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Interview mit „morgen es wird schoen“

Interview mit „morgen es wird schoen“

Ein bisschen sagenumwoben und geheimnisvoll steht es mit morgen es wird schoen. Am 14. Juni 2017 werden dann ein paar Rätsel gelöst – bei der Release-Party des Albums Capriole in der Galerie Hatsov in Wien. Vorab haben wir aber schon ein paar Fragen beantwortet bekommen…

„Das Erbe einer längst vergessenen gleichnamigen Band“ – Was war früher alles besser?
Du spielst auf den Bandnamen an. Ich denke, dass früher nichts besser war, nur anders. Und da das Morgen von früher das Heute von heute ist, können wir den Beweis antreten: Außer einer schnelleren Internetverbindung, was ist wirklich besser? Ich meine, ohne dass daraus nicht irgendwo auch eine Verschlechterung entstanden ist? Klar, die Luft ist zum Beispiel bei uns sauberer geworden. Weil wir unsere alten Schrottkarren nach Afrika verschippern. Unser Name ist dabei einfach eine totale Relativierung: egal, wie es heute ist, morgeneswirdschoen. Persönlich betrachtet möchte ich noch hinzufügen: ich konnte früher besser schlafen.

Wie kommt es, dass du das Musikprojekt „morgen es wird schoen“ weiterführen wolltest, und nicht eines aus deinen eigenen Ideen gestartet hast? Ist es nicht schwierig, deine eigene Kreativität hinten anstellen zu müssen?
Das ganze ist ja inzwischen zu „meinem“ Projekt geworden. Dirk und Peter (die Gründer von MEWS) haben es anfangs nicht aus der Hand geben wollen, aber letztlich eingesehen, dass es viel lebendiger ist, wenn das nicht nur Interpretation ist, sondern in eigener Sache passiert. Das hat sich wie ein Reißverschluss aus unseren gemeinsam zusammengetragenen Ideen gefügt, wo hinterher gar nicht mehr so recht sichtbar war, was wo herkommt.

Aber Achtung: morgen es wird schoen ist ein Spiegelkabinett aus vielen Bedeutungen und Schichten. Möglicherweise ist das alles ja erfunden (zwinkert).

Du hast ja mit Mani Obeya von den Sofa Surfers für Sadeyed Man zusammengearbeitet – wen würdest du dir gerne noch ins Boot holen?
Meinst du weltweit oder auf Österreich bezogen? Hier hatte ich schon die Ehre, mit ein paar großartigen, aber kaum bekannten MusikerInnen zusammenzuarbeiten. Ich bin auch unbegabt im namedropping (grinst). Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, so global betrachtet… Ich war letztens auf einem Konzert von Thomas Dybdahl, den hätte ich gern auf dem Schlagzeug begleitet. Mit ihm würde ich total gern mal aufnehmen.

 

Welche anderen Künstler inspirieren dich?
Wie gesagt, das namedropping… Generell liebe und sammle ich anonyme Kunst, die man entdecken oder als solche erst sehen muss. Das kann ein ganz privater Akt sein, ein Dialog aus dir und dem Entdeckten, ein Graffito zum Beispiel, das nur du lustig findest. Erkläre es zur Kunst.

Und welche österreichischen Acts magst du persönlich gerne?
Ernst Molden finde ich großartig. Anfangs stand ich ihm zwar skeptisch gegenüber. Aber er hat mich mit nur einem Lied überzeugt. Über einen Bach irgendwo in Niederösterreich.
Pars pro toto stehen auch Bilderbuch für eine ganze Reihe an spannenden österreichischen Bands. Sie sind auf diese Art sehr inspirierend. Das sagt inzwischen zwar auch schon jedes Kind. Witzig, auf Bilderbuch können sich alle einigen, obwohl sie immer noch so Avantgarde und auch angreifbar sind.

Mir scheint, dass Musikmachen das Lesen und Schreiben der Postpostmoderne ist. Es ist heute ganz normal, dass junge Menschen beginnen, sich aktiv mit Musik zu beschäftigen. Das ist großartig! Jeder, der Musik macht, ist vor dem Unsinn der Welt gefeit.

„morgen es wird schoen“  bist im Grunde nur du alleine. Wie werden deine Live-Auftritte aussehen?
MEWS bin längst nicht mehr ich alleine. Ich habe großartige Musiker gefunden, und wir werden als Band bei der Releaseshow Mitte Juni ein paar Songs aus dem Album spielen. Wir werden versuchen, die Stimmung der Platte live noch zu intensivieren. Das geht am besten durch Verdichtung. Man kann es sowieso nicht 1:1 nachbilden. Am liebsten wäre es mir überhaupt, das ganze zu improvisieren. Ich bin aber natürlich sehr aufgeregt: Endlich wird diese Musik auch live zu hören sein. Was sich dann daraus entwickelt, wird man sehen. Ich möchte nichts übers Knie brechen.

 

Was muss Musik deiner Meinung nach mit den Menschen machen? Muss sie zum Denken anregen, einen sich Wundern lassen, einfach nur unterhalten? Muss sie überhaupt etwas?
Bei den meisten Menschen ist Musik eine Lebensbegleiterin. Sie lädt dich ein, zuzuhören. Und im besten Fall wird sie zu einem Soundtrack eines ganzen Lebens oder eines Abschnitts. Müssen tut sie natürlich gar nichts. Den einzigen Anspruch, den ich persönlich an Musik habe: Sie soll ihr Publikum ernst nehmen. Aber da verwechsle ich wohl die Musik mit ihren Machern.

Und zu guter Letzt: Wie würdest du deine Musik unserer Großeltern-Generation beschreiben?
Meinst du damit meine oder deine Großeltern (lacht)? Meine leben ja längst nicht mehr, sie wären heute schon über 100. Für sie war, bedingt durch ihre Lebensumstände, Musik nie mehr als seltenes Gaudium, nie so allgegenwärtig, nie so breit gefächert, und auch nie ein Lebensinhalt, wie das bei uns der Fall ist. Insofern wäre es ihnen ein Mysterium, wenn ich ihnen davon erzählen würde, gleich wie.

Die Großeltern heutiger Jugendlichen, also so 60-80 jährigen, haben hingegen all die Grundstrukturen von Musik, Musikkonsum und lebensverändernder Wirkung von Musik schon erlebt, auch wenn das in den 50-70ern war. Und denen würde morgen es wird schoen so beschreiben: Nehmt die Platten, die ihr über viele Jahre immer wieder gehört habt und macht daraus ein mixtape (lacht).

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Anna Obermeier
"Dance Like Nobody Is Watching."
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