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Der Druck fällt: So war Casper in der Stadthalle

Der Druck fällt: So war Casper in der Stadthalle

Lang hat es gedauert bis Casper sein Album Lang Lebe Der Tod veröffentlicht hat. Bis Casper endlich wieder nach Wien gekommen ist. Gestern war es so weit und eines schon mal vorweg: Es hat nicht so geposcht wie erhofft.

Die Vorband fällt

Fatoni eröffnete den Abend. Ein Münchner Rapper, der namentlich schon aufgefallen ist. Wo genau, ist mir aber nicht mehr bewusst. Die Stimmung vorm Wavebreaker ist gut. Die Hände von links nach rechts. Fatoni rappt, ab und zu spielt er Gitarre. Hängen geblieben ist aber nichts. Kann vielleicht auch daran liegen, dass man schon mit Ende 20 den Altersdurchschnitt hob. Selbst Fatoni nennt es, wenn auch etwas lustig gemeint, beim Namen:

Wann bekommt die Vorband den lautesten Applaus? Wenn sie sagt: Das ist unser letztes Lied.

Nach gut 40 Minuten ist es vorbei.

Der Vorhang fällt

Um 20:15 fällt der Vorhang. Casper betritt die Bühne und wird mit tosendem Applaus empfangen. Die Stadthalle ist sehr gut gefüllt, wenn auch nach hinten raus sehr viel Platz noch war. Die Tribünen waren mit Vorhängen abgehängt. Wer will schon bei einem Casper Konzert sitzen? Niemand. Casper startet mit Alles ist erleuchtet. Ein guter Start. Beim zweiten Lied, Im Ascheregen, wird klar: Irgendwie poscht es zu wenig. Bei Caspers Songs ist es immer wieder verwunderlich, wie sehr die Musik Druck aufbaut. Vor allem wenn das Schlagzeug oder der Bass einsetzt. Beim gestrigen Konzert war das leider nicht der Fall. Der Sound war etwas verwaschen. Die Musik zu wenig Druck. Dasselbe gilt für Auf und Davon, dem drittem Song.

(c) Alexander Blach

 

Erst bei Sirenen baut sich Druck auf. Vielleicht liegt es daran, dass der Großteil des Lieds elektronisch erzeugt wird. Vielleicht konnte die Band den Druck nicht aufbauen, den man auf den Platten gewohnt ist. Das mag nicht an der Band liegen, das kann auch am Sound liegen. Bei seinen Instrument-lastigen Liedern verzichtet Casper fast komplett auf elektronische Zusätze. Cool, aber vielleicht auch ein Fehler.

Der Druck fällt

Der Lichteinsatz war jedoch genial. Ein Haufen Scheinwerfer, die im Takt durchs Publikum fahren, die Bühne beleuchten, angehen und ausgehen. Bis aufs letzte Lamperl passt alles perfekt zur Musik. Die Bühne, auf der Casper wild herumspringt, erhebt sich manchmal, sodass er in 10 Metern Höhe auf einem schwebenden Podest rappt. Schon während des Konzerts wurde viel darüber gesprochen, wie toll die Show ist. Vielleicht auch deswegen, weil der Rest nicht so spannend war.

(c) Alexander Blach

 

Bei Hinterland tobt dann auch die Stadthalle. Wilde Chöre von vorne bis hinten. Aber auch hier poschte der Refrain einfach zu wenig. Caspers Auftreten ist sympathisch. Über den Abend verteilt hat er sicher ein paar Kilometer zurückgelegt. Von links nach rechts. Und seine Performance setzt er ganz im Zeichen seines nächsten Songs, So perfekt.

Doch wenn schon scheiße tanzen dann so, dass es die ganze Welt sieht. Mit Armen in der Luft, beiden Beinen leicht neben dem Beat.

Die Botschaft fällt

Michael X kündigt er damit an, dass jetzt ein altes Lied kommen würde. Merkwürdig, denn immerhin hat er schon vier Songs seines Albums Xoxo gespielt. Hier bleibt normal kein Auge trocken. Aber irgendwie hat seltsamerweise live die Emotion etwas gefehlt. Es folgt der Zweiteiler Die Vergessenen. Casper verschwindet von der Bühne, ohne dass man es großartig gemerkt hat. Ein wenig später taucht er an der Tontechnik, fast ganz hinten im Saal wieder auf. Eine Traube bildet sich um den Bereich. Kendricks Backseat Freestyle und Mittelfinger Hoch. Zurück auf der Bühne fordert er zu einem kollektiven „Nazis Raus“ auf und zu einem Mittelfinger gegen jegliche Art von Faschismus, Rassismus, Sexismus und Homophobie.

(c) Alexander Blach

 

Mit Lang Lebe der Tod beendet er sein Set. Aber Casper wäre nicht Casper, wenn es kein Encore gäbe. Keine Angst, Jambalaya und Flackern, Flimmern. Letzteres zeichnet sich auf Platte vor allem durch den chaotischen, harten Schlussteil ein. Im Gegensatz zu vielen Nummern kommt dieser auch live gut. Wenn auch etwas zu leise. Es ist 22:00, viele müssen nach Hause.

Fazit

Caspers Musik baut viel Druck auf. Immerhin hat er eine Nummer namens Der Druck Steigt und ein Livealbum mit selbigen Namen. Vom gestrigen Konzert kann ich es leider nicht behaupten. Denn er schaffte es lediglich mit seinen elektronischen Songs den Druck aufzubauen, den wir von Casper gewohnt sind. Wie gesagt könnte das auch an der Anlage liegen. Vielleicht ist es auch einfach Musik, die man lieber auf Platte hören sollte. Trotzdem hatte Casper ein großzügiges Set (das ganze Setlist findet ihr hier). Lediglich von seinen ersten zwei Alben spielte er keinen einzigen Song. Sicher hätte man sich über Xoxo, Lilablau oder Nach der Demo gings bergab gefreut. Aber man kann nicht alles haben. Insgesamt bekommt Casper für die gestrige Show 7 von 10 Leuchttürme. Oder Turnbeutel.

Fotos (c) Alexander Blach

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Robert Ziffer-Teschenbruck

„Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen“ (Marcus Wiebusch)

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