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Culdcept Revolt im Test

Culdcept Revolt im Test

Culdcept Revolt beschert uns einen Mix aus Karten- und Brettspiel. Wie sehr geht die Mischung auf? Wir haben es getestet!

Vertrautes Szenario

Bevor wir uns jedoch all den Arten widmen, auf die Culdcept Revolt etwas völlig neues auf die Beine stellt: Sehen wir uns doch mal den Punkt an, bei dem das Spiel das genaue Gegenteil tut. Die Story.

Die grundlegenden Elemente sind, egal ob im Fantasygenre oder darüber hinausgehend, für niemanden eine Neuheit. Junger Held der seine Erinnerungen verloren hat und mehr über seine Vergangenheit erfahren muss? Check. Ein bösartiger Herrscher, mitsamt Adelstitel? Check. Eine Gruppe widerspenstiger Rebellen die sich nicht unterkriegen lassen? Check. Ein Mangel an Orginalität muss jedoch kein Problem sein. Zahlreiche Spiele, gerade im Bereich Fantasy, bauen auf dieselben Grundlagen auf.

Würfel zum Sieg. Culdcept Revolt ist auf der einen Seite ein klassisches Brettspiel.

Culdcept Revolt hat auch einige gute Ansätze und vor allem ein paar wirklich sympathische Figuren. Das ändert jedoch wenig daran, dass das Pacing zu wünschen übrig lässt. Vor allem die Anfangsstunden kommen einem unerträglich langsam vor. Nicht etwa, weil es einen Mangel an Storycutscenes gibt. Tatsächlich bekommt man einige von diesen. Leider sind sie allesamt zu lang und inhaltsarm. Schnellere Fortschritte in der Handlung und kürzere Sequenzen zwischen den Spielpassagen hätten Culdcept Revolt durchaus geholfen seine Geschichte besser zu erzählen. Spannender vor allem. Glücklicherweise ist die Story nur ein Element und dort wo es wirklich wichtig ist, punkten die Entwickler: Beim Gameplay!

Neues Spielerlebnis

Culdcept Revolt ist, in seinem Herzen zweierlei Dinge. Auf der einen Seite ein Kartenspiel, die Art, in welcher es darum geht ein Deck zu erstellen und das beste daraus zu machen. Magic: The Gathering, Yu-Gi-Oh, Hearthstone, das Konzept ist nicht neu und dürfte Vielen auf irgendeine Art vertraut sein. Auch die Art wie Karten in Culdcept Revolt eingesetzt werden können ist, im weitesten Sinne, nicht ungewöhnlich. Monster werden eingesetzt und bekämpfen sich. Sie können dank anderer Karten mit Waffen und Rüstungen versehen werden. Ebenso ist es möglich Zaubersprüche zu nutzen, all dies in anderen Phasen eines Spielzuges.

Die andere Seite von Culdcept Revolt ist ein Brettspiel. Man würfelt und die eigene Figur bewegt sich von Feld zu Feld, anfangs in einfachen Vierecken, ehe die Bretterkonstellationen laufend komplexer werden. Auch dieser Aspekt von Culdcept Revolt folgt den mustern eines durchaus nicht unbekannten Spieles: Monopoly.

Es ist diese Kombination, die aus Culdcept Revolt ein völlig neues, so noch nicht gesehenes Spieleerlebnis macht. Ein Spiel, welches Elemente anderer Titel übernimmt, verändert und auf komplexe Weise miteinander kombiniert.

Mit Geld zum Sieg

Das Konzept selbst mag auf den ersten Blick ungemein kompliziert erscheinen. Nach und nach wird einem jedoch bewusst, dass es eigentlich sehr simpel ist. Es geht darum eine gewisse Summe an Geld zu erlangen und danach eines der Tore auf dem Spielfeld zu passieren. Natürlich ist im Spiel nicht von ‚Geld‘ die Rede, aber genau darauf lauft es hinaus. Immerhin verdient man laufend mehr und muss dieses zu verschiedensten Zwecken ausgeben. Die Nähe zu Monopoly ist hier so unverkennbar, wie beim gehen über Los (hier „Gates“). Dafür gibt es übrigens auch immer einen kleinen Zuschuss.

Auf der anderen Seite ist es ein Sammelkartenspiel indem man Monster aufeinanderhetzt.

Die wichtigste Verdienstmöglichkeit stellt das Einnehmen von Land dar, indem man ein Monster auf diesem platziert. Hier gelten einige Regeln. Entspricht der Typ des Monsters dem Land ist dies ebenso ein Bonus, wie mehrere eingenommene Felder des gleichen Types. Wem das nicht reicht, der kann gegen ein Entgelt seine Positionen auch aufleveln. Dies ist besonders hilfreich wenn ein Gegner auf einem Feld im eigenen Besitz landet – denn je höher der Level, umso höher der Zoll. Obacht ist jedoch geboten: Gegner haben in diesem Fall nämlich ebenso die Möglichkeit ein Monster in den Kampf zu schicken.

Diese Konfrontationen laufen wie erwähnt nach bekannten Genreprinzipien ab. Am Ende muss der Feind entweder doch den Zoll zahlen – oder er hat das Land übernommen und jede Menge Arbeit zunichte gemacht.

Der Weg ist das Ziel

Wie schon etabliert, ist die Handlung von Culdcept Revolt nicht die große Stärke des Spieles. Ebenfalls sollte inzwischen klar sein, dass hier das Gameplay im Fordergrund steht. Dies trifft jedoch in einem weitaus größeren Ausmaß zu, als man erwarten möchte. Hier arbeitet man sich nämlich nicht einfach durch einen Storymode. Dieser ist nur EINE Möglichkeit zu spielen. Matches stehen im Vordergrund, dabei ist egal ob sich diese im Verlauf der Story ereignen, man Solo Matches gegen den Computer ausfechtet oder sich, lokal ebenso wie online, menschlichen Gegnern stellt.

Die Kartendecks (hier Bücher), welche man sich erstellt gelten dann auch für alle möglichen Matches und werden auch in Handlungsquests übernommen. Neue Karten können sich erspielt werden oder einfach im Shop, welcher im Hauptmenü zu finden ist, erstanden werden. Wie man es aber gewohnt ist: Statt gezielt Karten zu kaufen muss man sich auf Zufallspäckchen verlassen. Positiv anzumerken ist dabei, dass selbst die günstigsten Packs ziemlich brauchbare Karten hergeben und man stets mehr als genug virtuelles Geld hat.

Dieses braucht man auch, denn wenn man nicht ständig neue Karten kauft und vielleicht die eine Karte dabei ist, die das eigene Deck kompletiert, wird man rasch an seine Grenzen stoßen. Online wird man gerade anfangs sehr schnell überrumpelt werden. Im Storymode ist dies kaum anders. Der Schwierigkeitsgrad steigt derart schnell, dass man schon nach einigen wenigen Quests mit regelmäßigen Niederlagen rechnen muss. Erneute Versuche und Verfeinerung – des eigenen Buches und der eigenen Fähigkeiten – sind unvermeidlich.

Was lange währt

Wenn man etwas aus diesem Review mitnehmen soll, dann Folgendes: Culdcept Revolt ist ein überraschend komplexes, völlig neues Spieleerlebnis. Der eine oder andere Freund des Spieleimports mag an dieser Stelle aufschreien und ja, es stimmt. Culdcept Revolt ist gar nicht so neu wie es erscheint, ist es doch die Fortsetzung. Tatsächlich geht die Reihe zurück bis zu Zeiten von Sega Saturn und PlayStation 1! Bis auf ein paar Ausnahmen die es auch in die USA geschafft haben, war die Reihe bis Dato jedoch japanexklusiv. Mit Revolt geht die Culdcept Reihe nun auch erstmals in Europa an den Start. Es gibt schlechtere Einstiege als diesen.

Altmodisch oder veraltet?

Startet man das Spiel, werden einem optisch eintönige, aber grafisch doch sehr anschauliche 3D Szenarien entgegengeworden. Hier und da darf man ähnliches auch im Spiel erleben. Culdcept Revolt selbst sieht jedoch nicht so aus. Im Gegenteil. Man hat sich für einen visuellen Stil entschieden, welcher es schafft gleichermaßen veraltet, aber auch modern und von Nostalgie getrieben auszusehen.

Grafisch nett, aber ein visuelles Feuerwerk muss man nicht erwarten.

Was heißt das für das Spiel? Grundsätzlich ist Culdcept Revolt sehr hübsch. Wenn man diesen spezifischen Stil mag. Der 3DS wird aber zu keiner Zeit ausgereizt und mit großen Effekten oder dergleichen braucht man nie zu rechnen. Die Grafik ist zweckdienlich, für einen modernen Titel aber wenig überzeugend.

Fazit

Kurz und knackig: Culdcept Revolt ist extrem unterhaltsam. Muss jedoch auch an Standards von vielen Brett- und Kartenspielen gemessen werden. Wer die Anleitung nicht liest und das Tutorial skippt wird maßlos überfordert sein. So ist dass eben, wenn man etwas – zumindest hierzulande – Neues kennenlernt. Hat man den Dreh aber erst raus, bekommt man ein ungemein spaßiges Spielerlebnis. Freunde von Magic: The Gathering und Monopoly sollten gleichermaßen einen Blick riskieren. Schwächen in der Präsentation, gnadenlose Korrektur nach oben des Schwierigkeitsgrades und eine uninspirierte Story ändern nichts daran: Culdcept Revolt macht Spaß und hat das Potential zum Nischenkult.


Release Date: 06.10.2017
Plattform: 3DS
Genre: Strategie
Publisher: NIS
Entwickler: Omiya Soft
PEGI: 12

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