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Dragon Quest VIII im Test

Dragon Quest VIII im Test

Unterwegs mit dem Krötenkönig

Man muss an dieser Stelle schon eines vorweg nehmen. Im Gegensatz zum letztjährigen Remake von Dragon Quest VII, handelt es sich bei Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs um ein Remaster. Dies bedeutet, dass der Großteil des Spiels dem entspricht, was schon anno 2006 auf den Mattscheiben flimmerte. Erwartet also kein grafisches Upgrade wie beim Vorgänger. Freuen kann man sich indessen auf erweiterte Inhalte, die es so nicht im PS2-Original gegeben hat. Dazu später aber mehr.

Mit dieser tapferen Truppe meistert man den größten Teil des Games.

Mit dieser tapferen Truppe meistert man den größten Teil des Games.

In Sachen Handlung spielt Square Enix seine Karten abermals in der bereits gewohnten Reihenfolge aus. Anstatt sich eines unsagbar langen JRPG-Intros zu bedienen, steigt man mitsamt dem stummen Helden direkt ins Abenteuer ein. Schon nach wenigen Minuten befindet man sich mit seinen ungleichen Gefährten auf dem Weg gen Rettung eurer Majestät. Ungleich deswegen, weil man eure königliche Hoheit samt Prinzessin schon von Beginn an im Schlepptau habt. Ungleich auch deswegen, weil man der einzige „normale“ Kerl in dieser illustren Gesellschaft ist. König und Tochter sind kurz vor Beginn der Reise vom dunklen Magier Dhoulmagus verwunschen worden. Schmächlicherweise auch noch mit dem eigenen Zepter des Königshauses. Da ist es nur verständlich, dass sich die armen nun Frosch-König und Pferde-Prinzessin an die einzige Person wenden, die von dem Fluch komplett unberührt blieb. Und zwar uns.

Charmant seicht

Ein für Dragon Quest typisch charmanter Einstieg, der getragen durch das Design von Akira Toriyama – besser bekannt als Erfinder von Dragon Ball – mit einem gewissen Ulk erzählt wird. Diese sympathische Darstellung zieht sich auch wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung, verspricht aber selten mehr Tiefgang, als das Intro selbst bereits zu offenbaren scheint. Nichtsdestotrotz sind die Charaktere deutlich plastischer in ihrer Darstellungen, ihren Hintergründen und Motivationen, als es in den Vorgängern der Fall war. Wenn man auf seinem Weg auf Yangus, den brummig-netten Banditen, die leicht hochnäsige Sexbombe Jessica und den etwas zu steifen Ritter Angelo trifft, wagt sich zwar keiner der Mitstreiter allzu weit aus seiner Typen-Schablone hinaus, passt aber ansonsten so gut in das größtenteils fröhliche Ambiente, welches das gesamte Spiel ausmacht.

Dhoulmagus erinnert etwas an Kefka, den größten Final Fantasy-Schurken aller Zeiten aus FF6.

Dhoulmagus erinnert etwas an Kefka, den größten Final Fantasy-Schurken aller Zeiten aus FF6.

Man wird also schnell auf den Trichter kommen, dass es sich bei Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs um ein klassisches JRPG im sprichwörtlichen Sinn handelt. Doch das ist genau das was sich die Serie von Beginn an auf die Fahnen schreibt und in diesem Punkt liefert auch der achte Teil klassische Rollenspielkost auf einem sehr hohen Niveau. Dabei verliert man sich kaum in zu vielen Details. Ja, die Alchemie und das damit mögliche Kombinieren von Items ist auch in der 3DS-Version ein komplexes Unterfangen, welches speziell für das spätere Vorankommen unabdingbar ist. Doch ansonsten bleibt man selbst in der Charakterentwicklung und der klar vorgegebenen Rollenverteilung im Kampf geerdet. Ein wenig mehr Individualisierung wäre für das Remaster durchaus wünschenswert gewesen, ähnlich dem nachträglich eingeführten Zodiac-Job-System aus der internationalen Version von Final Fantasy XII.

Von diesen Aussagen sollte man sich aber nicht irreführen lassen. Diese beziehen sich auf die Systeme des Spiels. Denn andererseits ist der achte Teil auch auf dem 3DS ein knüppelhartes RPG, welches einen zur Genüge auf die Probe stellt.

Was guckst du?

Was guckst du?

Mehr als nur ein Remaster

Während man für die Haupthandlung von Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs immer noch über die Weltkarte von Stadt zu Stadt tingelt und dort die dunklen Machenschaften von Dhoulmagus aufdeckt bzw. behebt, gibt es abseits der großen Pfade einiges neues zu entdecken. Der größte Punkt dürften wohl die beiden komplett neuen Mitstreiter Red und Morrie sein. Spieler des PS2-Originals dürften diese beiden noch als reine NPCs mit ein paar netten Dialogzeilen kennen. Nun aber ist es euch vergönnt die Piratin Red und den als Leiter der Kampfarena bekannten Morrie an seiner Seite kämpfen zu lassen. Leider muss man sich etwas gedulden, da beide erst im letzten Drittel des Spiels zu rekrutieren sind und speziell Morrie eine gehörige Portion Arbeit voraussetzt.

Nie den Überblick verlieren dank der Karte am unteren Bildschirm.

Nie den Überblick verlieren dank der Karte am unteren Bildschirm.

Der Aufwand lohnt sich aber allemal. Nicht nur spielen sich beide Helden angenehm unterschiedlich, sie haben auch ihre eigenen Fähigkeiten und Talente. Speziell der Einfluss auf die Handlung ist eine angenehme Dreingabe, haben doch beide neue Sequenzen erhalten, die nicht nur ihnen selbst, sondern auch der Welt und eurer Stammgruppe mehr Hintergrund verleihen. Generell haben sich hier und dort neue Konversationen und Szenen ins Spiel geschlichen, um die Geschichte zu unterfüttern. Nichts weltbewegendes, aber für Kenner ein spürbarer Mehrwert. Damit sich der ganze Aufwand dann auch richtig lohnt, könnt ihr sogar Dank Red und Morrie neue Enden freispielen. So muss konsequentes Aufwerten eines Klassikers aussehen!

Da im vorigen Absatz von „knüppelhart“ die Rede war: Wem die Herausforderungen nach dem Ende der Handlung im Original nicht schon hart genug waren, auf den warten nun zwei Extra-Dungeons. Ohne die besten Items und ein komplett ausgebautes Team sieht man keine Sonne in diesen Verliesen. Da danken wir doch dem Entwicklerteam, dass sie mit dem Auto-Kampf und der Beschleunigen-Funktion während eines Gefechts das Training eurer Gruppe etwas einfacher gestaltet haben.

Nach über 10 Jahren endlich mit Red (Rote Elster) spielen zu können, lässt das Fan-Herz höher schlagen.

Nach über 10 Jahren endlich mit Red (Rote Elster) spielen zu können, lässt das Fan-Herz höher schlagen.

Fazit

Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs ist immer noch der wohl beste Teil der Reihe. Keine gähnend langen Pausen zwischen den handlungsrelevanten Abschnitten. Kein Stunden langes Farmen, nur um die nächsten zehn Minuten Bosskampf zu überstehen. Selbst die Figuren haben endlich den nötigen Anstrich in Sachen Charakterentwicklung erhalten. Also auch keine Reise mit leblosen Marionetten mehr! Bereits das Original anno 2006 konnte mit genügend Mut für Neues und Feinschliff gegenüber seinen Vorgängern punkten, aber trotzdem nie seinen Ursprung als klassisches JRPG leugnen. Nun für Nintendos Handheld ist Teil acht nicht nur durch die Kampfhilfen zugängiger, sondern lässt das Herz mit den neuen Charakteren und Szenarien endlich mal wieder etwas höher schlagen.

Es braucht kein neues grafisches Gerüst – zumal auch dieser Teil mit ein paar technischen Abstrichen für einen 3DS-Titel sehr gut aussieht – sondern konsequent durchdachte und ausgeführte Verbesserungen. Red und Morrie sind eine Herausforderung in der Rekrutierung und bereichern das alt eingesessene Team nicht nur mit frischem Wind, sondern sorgen auch für mehr Handlung und zusätzliche Enden. Dragon Quest VIII sprüht aus allen Poren die gute Laune aus, welche ein ebenso gut aufpoliertes Classic-RPG nur versprühen kann. Man darf nur nicht den Fehler machen und es entweder wegen der Zeichnungen von Akira Toriyama für einen Dragon Ball-Titel halten oder weil es von Square Enix kommt, für ein Final Fantasy.

 
Release Date: 20.01.2017
Plattform: 3DS
Genre: JRPG
Publisher: Square Enix
Entwickler: Square Enix

 

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