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Widerstand ist zwecklos: Converge in der Arena

Widerstand ist zwecklos: Converge in der Arena

Gestern waren die Schmuserocker von Converge in der Wiener Arena zu Gast. Normal würde hier jetzt etwas von „zerlegen“ oder „brennende Hütte“ stehen… aber über Converge scherzt man nicht. Eine Band, bei der man weiß, wieso sie nach 45 Minuten die Bühne verlässt und anschließend nur eine Nummer Zugabe gibt.

Raus aus der Komfortzone

Im Innenhof der Arena häufen sich schwarze Outfits. Wenige Cappies und Hoodies, dafür viel mehr Langhaarfrisuren und Stiefel. Der Grund: Converge haben sich gleich drei Metalbands mit auf Tour genommen. Wenn man seine musikalische Komfortzone im Bereich Hardcore eng absteckt und sich von Engstirnigkeit treiben lässt, stolpert man auch hier in eine Situation, die man schon von anderen Hardcore-Shows kennt: Für den Punk ist das meiste Metal. Zeit zum Horizont erweitern.

Havok 2017 (c) Mario Baumgartner

Havok: Live Arena Wien 2017 (c) Mario Baumgartner

Die mir unbekannte Band Revocation eröffnete den Abend. Leider ist sie mir auch heute noch unbekannt. Zeit. Soll aber gut gewesen sein, sagten Sie. Die zwei folgenden Bands Havok und Gorguts tauschen täglich ihren Slot auf der Tour – in Wien machten Havok den Beginn.

Zwischen Trash und Death

Havok sind eine Trash Metal Band des neuen Jahrtausends. Der erste Vocal-Check war ein 8-sekündiger Schrei ins Micro. Die anderen Vocal Checks fanden in 3 verschiedenen Höhen bzw. Tiefen statt. Dann verlassen Havok wieder die Bühne – ein Intro ertönt. Gehörschutz rein – Metalhäfn raus. Und siehe da: Für Trash Metal verirren sich echt bluesige Bass Licks in die Songs der US-Amerikaner. Der Sound war gut, das Set recht abwechslungsreich – zu wenig jedoch um bis zum Ende zu bleiben.

Gorguts 2017 (c) Mario Baumgartner

Converge: Live Arena Wien 2017 (c) Mario Baumgartner

 

Die Frankokanadier von Gorguts bringen eine große Fangemeinde mit aufs Konzert. Immerhin gibt es die Band seit 1989. Sänger Luc Lemay wirkt wie eine freundlichere Version von J Mascis, nur jünger aber verbrauchter. Für Death Metal war sowohl die Stimmung auf als auch vor der Bühne recht unspannend. Nach den ersten drei Songs drehten Gorguts ihre Geschwindigkeit hoch – die Stimmung wird ausgelassener. Ich würde sagen, dass es ein ganz durchmischtes Set war. Schwer zu sagen, wenn das Einzige das man jemals über diese Band gehört hat, ist, dass sie einen 33-minütigen Song über eine alte irakische Bibliothek geschrieben haben. Bei einer Setlänge von gut 45 Minuten war der aber nicht dabei.

Ein wuchtvolles Ende

In der Halle steht die Luft, meine Ohren bereits erschöpft. Dem sei dank, dass nun etwas zum Entspannen kommt. Die abgesteckte große Halle ist rappelvoll. Die Band betritt die Bühne und wird gebührend vom Publikum gefeiert. Kurze Ansage und los geht’s. Bei seinem ersten Converge Konzerte fühlt man sich vielleicht ähnlich, wie damals, als man zum ersten Mal das Album Jane Doe hörte: Erstaunt aber komplett überfordert. Sänger Jacob Bannon läuft und hüpft von links nach rechts. Auch Bassist Nate und Gitarrist Kurt stehen nach dem ersten Song schon in ihrer eigenen Schweißlacke.

Converge: Live Arena Wien 2017 (c) Mario Baumgartner

Converge: Live Arena Wien 2017 (c) Mario Baumgartner

 

Den Sound haben die Arena und der Tour-Tontechniker echt gut hinbekommen. Converge reißen ihr Set ganz nach dem Motto „Widerstand ist zwecklos“ runter. Es gibt wohl niemanden der das Mikrowerfen so perfektioniert hat wie Jacob Bannon. Auch wenn das obligatorische „This is already my favourite Show of the tour so far“ recht schnell kam, merkt man bei Converge eins: Die Jungs sind auch nach 27 Jahren mit vollem Herz dabei.

Nach rund 45 Minuten geht die Show zu Ende. Klatschen, „One-More-Song“-Chöre, Gegreische. Converge kommen wieder auf die Bühne und nehmen die Chöre ziemlich ernst.

Ok. One more song. But it’s a long one.

Mit Jane Doe des gleichnamigen Sensationsalbums aus 2001 beenden sie ihr Set. Oder spielten das letzte viertel ihres Sets. Immerhin dauert der Song länger als Elf Minuten. Elf Minuten Emotion, Qual, Poesie. Auch wenn es sich für die wenigsten so anhören möge. Ein Abend mit Converge ist definitiv ein gelungener Abend. Ein Abend voll Power, voll Sympathie, voll Euphorie. Beim Heimfahren musste ich trotzdem Minor Threat zum runter kommen hören.

 

Fotos (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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