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Sympathische Eintönigkeit: Joey Cape in der Arena

Sympathische Eintönigkeit: Joey Cape in der Arena

Am Donnerstag war Joey Cape mit seiner One Week Records Tour in der Arena Wien zu Gast. Mit dabei waren Kollegen der Bands Pears, Versus The World und Scorpios, die allesamt ein Akustikset ablieferten. Ein ruhiger Abend mit Musik zum Drüberstreuen.

Punk goes Acoustic

Soloprojekte von Punkrockern gibt es ca. so viele, wie es Anfang des Jahrtausends Metalcorebands gab. Solche Projekte können aber immer in zwei Richtungen gehen. Man ist entweder beispielsweise Chuck Ragan, macht Musik, die für sich alleine steht, die sich von Hot Water Music abgrenzt, die ohne den Punkrockbackground auch funktionieren würde. Oder man ist eben beispielsweise Joey Cape, der immer Sänger dieser einen Punkband bleibt, der halt auch auf akustisch macht.

So einfach ist es natürlich nicht. Joey Cape, Sänger von Lagwagon, ist eine Legende. Seit fast drei Jahrzehnten ist er mit zahlreichen Bands auf Tour, hat dutzende Platten veröffentlicht und ist wohl eine der sympathischsten Figuren der Szene. Mit One Week Records ist er für einige wohl auch eine Art Szenepapa geworden. So veröffentlicht er mit anderen Musikern regelmäßig Akustikalben, die die Künstler in seinem Home Studio aufnehmen. Zehn Songs in sieben Tagen. Ein cooles Projekt, wenn auch recht eintönig.

Aufgrund von Interviewkollisionen haben wir leider fast das ganze Konzert verpasst. Brian Wahlstrom, langjähriger Kollege von Joey Cape, der als Einziger mit dem Keyboard angereist ist, überzeugte vor allem stimmlich. Zach Quinn, Sänger der Punkband Pears, brachte mit seinen teilweise sehr düsteren Songs etwas Abwechslung ins Programm. Donald Spence hatten wir leider komplett verpasst – Joey Cape ging sich dafür zur Gänze aus.

Gutes Songwriting, Sympathischer Kerl, Mittelmäßige Songs

Wenn Joey Cape die Bühne betritt, gibt es Beifall und gehobene Mundwinkel. Wie schon gesagt, ist er wohl einer der sympathischsten Gäste, den man sich in seiner Venue wünschen kann. In seinem Set verpackte er ein paar Songs seiner Soloalben, ein paar Lagwagon Klassiker wie Angry Days und jede Menge witzige Ansagen und Geschichten. Im Vorverkauf gingen lediglich knapp 200 Karten weg – die Arena war daher nur gemütlich gefüllt. Die Musiker störte dies jedoch sichtlich nicht.

Mehr: Lagwagon „Hang“ Review

So richtig Stimmung ist bis zur Mitte des Sets nicht aufgekommen. Klar, Joey Capes Soloprojekt ist akustisch, ist sehr ruhig. An seinen Songs merkt man, dass er ein guter Songwriter ist. Bei seinen Konzerten bekommt man jedoch das, was man erwartet, wenn man seine Veröffentlichungen kennt: Recht eintönige, ruhige Akustiksongs ohne viel Schnickschnack oder Abwechslung. Zurückhaltenden Gesang, ein paar falsche Akkordfolgen, schnalzende Saiten.

Gegen Ende des Sets holte Joey Cape, wie auch letztes Jahr, alle Kollegen auf die Bühne und spielten gemeinsam jeweils einen ihrer Songs. Ein Konzept, dass ich persönlich für die ganze Show ganz cool gefunden hätte. Heraus gestochen hat vor allem Zach Quinns Infinite Sighs. Auf der Bühne herrschte familiäre, vertraute Stimmung. Schön zum Anschauen. Zum Schluss spielten sie, wie könnte es anders kommen, den Lagwagon Klassiker May 16th. Ja, Lagwagon Songs wollen die Leute hören. Somit gab es in der Zugabe auch noch Wind In Your Sail.

Fazit

Das Konzert hat alle Erwartungen erfüllt. Gemütliche, akustische Musik, die weder wegen der tollen Gesänge, ausgereiften Songstrukturen oder verspielten Melodien heraussticht. Ein Konzert von vier Menschen, die vorrangig in Punkbands tätig sind/waren, die eben auch Solo auf Tour gehen. Allesamt sympathisch. Allesamt bewaffnet mit einer Hand voll Songs zum Drüberstreuen.

 

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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