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Band des Monats Februar – WENDJA

Band des Monats Februar – WENDJA

WENDJA? Who the fuck is WENDJA?

, das fragen sich wohl viele im ersten Moment. Dann sieht man das Gesicht zum Namen und es kommt zum Aha-Effekt. Hey, den kennt man doch! Einst war er Teil der Partyduos Trackshittaz, dann nur noch Lukas Plöchl – und jetzt ist er WENDJA. Es ist sein chinesischer Name, der sogar in seinem Pass steht. Also irgendwie zurück zu den Wurzeln. Genau das machte er die letzten Jahre, als es musikalisch still um ihn war: Sich mit seiner eigenen Geschichte auseinandersetzen, seine Zerrissenheit reflektieren, mit sich Frieden schließen.

Das Ergebnis ist nicht nur ein anderer Mensch, sondern musikalisch auch auf ein Album gebannt: Poet & Prolet erscheint am 17.02.17 und erzählt von WENDJAs Reise. Uns erzählte er unter anderem, warum er trotzdem Songs wie Abriss Austria macht.

WENDJA – das Interview

Hallo Wendja! Bist du nervös wegen der Veröffentlichung deines Albums Poet & Prolet?
Wendja:
Hi! Ja schon, weil es ein Album ist, das mich verkörpert und am ehesten bei mir ist. Es zeigt alle meine Facetten, all meine Widersprüche und Charakterzüge, ohne eine Schiene zu fahren. Ich möchte einen Menschen auf eine CD bringen und bin insofern sehr nervös, weil es ein Versuch ist.

Du hast die letzten zwei, drei Jahre eine Art Selbstfindungstrip gemacht und viel über dich herausgefunden. Erzähl doch mal, wie du die Zeit erlebt hast.
Wendja:
Die ganze Phase des sich selbst findens ist noch nicht abgeschlossen und es ist auch schwer zu sagen, wann der Anfang war. Definitiv wichtig waren die Trennung von meinem Duo und dann die Kernfrage: Was will ich überhaupt und wer bin ich? Das findet musikalisch und auch menschlich statt. Ich gebe zu, ich hab mich schon stark damit identifiziert, was ich früher mal gemacht habe und im Endeffekt fällt das weg, wenn man sich davon löst. Dann bleibt die Frage: Welcher Mensch ist das, der einen im Spiegel ansieht und warum ist er unzufrieden? Und davon handelt das Album, auf der Suche nach sich selbst zu sein. Für mich funktioniert das mit dem Glück nicht, wenn ich mich auf nur eine Seite beschränke, sondern eher dann, wenn ich mich als Großes und Ganzes wahrnehme und nicht nur als Partyprolet.

Du bist jetzt Wendja. Wirst du zu Hause auch so genannt oder ist der Name komplett neu für dich?
Wendja:
Ich bin ein Mal so genannt worden, in China mit 15 Jahren im Fußballcamp, weil die Lukas nicht aussprechen können und Wendja dort ein gängiger Name ist. Aber meine Freunde und Familie nennen mich nicht so. Als ich klein war, hat mein Vater schon Wendja zu mir gesagt, aber darauf hab ich nie reagiert. Aber mittlerweile hat sich das geändert. Es passt auch sehr gut zur Musik, weil es nicht das ist, was man mit dem alten Namen verbindet.

Genau, mit dem neuen Namen kannst du dich von deinem ersten Soloalbum abgrenzen. Du hast aber auch deinen Dialekt verloren – warum jetzt hochdeutsch?
Wendja:
Also ich trau mich nicht zu behaupten, dass das hochdeutsch ist. Wenn ich in Berlin bin, hören sie immer noch, dass ich ein Österreicher bin und dabei soll es auch bleiben. Aber Wendja bedeutet ja „beste Sprache“ und ich denke, die beste Sprache ist die, in der du dich ausdrücken kannst und in der du auch verstanden wirst. Ich verstehe das, wenn Menschen nur Mundart machen wollen und es ihnen egal ist, ob sie damit versanden werden oder nicht. Aber mir ist das nicht egal. Sonst kann ich meine Inhalte auch nicht transportieren! Ich kann mich nicht selbst ausdrücken, wenn es niemand kapiert.

Bald kann man das Ergebnis hören, Poet & Prolet erscheint am 17.02.17. Du hast viele Songs geschrieben in der Zeit – wie es ja meistens ist, wenn ein Album ansteht. Ist es dir aber diesmal schwerergefallen, eine Auswahl zu treffen, weil so viele unterschiedliche dabei waren?
Wendja:
Ich hab ein massives Problem gehabt! Ich hab ca. 80 Songs geschrieben und irgendwann sitzt du da und fragst dich: „Wie soll das zusammenpassen?“ Dann suchst du Lieder raus, die miteinander harmonieren, aber dann fallen andere weg. Und dann ist mir aufgefallen: „Scheiße, du machst gerade genau das, was du nicht mehr machen wolltest.“ Nämlich eine Schiene fahren und etwas Schlüssiges erstellen. Aber ich bin nicht schlüssig. Ich bin ein Mensch, der voller Zwiespälte steckt und das wollte ich zeigen. Deswegen auch Poet & Prolet. Als ich dann entschieden hab einfach die Songs auszuwählen, die mir gefallen, ist mir die Auswahl auch leichter gefallen.

 

Obwohl „Prolet“ im Albumtitel steckt, gab es viel Kritik für Abriss Austria. Viele Leute fragen sich, warum du so einen Track à la Trackshittaz machst. Was sagst du dazu?
Wendja:
Es ist auch eine Seite von mir. Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich diese Seite verleugnen würde. Ich verstehe, warum man mich dafür kritisiert: Weil die meisten Menschen sich leichter tun, etwas zu verstehen, wenn es schwarz-weiß ist. Aber ich will ja nicht von schwarz auf weiß wechseln und als Poet mit dem Zeigefinger predigen. Das ist eine Seite, aber das Leben liegt zwischen schwarz und weiß. Sicher könnte ich rüber hüpfen und sagen ich mach nur Poet, aber ich will Mensch sein und das auf einer CD ausdrücken. Mir persönlich gefällt es dadurch eben und ich denke, es ist mir auch gut gelungen. Wer mich kennt, wird dieses Album lieben!

Hast du lange überlegt, den Songs aufs Album zu nehmen oder war das von Anfang an klar?
Wendja:
Ich habe lange überlegt, wie ich das da reinbastel. Aber ich habe mir gedacht: „Sei ehrlich zu dir, wenn du den Song weglässt, beschneidest du eine ziemlich markante Seite von dir und machst das wieder nur, um eine Schiene zu fahren.“ Und das wollte ich nicht.

Viele deiner Fans fragen sich auch, inwiefern die Ähnlichkeit im Refrain zu Peter Fox‘ Haus am See beabsichtigt ist?
Wendja:
(grinst) Im Rap geht es definitiv darum, etwas aufzugreifen und damit was Neues zu kreieren. Es ist nichts Essenzielles für den Song, finde ich, aber eine lustige Anekdote. Ich fand es beim Schreiben einfach witzig.

Die Texte auf Poet & Prolet sind sehr durchdacht und raffiniert. Was machst du, wenn du gerade beim Schreiben nicht weiterkommst?
Wendja:
Aufs Klo gehen. Wirklich! Man sagt ja, man soll Texte laufen lassen. Wenn man zum Klo läuft und es da laufen lässt, dann läuft‘s wieder! Das ist so, Mut zur Hässlichkeit zum Beispiel ist so entstanden. Der Beat war da und Textansätze, aber es fehlten die Hook und das Wesentliche. Und das ist mir dann eingefallen, als ich ein paar Runden gegangen bin, auch aufs stille Örtchen. Da hörst du dich selbst ja auch denken. Bewegung hilft! Es muss nicht das Klo sein. Ich schreibe zum Beispiel sehr gerne im Zug oder in der U-Bahn. Alles was sich bewegt, gibt einem das Gefühl, dass man sich bewegt und man hat weniger Barrikaden im Hirn.

Zur Musik gekommen bist du wegen Eminem oder 50 Cent. Wer sind die Künstler, die dich momentan beeinflussen?
Wendja:
Ich höre sehr gern Marteria und wieder extrem gerne MoTrip. Zum Trainieren hör ich Haftbefehl und so Amizeugs halt. Dann hör ich auch gerne irgendwelche EDM-Geschichten. Ich versuch möglichst das zu hören, worauf ich Lust hab, ohne mir etwas zu verbieten. Wenn mir ein Volksmusiklied in die Finger kommt und es gefällt mir in dem Moment, dann höre ich mir auch das an.

Albumcover_Wendja_poet-und-prolet

CD Cover von „Poet & Prolet“

 

Das Veröffentlichungsdatum vom Album wurde mehrmals verschoben. Was war los?
Wendja:
Wir haben Probleme gehabt, zu laden, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn du ein funktionierendes Konstrukt abschießt, wie es bei Trackshittaz war, brauchst du eine Zeit, bis ein neues Konstrukt etabliert ist. Ich hatte erst eine Operation an meiner Nase, weil ich immer schwer Luft bekommen hab, auch wenn sie so funktioniert hat. Und mir wurde gesagt, dass das bestehende System kaputtgemacht wurde und es jetzt eine Zeit dauert, bis es wieder funktioniert und ich mir diese Zeit geben muss, bis ich wieder an meine körperlichen Grenzen gehen kann. Es hat noch nicht alles seinen Platz gehabt und in der Musik war es das Gleiche. Wir dachten im August, wir sind schon so weit, WENDJA zu präsentieren. Aber ich war auch geistig noch nicht so weit. Deshalb fand ich es gut, Abriss Austria vorher noch zu veröffentlichen. Jetzt wissen die Leute wirklich, was sie auf dem Album erwartet.

Du warst in Deutschland schon mit den Songs auf Tour, als Support von Sierra Kidd. Wie sind die Songs angekommen?
Wendja:
Sehr gut! Es hat echt Spaß gemacht, ich war richtig nervös vor dem ersten Auftritt. Vor Menschen aufzutreten, die dich null kennen und auch mit komplett neuen Songs – das war eine Situation, mit der ich schon länger nicht mehr konfrontiert war. Da habe ich auch echt gezittert. Aber es ist echt gut angekommen. Die Bühne ist der ehrlichste Platz für Feedback, finde ich, und wenn die Leute dann jubeln, ist das ein Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Auf deinem Tourplan stehen derzeit viele Konzerte in Deutschland, noch nicht so viel in Österreich. Kommt da was dazu im Laufe des Jahres?
Wendja:
Es kommt sicher noch was, aber bei dieser Tour nicht mehr. Ich glaube auch, dass das okay ist, dass jetzt ein Termin in Oberösterreich und einer in Wien ist.

Für deine Fans in der Umbegung bestimmt! Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für dein Album, Wendja!

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