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42 Minuten Power: Comeback Kid im Flex

42 Minuten Power: Comeback Kid im Flex

Das gestrige Konzert der kanadischen Hardcore Champs Comeback Kid war abwechslungsreich, durchwaschen und motivierend. Und sehr kurz.

Ein Schritt ins Verderben

Wieder mal fällt der Punk in Hardcorepunkkonzert kurz aus. Kein Einzelfall. Zumindest spielten keine Death Metal Bands als Support. Higher Power aus Großbritannien sollten den Abend eröffnen. Haben sie auch. Wäre da nicht noch der grenzwertig lange „Stau in Zufahrt“ der 2er-Bim gewesen, hätte ich ihnen schon eine Chance gegeben.

Eine Chance hatten sich aber vor allem Knocked Loose verdient. Hardcore/Metalcore aus Kentucky. Obwohl manche Nummern von Knocked Loose im klassischen Mosh-Midtempo dahingurken, gibt ihr Debütalbum Laugh Tracks schon einiges her. Live war es jedoch katastrophal.

Die Band war zwar topmotiviert, es gurkte jedoch sehr dahin. Anfangs konnte man nicht mal zwischen Ansage und Lied unterscheiden. Es wirkte wie wenn sie sich selbst nicht einig wären. Im Gegensatz zu den Aufnahmen war die Stimme des Sängers Bryan sehr hoch. Vor allem beim Schreien klang es, wie der Schrei eines Hendl, kurz bevor man es köpfen würde. Sehr hoch, sehr kratzig. Vielleicht war es auch einfach nichts für mich. Vielleicht lag es aber auch am Sound des Flexs. Wie wir nachher merkten, war der Sound vor allem hinten im Bar-Bereich sehr schlecht. Wenn die Doublebass einsetzte, wackelten die Haxen. Alles andere ging aber komplett unter. Alles sehr dumpf. Bei den restlichen Besuchern dürfte es aber gut angekommen sein. Zumindest haben sie einen kleinen Circle Pit zusammengebracht.

Zwei Schritte zurück

Comeback Kid kamen kurz nach 21:15 auf die Bühne und starteten ihr Set mit False Idols Fall, einer Nummer ihres Hitalbums Wake The Dead aus 2005. Erst vor ein paar Monaten haben sie ihr neustes Werk Outsider veröffentlicht. Natürlich durften ein paar Nummern des Albums nicht fehlen. Surrender Control, Absolute, Somewhere, Somehow. Letztere ist eine ziemlich catchy Nummer. Der Refrain recht poppig, wie es aber auf Outsider öfter vorkommt (Hell Of A Scene). Die Band ist motiviert. Die Crowd auch. Es ist aber noch viel Luft nach oben. Zum ersten Mal spielen sie im Flex. Bisher haben sie, gefühlte hundert Mal, in der Arena gespielt.

Jetzt passt der Sound. Vielleicht auch, weil wir weiter vorne standen. Auch wenn das Flex nicht ganz voll war, schaffen es Comeback Kid die Menge zu motivieren. Ein paar Stagedives, Kicks, Circle Pits. Das Set galoppiert schnell dahin. Wasted Arrows, Should Know Better, Outsider. Irgendwie fehlen die Klassiker. Kaum poppte dieser Gedanke auf, spielten sie All In A Year. Das erste Lied, das sie jemals geschrieben haben. Ein paar wenige Nummern später kam dann auch das von der Crowd lang ersehnte Wake The Dead. Die Stimmung ist super. Eine Nummer, die Comeback Kid noch im Altersheim spielen werden. Normalerweise beenden sie mit der Nummer ihre Konzerte. Doch war es erst 22:00. Egal. Konzert aus, keine Zugabe.

Fazit

Comeback Kid wissen, wie sie Menschen motivieren können. Egal ob auf Platte oder live. Das Set beim gestrigen Konzert war recht gemischt, auch wenn ein paar Klassiker fehlten. Partners In Crime wäre doch ganz nett gewesen. Diese Entscheidungen liegen aber bei der Band. Ebenso die Entscheidung, nach 42 Minuten Schluss zu machen. Bei einem Preis von fast 30 Euro ist das schon etwas dreist. Außerdem hätte ich mir das locker noch 42 Minuten anschauen können.

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Robert Ziffer-Teschenbruck

„Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen“ (Marcus Wiebusch)

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