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Hardcore, Ska und Watschenbaum: So waren Leftöver Crack in der Arena

Hardcore, Ska und Watschenbaum: So waren Leftöver Crack in der Arena

Die Redewendung „Die Hütte brennt“ wird viel zu inflationär benutzt. Aber wenn Leftöver Crack endlich mal wieder in Wien sind, dann liebe Leute, dann brennt die Hütte. Schon ein paar Tage zuvor war das Konzert restlos ausverkauft. Das bedeutet: Rund 250 Menschen mit Partylaune in der kleinen Halle der Arena.

Harter Einstieg

Schon von Weitem hört man harte Gitarren und tiefe Stimmen. Immerhin war heute der letzte Tag der Arena Bierwoche und somit die letzten Konzerte auf der kleinen Open Air Bühne. Metal ist heute angesagt. Hellrex spielen gerade ein Billy Idol Cover. Eigentlich ist man ja wegen etwas anderem hier, aber das ist ja wohl noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Trotz der angenehmen Temperaturen heißt es bald: Reingehen. Die Wiener Neustädter Hardcoreband Con Era machen den Anfang des Abends.

Auf der Bühne lauter bekannte Gesichter. GPF, Rentokill, so gute wie die ganze Antiproduct Crew. Alle zusammen Profis in ihrem Tun. Rund 50 Menschen sind bereits in der Halle. Was folgt: Rund 30 Minuten Hardcore. Sehr hart, von schnell bis langsam, selten Clean Vocals. Es macht Spaß den Burschen zuzuschauen. Ganz meinen Geschmack hat es nicht getroffen – die mittlerweile 70 Menschen schauen aber zufrieden aus. Und dann gab’s auch noch ein Liebeslied. Ein gutes erstes Mal.

Mit Herz am Watschenbaum

Als zweite Band kamen All Torn Up auf die Bühne. Eine recht schnelle und harte Punkband aus New York City. Bislang waren sie nicht auf meinen Schirm – das sollte sich jedoch mit gestern ändern. Zack Zack. All Torn Up reißen einen Song nach dem anderen herunter. Zwischendurch immer wieder Ansagen über Kapitalismus, Faschismus und Gesellschaft. Das Feedback des Publikums fällt jedoch etwas schwach aus. Doch das scheint All Torn Up nicht zu stören. Denn sie geben von Anfang bis Ende Vollgas. Für mich definitiv eine super Show. Und wieso? Erstens war die Musik gut und zweiten sind das Jungs, die mit dem Herzen dabei sind. 45 Minuten Power ohne Durchhänger

Schon den ganzen Abend trieb ein Typ und sein gepachteter erhöhter Mittelfinger sein Unwesen in der Arena. Schon bei Con Era richtete er seine Mittelfinger Richtung Band, Richtung Publikum und schreite Fuck You in alle Richtungen. Immer wieder forderte er Menschen auf mit ihm ins Pit zu gehen, auf eine nervige Art und Weise. Reinziehen, angehen, stoßen, stänkern. Den Höhepunkt erreichte Middlefingerguy definitiv bei All Torn Up. An einem gewissen Punkt kickte Sänger Joey Steel sein Getränk von der Bühne, gefolgt von einer Ansage, die damit endete, dass Joey Steel dem Middlefingerguy Gesicht an Gesicht „You don’t own this fucking Pit Bro“ ins Gesicht schrie. Nicht nur einmal rüttelte Middlefingerguy am Watschenbaum – abbekommen hat er aber nichts. Ein Statement von Joey Steel gibt es hier zu lesen.

Leftöver Crack reißen alles nieder

Es kann sich nur mehr um Minuten handeln. Die kleine Halle ist randvoll, ein Schweißgeruch macht sich breit. Leftöver Crack betreten die Bühne und starten, ganz klassisch mit einem epischen Intro: Homeo Apathy. Gegen Ende des Songs kommt auch Sänger Stza auf die Bühne und wärmt seinen Kehlkopf auf. Und ab dann wurde es nicht mehr ruhiger. In den ersten 20 Minuten hauen sie Songs wie Life is Pain, System Fucked und Bedbugs & Beyond raus. Der Start eines Sets, bei dem einem der Atem fernbleibt. Wo soll das noch hinführen? Immerhin werfen sie jetzt einen Hit nach dem anderen raus. Schnell erinnert man sich: Leftöver Crack haben eigentlich nur Hits. Begonnen wie ein Erdbeben und dann noch einen draufgesetzt.

Gut die halbe Halle ist mittlerweile ein Pit, viele T-Shirts verloren ihre Besitzer. Immer wieder geht Stza ans Piano, das leider nicht so gut zu hören war. Aber selbst die manchmal sehr harten Übergänge meisterte das tanzende Publikum gut. Gegen Mitte des Sets kam Joey Steel zur Unterstützung auf die Bühne und es folgte der Fuck All Cops Flügel des Sets: Gang Control, So You Wanna Be A Cop & One Dead Cop.

Doch auch zum Ende der Show gibt es einen Hit nach dem anderen. Jesus Has A Place For Me (Rock The 40 Oz), Stop The Insanity, Crack City Rockers. Auch wenn das Set von Leftöver Crack ruhig noch 3-4 Songs vertragen könnte, war die Show ein einziger Höhepunkt ohne Durchhänger. Selbst beim langsamsten Leftöver Crack Song Ya Can’t Go Home blieb die Stimmung stetig. Mehr als gelungen.

Fazit

Selten oder schon lange nicht mehr habe ich eine Band gesehen, bei der die Stimmung so am Brodeln ist. Die einen Hit nach dem anderen raushauen und trotzdem immer noch einen draufsetzen. Deren Set absolut keine Tiefen aufweist. Danke, Leftöver Crack. Allem in allem ein sehr gelungener Abend. Auch All Torn Up und Con Era hatten gute Shows. Tolles Booking, tolle Arena, tolle Crowd.

 

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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