Home   /   Interviews  /  BAND DES MONATS  /  Musik  /   Band des Monats August – Grav Karellø

Band des Monats August – Grav Karellø

Band des Monats August – Grav Karellø

Grav Karellø sind vier Burschen aus Graz, die zusammen Deutschpunk spielen und der Legende nach alle uneheliche Kinder von Rudi Carell sind. Sie brüsten sich online mit den Auszeichnungen für schlechteste Bühnenoutfits und vergeigte Gitarrensolos und haben es sich schlicht zur Lebensaufgabe gemacht, die Punkszene wieder zu beleben. Um sie zu zitieren:

Irre, diese Jungs!

Im April erschien ihre erste EP Graz ist tot und im August winkt gleich mal ein Gig beim Frequency Festival 2017. Grund genug für uns, den Teilzeitkomikern mal auf den Zahn zu fühlen.

Grav Karellø – das Interview

Hallo Dani! Euch gibt es ja noch nicht so lang als Band – verratet doch kurz, wie ihr zueinandergefunden habt.
Dani: Hi! Unser Sänger Maxi und unser Drummer Kili spielen schon etwas länger zusammen. Die Beiden haben dann via Internet nach Mitmusikern gesucht und so Christof, unseren Gitarristen gefunden. Der meinte, er habe da noch einen Freund, der Bass spielen würde – mich. Allerdings war das nur so halb wahr, denn eigentlich konnte ich gar nicht Bass spielen, hatte aber so ein Teil daheim rumstehen und wurde ebenfalls verpflichtet. Die ersten Proben reduzierten sich auch irgendwie mehr aufs gemeinsame Hören von Bands, die man gut fand und aufs Biertrinken. Mittlerweile sind wir aber akribische Workaholics im Proberaum, wobei das Bier weiterhin unser Treibstoff für gute Ideen geblieben ist.

Ihr seid benannt nach Rudi Carrell, was man in eurem Alter nicht unbedingt erwarten würde. Was liebt ihr denn so an dem Entertainer?
Dani: Das steht so, oder so ähnlich in unserer Bio, oder? Rudi Carrell war doch Holländer, also kann der Typ nicht so verkehrt gewesen sein. Vielleicht ging es uns bei dem Bandnamen aber auch einfach nur um nicht allzu schnelle Fortbewegungsmittel für Senioren – wer weiß?

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Welche Stolpersteine waren in eurem jungen Dasein als Band bisher die größten?
Dani: Wir dürfen uns bislang echt nicht beschweren und hatten Glück in so kurzer Zeit großartige Sachen erleben zu dürfen. Wenn man bedenkt, dass wir erst vor drei Monaten unser Livedebüt gegeben haben und nun schon unsere erste EP am Start haben, uns mit geilen Bands wie Mess oder Dashcoigne die Bühne teilten und als nächstes das Fm4 Frequency bespielen dürfen, dann ist das echt mehr als gut!

In unserer Review zu eurer EP schrieben wir: „Neben dem schnörkellosen Binden ihrer Schuhbänder und erzählen schlechter Witze beherrschen die Herren auch ihre Instrumente ganz schön gut.“ Erzählt doch euren schlechtesten Witz!
Dani: Sitzen zwei Hundehaufen auf der Mauer und rauchen einen Joint. Da kommt ein Durchfall vorbei und fragt: „Darf ich auch mal ziehen?“, sagt der eine Hundehaufen: „Ne, das ist nur was für harte“.

Wow, der ist wirklich schlecht! Wie seid ihr zur Musik und euren Instrumenten gekommen? Hattet ihr Unterricht oder habt ihr euch doch alles selbst beigebracht?
Dani: Unser Schlagzeuger Kili nimmt regelmäßig Unterricht und guckt bis spät in die Nacht „Drum-Videos“ auf YouTube, um ständig besser zu werden. Die anderen Drei haben sich alles selbst beigebracht. Wobei man sagen muss, dass unser Sänger Max da das totale Genie ist. Spiel ihm irgendeinen Song vor und der Junge zockt ihn sofort auf der Gitarre nach – irrer Typ!

 

Eure Texte sind klar politisch und handeln in Zeiten wie diesen von der Flüchtlingskrise und Rechtsruck in der Gesellschaft. Engagiert ihr euch privat auch in der Politik, zum Beispiel bei einer Partei?
Dani: Klar interessieren wir uns für das, was da draußen passiert und leider läuft derzeit so einiges schief. Den Ärger verpacken wir aber lieber in Songs, als sich für eine Partei auszusprechen, das ist nicht unser Stil. Rechte Idioten liefern ja leider genug Stoff für neue Nummern, also langweilig wird uns nicht.

Wird es künftig auch „leichtere“ Tracks von euch geben?
Dani: Besonders schwierig sind unsere Songs aber nun wirklich nicht nachzuspielen. (lacht) Wir finden auch nicht, dass unsere Songs „schwer“ sind, da in jedem Track ein klein wenig Augenzwinkern mitschwingt. Dennoch, haben wir mittlerweile jede Menge neue Songs am Start, die, wenn du so willst, durchaus smoother und humorvoller um die Ecke kommen – wird ´ne abwechslungsreiche Platte!

Na wir sind gespannt! Ihr sagt, Graz sei tot. Wie kann man die Stadt eurer Meinung nach wiederbeleben?
Dani: Es gibt so viele großartige Bands in Graz, wie A Guy Named Lou, Antimanifest oder die Old Runznickles. Doch was fehlt, ist die Unterstützung der Stadt. Es interessiert niemanden, dass die Szene nach Konzerten strebt und eine gute Zeit haben will. Es gehören mehr Proberäume, Jugendräume und dergleichen her. Hinzu kommt, dass die Auflagen für so geile Locations wie das SUB immer schwieriger werden und die guten Leute, die diese Clubs ehrenamtlich erhalten, jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen.

Mehr: 100% DIY-Punk: A Guy Named Lou – Coloumbo – CD Review

Der Sommer heuer ist ja mal heiß und trocken, mal kühl und nass. Welches Klima ist euch lieber?
Dani: Klima ist an sich ne gute Sache! Da sollte man jetzt keine Unterschiede machen. Aber am liebsten haben wir es wohl in „heißen“ engen Clubs, mit „stürmischem“ Publikumsbeifall und jeder Menge „kühlen“ Bier.

Wie bereitet man sich auf einen Auftritt am Frequency vor? Habt ihr ein Bootcamp?
Dani: Ein Bootcamp? Wir haben nicht mal Verstärker, um so eine Stage wie am Frequency zu bespielen! (lacht) Ne, also wir sind fleißig am Proben und haben uns auch schon die eine oder andere coole Aktion für die Show und abseits der Bühne für unsere Fans überlegt. Am besten ihr schaut einfach vorbei und lasst euch überraschen!

Das werden wir sicher! Ist der Auftritt schon das Highlight des Jahres oder was hält 2017 noch für euch bereit?
Dani: Schon ist gut! Andere Bands spielen sich jahrelang den Arsch ab und dürfen unfairerweise vielleicht nie auf dem Frequency spielen. Wir wissen, was für ein Privileg das ist und das wird vielleicht die größte Grav Karellø Show aller Zeiten, dafür sind wir sehr dankbar. Aber wir werden im Herbst definitiv noch einige Shows spielen, wobei wir da noch nicht zu viel verraten wollen und Ende des Jahres werden wir uns wieder im Studio einschließen, um an der nächsten Platte zu schrauben.

Das klingt ja mehr als vielversprechend! Vielen Dank für deine Zeit, Dani, und wir sehen uns dann am Frequency wieder!

Photo: (c) Lukas Rauch

Home   /   Interviews  /  BAND DES MONATS  /  Musik  /   Band des Monats August – Grav Karellø

Tags

Related Article