Leute begeistern und sie mitnehmen.

Euer neues Konzeptalbum Of Dark Matter And Acension können Fans kostenfrei herunterladen. Warum habt ihr euch für den Gratisdownload entschieden?
Ermis: Das war die bewusste Entscheidung zu Beginn von Call The Mothership, dass die Musik gratis zur Verfügung stehen soll, immer schon.
Jörg: Jeglicher Release, den wir bisher hatten, war immer gratis. Eine Band zu führen ist zwar ein riesen Unternehmen und es geht viel Zeit und Energie drauf, aber obwohl viel zu tun ist, ist es in Wahrheit nur ein Hobby. Uns ist am Allerwichtigsten, dass wir so viele Leute wie möglich erreichen und dass sich keiner denken muss: Ist mir die Musik dieser unbekannten Band jetzt zehn Euro wert? Und grad Musik wird schnell mal geripped und hochgeladen und das dann meist in einer Qualität, die nicht so ist wie die Ursprungsqualität und wir haben schlichtweg gesagt: Hobby. Wir sind nicht abhängig von der Band – stellen wir gleich unsere Musik in der besten Qualität möglich auf verschiedene Plattformen, und die Leute können es sich immer und immer wieder ziehen.
Ermis: Sie können sichs in maximaler Auflösung runterziehen und müssen nicht auf irgendwelche Seiten zurückgreifen.

Gerade bei euch macht das auch Sinn, gerade mit dem ganzen Spektrum an Frequenzen, die man da so hat.
Ermis: Besonders bei den Postrock Nummern macht das sehr viel Sinn, da kann einiges verloren gehen, wenn die Dateien komprimiert werden.

Erklärt uns das Konzept eures Albums bzw. die Geschichte!
Emis: Das Konzept geht eigentlich davon aus, dass bei der Light Out Phase das Mutterschiff in Probleme geraten ist. Das Album beginnt genau da, bei dem Nachbeben sozusagen, wo der Protagonist aus dem Schlaf erwacht und sich nicht auskennt. Er muss sich durch Wrackteile kämpfen, durch das Mutterschiff, zu sich selbst finden und schauen, wo der Ursprung dieser Katastrophe zu finden is, um das alles wieder ins Lot zu bringen und das Mutterschiff wieder auf Kurs zu bringen.
Jörg: Das ganze Konzept ist in der Ich-Form geschrieben, das heißt der Zuhörer ist der Protagonist und die ganze Story – sprich eine plötzliche Krise und wie man diese bewältigen kann und muss – ist quasi eine Metapher für alltägliche persönliche Krisenbewältigung. Wir haben die Konzeptstory zuerst geschrieben, dann erst Songs gemacht.

Das wäre meine nächste Frage gewesen!
Jörg: Wir haben das Ganze quasi Kapitel für Kapitel vertont. Wenn man sich das Ganze in einem Stück anhört – was man auf jeden Fall mal machen sollte – wird man mitbekommen, dass der Gesamtton sich von Anfang bis Ende ändert. Zu Beginn ist es sehr düster und schwer, die Riffs gehen langsam, es zaht sich alles und ist sehr dystopisch und dissonant. Und irgendwann kippt die Stimmung und wird von düster zu melancholisch und immer heller und heller. Wenn man die erste und die letzte Nummer hintereinander hört, hat das kaum was miteinander zu tun – weder von der Stimmung noch vom Songwriting. Deswegen ist es gescheit, sich das Album von Anfang bis zum Ende durchzuhören in einem durch. Und das ganze Ding ist geschrieben nach den Stadien der Krisenbewältigung in Hinsicht der menschlichen Psychologie. Ich hatte sehr viel fachgerechte Hilfe von meiner Freundin und ihrer Mutter. Die eine ist Psychiaterin, die andere Psychotherapeutin. Die haben mir das Schema aufgeschrieben, die Phasen der Krisenbewältigung und die Eventualitäten. Daraus habe ich dann die Grundstory geschrieben und das haben wir dann vertont, und unser Bassist Thomas arbeitet gerade daran, das Konzept auszuformulieren und ein E-Book zu schreiben. Das wir – sobald es fertig ist – hintennach auch gratis veröffentlichen werden, für die die es wirklich interessiert.

call-the-mothership-of-dark-matter-and-ascension-cover

„Of Dark Matter And Ascension“ CD Cover

 

Das ist cool, du kannst quasi mitlesen, während du die Musik hörst – je nachdem wie viele Seiten es hat.
Jörg: Ich könnte es nicht, mir wär es zu viel.
Ermis: Es macht auch Sinn, sich das vorher durchzulesen und dann die Musik anzuhören. Ich glaube, man kann die Sachen dann von einem anderen Gesichtspunkt hören und sehen. Für manche Leute, die eher visuelle Typen sind und sich das einmal vorher vorstellen müssen, macht es Sinn sich das vorher durchzulesen und dann erst durchzuhören, um das besser visualisieren zu können.

Das heißt, die Musik schreibt ihr dann gemeinsam oder schreibst nur du, Jörg?
Jörg: Prinzipiell haben wir einen recht starren Workflow. Ich schreibe alle Ideen für Songs, aber ich schreibe keine Details: Ich hab meist eine Vision von einer Szene oder einem Szenario oder einem ganzen Konzept und das präsentiere ich der Band. Dann geben wir mal Feedback hin und her und danach schreibe ich den Song ohne Details. Für die Details habe ich ja Musiker, die besser sind als ich. Ich meine, ich habe Ahnung vom Kontext – wie funktionieren verschiedene Instrumente oder Effekte und dergleichen zusammen? Aber ich gehe auch zu unserem Drummer Mike und sage, was wir brauchen und er programmiert oder jammed was. Sprich, ich habe meine Departments für Details und ich bin der Braincorrector.
Ermis: Wir haben eine Karte und tragen da unsere Wege ein und füllen das Ganze mit Ideen aus. Ich bekomme erst das Konzept, lese es durch und anhand dieser Kapitel schreibe ich dann die Lyrics für die Songs.
Jörg: Und Ermis hat natürlich die Demos, damit er weiß, wie sich der Song anhört und was der Inhalt ist. Dann sage ich ihm meist noch: da keine Vocals, da viele Vocals und wir spielen mit Ideen hin und her.

Das heißt für die Live-Geschichten: Wird das auch so umgesetzt, dass ihr das von vorne bis hinten durchspielt?
Jörg: Nein, da nicht, da macht’s weniger Sinn. Wir spielen ja nicht nur das neue Album, sondern auch die Single und das erste Album. Da geht’s eher darum, dass wir die Songs, die mit bestimmten Instrumenten gespielt werden, zusammengeben. Weil wir spielen mit Siebensaiter-Gitarren und Achtsaitern, die sind natürlich unterschiedlich gestimmt, da muss man überlegen, welche Songs wann gespielt werden und wie das am Besten zusammenpasst.
Ermis: Sonst sind die Pausen nach den Songs zu lang, wenn du Instrumente wechseln oder umstimmen musst.
Jörg: An sich, die Idee ein ganzes Album durchzuspielen wäre eh mal cool! Aber wir haben die Songs gewählt, die live definitiv am geschicktesten zum Spielen sind. Wir haben nämlich auch immer Instrumentalnummern. Und ich finde, das macht im Set keinen Sinn,
eine Instrumentalnummer zu spielen, wenn wir nur eine halbe Stunde Zeit haben. Es ist eher darauf ausgerichtet die Nummern zu spielen, die Live am Besten funktionieren, die den interessantesten Drive haben.

Ich finde es cool, dass ihr doch beschlossen habt, live zu spielen. Wie kam der Sinneswandel?
Ermis: Ich glaube, das ist dadurch entstanden, dass wir nach und nach gemerkt haben, dass es immer Bühnentauglicher geworden ist.
Jörg: Es gab genug Nachfrage und wir haben genug Material gehabt und ich finde es auch sehr sehr cool, dass wir uns auf Livespielen und Proben konzentrieren, weil ich jetzt songwritingmäßig eine Pause machen kann. Und ein bisschen genauer überlegen kann: Was will ich als Nächstes schreiben?

Auf welche Nummer freut ihr euch am meisten beim Livespielen?
Jörg: Die Letzte, weil’s dann vorbei ist! (lacht)
Ermis: Mein Favorit zum Live spielen ist Hypersleep Nightmares.
Jörg: Die ist für mich nicht leiwand zum Spielen.
Ermis: Da musst dich konzentrieren. (lacht)
Jörg: Ich muss mich bei allen Nummern konzentrieren, aber bei der muss ich mich sehr konzentrieren! Für alle, die das nicht wissen – ich sehe mich ja selber nicht als Gitarrist! Ich spiele nur Gitarre, weil ich die Songs auf der Gitarre schreibe und das wär irgendwie blöd, wenn ich dann zwei Gitarristen hätte, denen ich meine Sachen beibringen muss, damit ich Bass spielen kann – vor allem wenn ich einen Bassisten hab, der viel besser ist und der Sachen sieht und sofort spielen kann! Und superkreativ und supersauber ist. Ja deswegen, weil’s weniger Aufwand ist, wenn ich’s schreibe und recorde. Dann kann ich’s auch gleich spielen und mich selbst weiterentwickeln und mehr Gitarrist werden.
Ermis: Er muss ein bisschen den Grips anstrengen.
Jörg: Meine absolute Lieblingsnummer ist eigentlich vom ersten Album: Spark, die ist schön lang, hat drei Teile und ist alles, was Call The Mothership ist. Teilweise Speed, Doublebass, schönen Groove und sie zerlegt sich schön in einen Cleanpart, schön atmosphärisch, zum Träumen. Es gibt nur zur Hälfte Vocals, die andere Hälfte erzählt die Gitarre. Das gibt sich schön die Hand und am Schluss explodiert die Nummer schön und sie ist ziemlich verträumt und doch hart.

 

Zwischendurch eine kurze Glaubensfrage: Star Wars oder Star Trek?
Ermis: Star Wars!
Jörg: Beides.
Ermis: Es geht nicht beides!
Jörg: Aber es hat nichts miteinander zu tun! Das eine ist Science-Fiction und das andere ist mehr oder weniger Fantasy! Star Wars hat zwar eine Science-Fiction Ästhetik, aber es beruht auf nichts, was Science ist. Das ist halt das Reglement vom Film, dass Raumschiffe Lichtgeschwindigkeit fliegen können, was physikalisch nicht möglich ist. Dass ein Laser aufhört und so weiter. Das ist schlichtweg einfach so. Und das ist auch gut so. Aber mit der gleichen Mechanik funktioniert zum Beispiel Herr der Ringe: Da gibt es auch ein Reglement, da gibt’s Leut die können zaubern – warum sie das können, ist scheißegal. Sie können’s halt, das ist Part of the Story. Oder, dass Drachen fliegen können, was wahrscheinlich rein physikalisch aufgrund ihrer Masse nicht möglich ist. Deswegen sag ich, man kann Star Trek und Star Wars nicht zu vergleichen. Ich find es cool, dass es beides gibt.
Ermis: Ich find’s cool, dass der Fantasie bei Star Wars keine Grenzen gesetzt sind. Das bringt Star Wars einfach cool rüber. Ich will auch nicht sagen, dass ich Star Trek komplett abgeneigt bin oder mir die Filme gar nicht gefallen, aber Star Wars bringt für mich mehr Freiheiten mit, und das find ich ganz cool, weil ich sowieso ein Fantasy Fan bin. Also nicht nur Sci-Fi und die Kombination aus beidem ist einfach toll.

Wir haben ja viele junge Bands, die unsere Seite lesen. Welche Tipps habt ihr für junge Musiker, die erst mit einer Band starten?
Ermis: Es ist ganz wichtig, sich selbst treu zu bleiben und die Musik zu machen, die man wirklich gerne hört und die man gerne selbst machen möchte und nicht etwas zu versuchen, was man selbst nicht ist. Ich höre zum Beispiel furchtbar gern Black Metal, ich weiß aber, dass ich in einer Black Metal Band sowohl als Instrumentalist als auch als Vokalist total falsch aufgehoben bin, weil ich mit dem auf der Bühne, glaube ich, nichts anfangen könnte.
Jörg: Prinzipiell sollte man in einer Band das machen, was einen selbst am Allerglücklichsten macht. Weil in einer Band spielen passiert in der Freizeit – nach der Schule, nach der Uni, nach der Arbeit – und es ist die einzige Freiheit, die man hat, dass man das macht, was einen selbst glücklich macht. Scheißegal, wohin ein Trend geht, was eine andere Band sagt, was cool ist. Wenn man sich selbst nicht wohlfühlt und was macht, um Andere zu pleasen, dann entsteht Musik nicht natürlich. Und das merkt man, wenn was gekünstelt ist.
Ermis: Man macht eine Band ja nebenbei, und wenn ich mir denke, dass ich nach einem zwölf-Stunden-Dienst dann in den Proberaum gehe und nicht etwas mache, wo ich drin aufgeh oder was mir wirklich Spaß macht, dann
würd ich irgendwann nicht mehr proben gehen, weil das für mich mehr Stress wäre als die Erfüllung meines Hobbys.

Wie sollte es eurer Meinung nach sein?
Jörg: Bandstuff machen
ist anstrengend, kostet Energie. Aber auch wenn du was machst, was so fordernd ist; wenn du damit fertig bist und aus dem Proberaum gehst und dich zwar müde fühlst, aber trotzdem geistig frei und erfrischt – dann machst du irgendwas richtig. Das ist für mich immer die Bestätigung. Wenn man heimkommt und die Gitarre sieht und sich denkt ‚Naaa kan Bock drauf‘, dann ist es vermutlich das falsche Hobby und man sollte überdenken, ob das jetzt wirklich gut ist. Weil ein Hobby, sollte dich nie runter zahn.
Ermis: Ja, dein Hobby ist deine Freizeit, die du mit etwas verbringen solltest, wo du nicht noch mehr Struggle erlebst. Gitarre spielen habe ich mir zum Beispiel selbst beigebracht, ich hatte nie Unterricht. Und das ist etwas, das ich zu Hause gerne mach, seitdem ich vierzehn bin: Ich nehme mir die Gitarre und klimper auf dem Ding rum, zwanzig Minuten, oder auch mal eine Stunde, und geh darin voll auf.
Jörg: Aber nur weil man schon zehn Jahre Gitarre spielt, heißt das nicht, dass man’s ewig weitermachen muss. Vielleicht kommt der Punkt, wo sich das Wesen schon so verändert hat, dass man sagt: ‚Kanufahren ist mein neues Gitarrespielen‘.
Ermis: Es kennt auch jeder diese Tage, wo einfach nichts funktioniert und man frustriert ist. Aber am nächsten Tag ist es dann wieder das Größte und das Tollste, was man macht. Es ist doch etwas, wo man sehr abschalten und entspannen kann.
Jörg: Also heißer Tipp: Genau das machen, was einem selbst gefällt und was einem Spaß macht – in Hinsicht auf Hobby. Die Sache schaut komplett anders aus, wenn man eine Band vermarkten will, aber darum geht’s jetzt nicht. Darüber könnte ich jetzt noch eine Stunde reden.

Habt ihr noch etwas, was ihr zum Abschluss loswerden wollt?
Jörg: Download our Album! Es is eh gratis.
Ermis: Hört euch die Musik an, macht euch ein Bild davon! Versucht euch in die Geschichte reinzuversetzen versucht, euch mehr damit auseinanderzusetzen, als das Album einfach nur durchzuhören, weil es steckt viel Herzblut und viel Ideenreichtum dahinter. Es ist ein riesiges Konzept und ich find es macht richtig Spaß, das Ganze zu erforschen.
Jörg: Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Nicht nur unsere Musik hören, sondern generell Kunst weniger konsumieren, sondern mehr Zeit geben. Hinter jedem Ding haben sich Bands und Künstler was gedacht! Mehr als man mit einmal durchhören versteht. Deshalb weniger runterladen, mehr Künstler supporten und auch mal was kaufen und dafür ein Album öfters hören, Zeit geben, auf Details achten! Weniger Konsumieren, mehr erfahren.

Ein schöner Schluss – danke für das Interview!

Wo es die Jungs in nächster Zeit live gibt, lest ihr hier.

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