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Facebook hat mich 3 Tage gesperrt, weil ich einen Cover Song gepostet habe

Facebook hat mich 3 Tage gesperrt, weil ich einen Cover Song gepostet habe

Facebook will für Musik nichts bezahlen und bestraft stattdessen seine User. Wie zum Beispiel mich, Verena Wagner – eine in Wien und Kärnten lebende Sängerin. Warum Universal Music die ganze Schuld auf Facebook schiebt und wieso sich Ed Sheeran persönlich für alles entschuldigt? Lest selbst!

Ich bin auf Facebook gesperrt worden. Für drei Tage. Ich konnte also nichts tun, außer zuschauen. Ich durfte nichts liken, kommentieren oder posten und durfte auch keine Nachrichten verschicken. Wenn ich es doch versucht habe (mehrmals in den drei Tagen, Jaja, die Sucht), bekam ich folgende Meldung:

„Diese Funktion ist vorübergehend blockiert. Du hast kürzlich etwas gepostet, das die Facebook-Richtlinien verletzt, daher wurde die Benutzung dieser Funktion vorübergehend gesperrt. (…)“

Facebook hat mich also ernsthaft bestraft und mir außerdem gedroht, meinen gesamten Account zu löschen, sollte sich mein Verhalten wiederholen. Und Schuld daran ist natürlich nicht Facebook, sondern eine Drittpartei namens Universal Music Group. An diese darf man gerne eine Beschwerdemail schicken, so Facebook. Hab ich gemacht. Und ich bekam auch eine Antwort – nach exakt 3 Minuten. Aber dazu später mehr. Zuerst: Was hab ich Böses gemacht? Genau: Musik.

Cover Songs auf Facebook sind ein Problem

Ich habe einen Cover Song gepostet. Genauer gesagt, Purple Rain von Prince. Ich lebe seit ungefähr drei Jahren von der Musik. Ich mache eigene Musik und singe Cover Songs in Bars, bei Events, bei Hochzeiten. Mit den Cover Videos habe ich die Möglichkeit, meine Stimme zu zeigen und Fans und Reichweite aufzubauen. Und ich tue es auch einfach wahnsinnig gerne. <3 Welcher Musiker hat nicht schon mal eines seiner Idole gecovert? Genau, mir fällt auch keiner ein. Ich verdiene damit kein Geld – und möchte die Rechte der Songwriter auf keinen Fall verletzen. Da würde ich mir ja als Musikerin selbst ein Bein stellen.

Auf Facebook ist es nun so, dass ein Video, welches direkt auf Facebook hochgeladen wird, eine höhere Reichweite bekommt als z.B. ein YouTube Link zu eben diesem Video. Aus der Sicht von Facebook nachvollziehbar: Man fördert ja lieber seine eigenen Tools und die eigene Plattform als eine fremde Plattform. Die Sperre hat aber nun genau das Gegenteil bei mir bewirkt: Ich werde nun wohl wieder auf YouTube umsteigen.

 

Facebook, was wirst du tun?

Jedenfalls: Ich habe die Zeit der Sperre genutzt und

  1. eine E-Mail an die Universal Music Group geschrieben,
  2. dieselbe E-Mail an Facebook geschickt und
  3. einen Medienanwalt befragt.

 

Das Ergebnis: Die Universal Music Group will, dass Facebook für Musik bezahlt. Facebook will nicht bezahlen und schiebt die Schuld auf mich. Und ich kann nichts tun, außer in Zukunft extrem vorsichtig zu sein.

Hier die Antwort der Universal Music Group auf meine E-Mail:

Facebook is well aware of the issue and has been for a decade. They should have told you. Facebook can fix it.

Und weiter:

The issue here is that Facebook, Inc. – unlike our hundreds of other partners – has generally decided not to obtain licenses or pay for the use of our music on its platform, including cover versions of songs. This has become particularly problematic since Facebook launched its native video player, which increasingly makes our music content available in a manner that deprives artists and songwriters of fair compensation and unfairly competes with licensed services that pay for music consumption.

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Verena Wagner gemeinsam mit Victor Weiss beim Fashion.Music.Life Event im 25hrs Hotel. Dort wurde das besagte Video aufgenommen. (c) Aylin Izci

 

Facebook wiederum beruft sich eigentlich nur auf die Verletzung von Urheberrechten und schiebt die Schuld auf mich:

It appears that there have been several intellectual property reports filed against your account in recent months, and as a result, your account was temporarily feature limited or otherwise impacted.

Auf die Nachfrage hin, ob ich mehr Auskunft über die „several intellectual propety reports“ erhalten könnte, die gegen mich aufliegen, habe ich bis jetzt keine Antwort erhalten. In den Facebook Bedingungen findet man dazu folgenden Satz:

Wenn du wiederholt die Rechte am geistigen Eigentum anderer verletzt, werden wir gegebenenfalls dein Konto sperren.

Ok. Das kann man akzeptieren oder nicht. In jedem Fall habe ich keine Ahnung, was „wiederholt“ genau meint und ab wann genau eine Verletzung vorliegt oder nicht. Für Medienanwalt Wolfgang Renzl aus Wien, der mir netterweise (Danke!) telefonisch Auskunft zu diesem Fall gegeben hat, ist die Bestrafung durch Facebook übrigens überhaupt nicht nachvollziehbar:

Das Vorgehen von Facebook ist in diesem Fall jedenfalls kritikwürdig: Selbst wenn hier eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, hätte das Löschen des Videos eigentlich ausgereicht. Hier jedoch sofort Sanktionsmaßnahmen in Form eines Kommunikationsentzug zu setzen, ohne die sanktionierte Partei überhaupt anzuhören, entspricht meines Erachtens keinem fairen Verfahren. Facebook nimmt hier die Position eines strafenden Richters ein, ohne den Betroffenen überhaupt anzuhören.

Ed Sheeran entschuldigt sich bei Musikerin für Facebook-Sperre

Und hier eine wirklich geile Geschichte: Charlotte Campbell ist Sängerin, Songschreiberin und Straßenmusikerin aus London. Sie hat derzeit über 14.000 Fans auf Facebook und 10.000 Abonnenten auf YouTube. Im März 2017 wurde sie auf Facebook für 3 Tage lang gesperrt. Warum? Weil sie einen Song von Ed Sheeran gecovert und auf Facebook hochgeladen hatte. Empört über die rüde Bestrafung hatte sie ein Video auf YouTube veröffentlicht.

Dieses Video haben nicht nur ihre Fans gesehen – sondern auch Ed Sheeran selbst. (OH.MEIN.GOTT.) Und der nette Ed hat sich daraufhin persönlich (!) bei Charlotte entschuldigt:

verena-wagner-facebook-sperre-cover-video

Und ich hatte an dem Tag noch überlegt, vielleicht doch lieber ein Cover von Ed Sheeran zu posten. Verdammt. 😉

Resümee: Facebook, ich bin sehr traurig

Ich habe Charlotte Campbell auf Instagram angeschrieben und gefragt, wie sie dieses Problem aktuell handhabt. Tja: Sie postet einfach keine Cover Songs mehr auf Facebook. Das ist echt traurig. Und ich werde dasselbe tun müssen. Wenn überhaupt, dann nur via YouTube. YouTube war so intelligent und hat mit Universal Music nämlich einen Deal ausgehandelt, was Cover Songs betrifft.

Ich hatte wohl einfach Pech. Es passiert eben nicht bei jedem Song, dass der Verlag auch Ansprüche stellt. Wenn du Pech hast, wirst du eben gesperrt. Und wenn du ganz viel Pech hast, löscht Facebook einfach deinen gesamten Account. Und damit deine ganze harte Aufbauarbeit. Es ist also wie beim Roulette – entweder es trifft dich, oder eben nicht. Und – damit ihr mich nicht falsch versteht – natürlich will ich, dass Songwriter und Musiker für ihre Musik entsprechend entlohnt werden. Auch deswegen schreibe ich diesen Blogbeitrag.

Die Frage ist: Will Facebook das auch?

Photos: (c) Verena Wagner/Aylin Izci

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