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Keine Worte, keine Stimmung: Dinosaur Jr im WuK

Keine Worte, keine Stimmung: Dinosaur Jr im WuK

Letzten Donnerstag war es endlich soweit und die Independent-Kollegen aus den USA, Dinosaur Jr, haben sich endlich in Wien blicken lassen. Nach knapp dreißig Jahren Bandgeschichte, Top-Alben und einem Coolness-Faktor wie keine zweite Band war es dann doch ein sehr belangloser Auftritt.

The Boys You Didn’t Really Know

19:30, das WuK ratzevoll. Frauenfußball im Innenhof. Viele bekannte Gesichter und Diskussionen. Wie lange er doch schon auf den Auftritt gewartet hat, wie lange sie nicht schon die Band sehen wollte und ob sie eh Freak Scene spielen würden. Aber zuerst ein Mal ein kühles Bier holen und ab zu The Boys You Know. Die haben sich mittlerweile einen Bekanntheitsgrad in und um Österreich eingespielt – ich hatte aber noch nie das Vergnügen. Solide, ein paar Scherze, zweieinhalb Songs. Für mehr hat es leider nicht gereicht. Die Hitze in der Halle machte das Ganze auch nicht besser.

(c) DB-Photography

 

Auf der Bühne stapeln sich die Marshall Verstärker, die Schlagzeuge, die Mikrofonständer. Gegen 21:10 betreten Lou Barlow, Murp und J Mascis die Bühne. Letzterer platziert sich vor der Marshall-Wall. Das Set startet mit Thumb vom Album The Green Mind. Ein Downer zum Beginn. Und es sollte nicht der Letzte gewesen sein.

Silence Jr

Das WuK ist super gefüllt, der Sound laut und kratzig. J Mascis‘ Gesang ist kaum verständlich. Vermutlich liegt es aber an seiner Nuschelei, die wohl jeder Dinosaur Jr Fan liebt, inklusive mir. Weiter geht‘s mit Goin Down vom neuen Album Give A Glimpse Of What Yer Not. Man kann Über Reunions sagen was man will, aber: Dinosaur Jr haben in der Reunion mehr Alben aufgenommen als in der Originalbesetzung in den Achtzigern und dazu kommt, dass die großteils wirklich gut sind. Gerade das neuste Album Give A Glimpse Of What Yer Not läuft bei mir oftmals rauf und runter.

(c) DB-Photography

 

Es geht mit recht ruhigen Songs weiter: Love Is… . Die Stimmung ist nicht gerade am Brodeln. Eine kleine Auflockerung folgt mit The Wagon, aber prinzipiell wirkt die Meute recht fadisiert. J Mascis hat auch bislang kein Wort gesagt. Man schaut halt begeistert zu wie Lou Barlow seine Bassgitarre herreißt wie eine E-Gitarre, wie die Haare von Murph und J Mascis durch die Ventilatoren umherwehen und ab und an kommt ein zweiter Gitarrist als Verstärkung auf die Bühne. Bei einem Song holte man sich sogar Beistand eines zweiten Schlagzeugers, der die gleiche Line spielte wie Murph. Leider kenne ich mich da zu wenig aus um den musikalischen Mehrwert zu erkennen. Ich tippe auf natürliche Verzögerung und die dabei hergerufene Räudigkeit des Sounds. Nur eine Theorie.

Upper, Downer, Covers

Bei Tiny bewegen sich die ersten Menschen, wenn auch nur wenig. Feel The Pain, ein Lied, das auf Platte definitiv besser kommt. Recht belanglos geht das Konzert weiter. Im Timetable stand 21:00 bis 23:00. Dass Dinosaur Jr keine zwei Stunden spielen werden, wurde schnell klar. Endlich: Freak Scene. Hätte mir mehr Liebe erwartet… Seitens der Band aber auch seitens des Publikums. Mit dem Song Gargoyle ihres Debütalbums beenden Dinosaur Jr das Konzert. Vorerst.

(c) DB-Photography

 

Ich wäre ihnen nicht böse gewesen, wenn sie nicht noch mal gekommen wären. Immerhin waren die Zugabe-Rufe und der Applaus weniger als medioker. Dinosaur Jr hat es aber wohl gereicht. Zuerst Sludgefeast und dann ausgerechnet zwei Covers um ihre Show zu beenden. Training Ground und Just Like Heaven. Letzteres Lied von The Cure haben sie in den Achtzigern neu erfunden. Trotzdem schade, dass mit einem The Cure Song das Konzert beendet werden muss. Aber wenn schon, dann richtig. Nämlich genau so abrupt wie in der Aufnahme. Nach knapp 75 Minuten.

Fazit

Ich bin seit Jahren ein großer Dinosaur Jr Fan und habe schon lange auf dieses Konzert gewartet. Vielleicht sind es gerade diese Erwartungen oder die Menge an Hits, die man nicht mal in zwei Sets unterbringen könnte, aber das Konzert von Dinosaur Jr war schlichtweg belanglos. Wieso sich viele Songs der Neunziger in das Set verirrten? Keinen Plan. Wieso die Band kein einziges Wort gesagt hat? Keine Ahnung. Wieso J Mascis und Murph von Ventilatoren angeblasen wurden? Weil es geil ausschaut. Mehr war‘s dann aber leider nicht. Die Alben werden weiterhin rauf und runter laufen. Das nächste Konzert wird aber wohl ausgelassen.

Fotos (c) David Bitzan

 

 

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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