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Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia im Test

Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia im Test

Ein Jahr nach Erscheinen von Fire Emblem Fates kehrt Nintendos Taktikhit zurück auf den 3DS. Kann Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia an bisherige Erfolge anknüpfen? Wir haben uns auf die Suche nach der Antwort begeben.

Zwei Schicksale

Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia erzählt die Geschichte von Alm und Celica. Freunde, obwohl sie sich nicht lange kannten. Einen kleinen Teil ihrer Kindheit lebten sie im gleichen Dorf und es entstand ein enges Band zwischen ihnen. Schon das Intro und ein spielbarer Prolog zeigen diese Verbindung, welche ein Versprechen mit sich bringt. Ein Versprechen stets zueinander zu halten. Jeder weiß was dies bedeutet: Es ist unvermeidlich, dass Alm und Celica einander gegenüber stehen werden. Sich der Offensichtlichkeit dieser Entwicklung bewusst, erlaubt das Spiel auch gleich zu Beginn einen kurzen Blick in die Zukunft – und man sieht bloß Leid.

Derartige narrative Tricks sind für Fire Emblem keine Neuheit. Auch die letzten Teile der Reihe haben mit einer Sequenz die erst Stunden nach Spielbeginn angesiedelt ist begonnen. Wie schon in Fire Emblem Awakening sieht man eine leidende Hauptfigur, dem Tod vermeintlich nahe. Die Gewissheit auf unvermeidliches Drama hinzuarbeiten verleiht dem Spiel selbst in seinen ruhigen Anfangsstunden dennoch den Anschein von Bedeutung. Wo Alm sich nur von einer banalen Schlacht zur nächsten kämpft, steht trotzdem die Frage im Raum: Wie kommt es bloß dazu?

Alm kämpft für sein Volk. Worauf er sich hiermit einlässt, dessen ist er sich jedoch nicht wirklich bewusst.

 

Dies ist umso wichtiger, da die Geschichte tatsächlich eine Weile braucht um in Fahrt zu gelangen. Man sammelt zwar laufend neue Begleiter, aber wenige von ihnen erscheinen essentiell für die Handlung. Erst nach über zwei Stunden hat man das Gefühl sich endlich an die eigentliche Story heranzutasten. Dieses Manko zum Trotz muss die Handlung selbst jedoch gelobt werden. Es ist immer noch ein Fire Emblem, wahrlich schockierende Twists bleiben also aus. Statt dem WAS überzeugt hier jedoch das WIE. Insbesondere im Vergleich zu Fire Emblem Fates. Der Konflikt zwischen den Ländern Rigel und Zofia ist eine gute Grundlage. Aber es ist das Gefühl, dass die Figuren, selbst in heiteren Momenten, das Geschehen weitaus ernster nehmen, welche die Geschichte über ihren Vorgänger hebt.

Fokus auf das Wesentliche

Vielleicht ist ja der Umstand, dass es sich hierbei um ein Remake handelt, ausschlaggebend für diesen Unterschied zwischen Fates (und in geringerem Ausmaß Awakening) und Echoes. So grandios beide Titel waren, sie hatten doch vereinzelte Momente, die zwar unterhaltsam, aber auch ungemein deplatziert waren. In Echoes besteht dieses Problem nicht. Es hilft, dass die Gespräche zwischen den Figuren weitaus eingeschränkter sind als in den Vorgängern. Das erlaubt den Fokus auf das eigentliche Geschehen zu lenken. Wäre das Spiel gänzlich neu, wäre vielleicht alles anders.

Man bedenke Faye: Eine der Figuren, welche man von Beginn an dabei hat. Auch eine, die im Original nie vorkam und exklusive für das Remake erfunden wurde. Das erklärt womöglich, weshalb ihre Verhaltensweisen und Dialoge sie wie einen Besucher aus einem der neuen Ableger der Serie wirken lassen.

Wie weit der erwachsenere Ton, welcher sich durch das Spiel zieht, nun wirklich auf Fire Emblem Gaiden, das Original, zurückzuführen ist, ist schwer zu sagen. Immerhin wurde das Spiel nie hierzulande veröffentlicht. Ob neue Richtung für die Reihe oder ein vorlagenbedingter Ausrutscher – die Art wie Fire Emblem Echoes seine Geschichte erzählt funktioniert und funktioniert großartig. Ja, die Leichtigkeit mit der unzählige Dialoge zwischen Charakteren zu betrachten waren war eine Stärke vergangener Titel. Aber wenn diese nicht ohne heftigen Stimmungsbruch implementiert werden können, war es klüger sich an ein altes Sprichwort zu halten. Weniger ist mehr.

Wie in der Vergangenheit werden die eigentlichen angriffe wieder mittels hübsch animierter Sequenzen dargestellt.

Das etwas andere Fire Emblem

Dass es sich hierbei um ein Remake handelt, ist nicht der einzige Punkt in dem Echoes aus der Reihe hervorsticht. Zunächst sei anerkannt, dass es sich hierbei natürlich immer noch um einen Teil der Fire Emblem Reihe handelt. Nach wie vor gibt es taktische Kämpfe. Man schiebt weiterhin Figuren über ein schachbrettartiges Feld um seine Gegner zu attackieren. Man levelt immer noch die Charaktere auf und meistert verschiedene Klassen.

Viele Aspekte weichen auch von modernen Ablegern der Serie ab, blickt man weiter zurück als bis Awakening wird man sie jedoch wiederfinden. Das minimalistische, auf Kämpfe reduzierte Dialogsystem? Hat man so auch in The Sacred Stones für den Game Boy Advance gesehen. Das Fehlen von Äxten und dem Stein-Schere-Papier Prinzip? Kann, ebenso wie die enorme Reichweite von Bogenschützen, auf die Anfänge der Serie zurückgeführt werden.

Am deutlichsten stechen jedoch all jene Eigenheiten auf, die man so in keinem anderen Fire Emblem geboten bekommt. In Städten und bestimmten Arealen kann man sich von Sektion zu Sektion klicken, Items finden und mit Figuren sprechen. Es erinnert an Visual Novels, insbesondere an Professor Layton. An anderer Stelle kann man Dungeons betreten und sich plötzlich durch ein 3D Umfeld bewegen. Es ist neu, es ist ungewöhnlich, aber absolut willkommen.

Es sorgt für Abwechlsung, nicht bloß im Spiel selbst. Echoes verfügt über das unverkennbare, exzellente Gameplay eines Fire Emblems. Neue Einfälle sowie ein Rückgriff auf ältere Konventionen (vor allem der Umschwung in der Balance der Klassen den das Fehlen von Äxten mit sich bringt) sorgen jedoch für jede Menge frischen Wind. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ein Ohrenschmaus

Das Spiel präsentiert sich auf unterschiedlichste Arten. Dementsprechend verfügt es über ein ganzes Spektrum an distinkten visuellen Aufbereitungen. Wunderschön animierte Zwischensequenzen. Auf Standbilder runtergebrochene Passagen. Die simplen Sprites innerhalb der Gefechte, welche mit jedem Angriff von voll animierten 3D Versionen der Figuren abgelöst werden. Dazu noch die auch tatsächlich aktiv kontrollierbaren 3D Umgebungen der Dungeons.

Diese stehen im Kontrast zu Dörfern, Städten und anderen Orten an denen schlichte, aber hübsche Zeichnungen anderer Figuren über unveränderte Hintergründe gelegt werden. Keine dieser Varianten sieht schlecht aus, alle überzeugen sie. Letztlich werden sie jedoch von der einen Konstante, welche sie alle verbindet, überschattet.

Erstmals gibt es auch Dungeons – in denen natürlich auch so mancher Schatz wartet.

 

Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia verfügt über eine üppige Sprachausgabe. Vergessen sind die Grunzer und Gröhler von Awakening und Fates. Hier dürfen, auch außerhalb der aufwändigsten Cutscenes, die Figuren wirklich zu Wort kommen. Besser noch: Die Synchro des Spiels (im Falle dieses Tests die Englische) ist auch noch absolut gelungen. Die optische Vielfalt gefällt, keine Frage. Der Look gleicht jedoch überwiegend dem seiner unmittelbaren Vorgänger. Es ist die Sprachausgabe und die wahrlich gelungene Synchronisation, welche Fire Emblem Echoes jedoch ganz klar darüber stehen lässt.

Fazit

Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia ist ein exzellentes Spiel und jeder Fire Emblem Fan wird auf seine Kosten kommen. Für Neulinge ist es jedoch nicht der beste Einstieg in die Serie. Nicht nur, weil es auf zahlreiche Arten von der Norm abweicht – und fraglich ist ob diese Eigenheiten den Weg in künftige Ableger finden werden. Es muss auch bedacht werden, dass zahlreiche Aspekte die ein größeres Publikum mit Awakening und Fates angesprochen haben, hier schlicht fehlen.

So hat man nicht mehr die Möglichkeit seine eigene Figur zu gestalten und auch die Dating-Sim Aspekte sind verschwunden. Dazu kommt noch der Schwierigkeitsgrad. Zwar hat man auf die zwingende Rückkehr von Permadeath verzichtet, jedoch ist Echoes eine spürbar größere Herausforderung als etwa Awakening.

Mit all dem im Hinterkopf, ist Neulingen geraten, doch erstmal einen Blick auf Fire Emblem Awakening zu werfen. Wer schon Fan ist, der soll aber keine Sekunde zögern. Echoes ist nicht bloß ein absolut gelungenes Spiel, voller Abwechslung und spannender Gefechte. Es ist vor allem ein Titel der weiß wo seine Prioritäten liegen. Der Fokus liegt, nach einer etwas langsamen Einführung, vollends bei den besten Seiten des Plots. Unnötiger Ballast wurde abgeworfen. Das Endergebnis ist ein Spiel, dass sogar seinen ohnehin grandiosen Vorgänger, Fire Emblem Fates, noch überbietet.


Release Date: 19.05.2017
Plattform: 3DS
Genre: Strategie, Rollenspiel
Publisher: Nintendo
Entwickler: Intelligent Systems
PEGI: 12

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