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Ein kleines Stückerl Woodstock: Das war das Lovely Days.

Ein kleines Stückerl Woodstock: Das war das Lovely Days.

Seit letztem Jahr findet das Lovely Days Festival in Eisenstadt – und nicht mehr in Wiesen – statt. Eine sehr gute Entwicklung, wie man am Wochenende gemerkt hat. Ein kleines Stückerl Woodstock, verschönert durch die beleuchtete Schlossfassade. Ein Stückerl Lovely Days, auch wenn die nicht immer ganz lovely waren.

Lovely Zaungast

Schon bei der Ankunft ist alles klar. Jeder genießt das Wetter. Der Polizist, der mich eingewiesen hat, beginnt kurzerhand eine nettes Gespräch über wie viel Bier ich heute maximal trinken sollte, wenn ich wieder nach Hause fahren will und wie es denn mit anderen Substanzen wäre. Angekommen am Festivaleingang, genieße ich The Levellers als Zaungast. Während ich auf meine Begleitung warte, die diese wunderbaren Fotos geschossen hat, dröhnt aus dem Schlosspark Celtic Rock/Punk. Die Stimmung dürfte gut sein – und es dürften jetzt, um 15:30, schon mehr Menschen hier sein, als am gestrigen Abend beim ebenso lässigen Nova Jazz & Blues.

Der nächste Programmpunkt: Staunen, wie voll das Gelände denn nicht schon ist. Und: Canned Heat. Kurzerhand haben wir uns dazu entschlossen, kein Getränk zu trinken – der Andrang an den Bars sah nämlich unbezwingbar aus. Außerdem sind Canned Heat wichtiger. Wenn man schon mal ne Band sehen kann, die bei Woodstock gespielt hat, tut man das auch. Außer Therapy spielen ein Akustikset im wundervollen Haydn-Saal. Daher mussten wir leider nach drei Songs abhauen. Therapy spielen nämlich später noch ein Konzert in Irland – daher haben sie diesen frühen Slot bekommen.

Lovely Days (c) Mario Baumgartner

 

Der Haydn Saal ist gut gefüllt, die Stimmung ausgelassen. Nach dem ersten Song gibt es gleich mal eine klare Ansage an Donald Trump und die Menge feiert. Der Sound im Saal ist fantastisch. Gegen Ende des Sets werfen Therapy noch alte Klassiker raus. Auch akustisch sind Therapy ein Must-See. Oder gerade akustisch?

Show me the way to the next Spritzerbar

In der Freiluft angekommen, soll nun mal getrunken werden. Die musikalische Untermalung dazu bietet Kris Kristofferson. Gemütlich steht er alleine auf der Bühne, zupft an seiner Gitarre herum und singt Lieder über Gott und Glaube, die meistens wirken, als hätten sie kein Ende. Mehr als das halbe Set verbringe ich an der Bar. Beim Nova Jazz & Blues am Vortag ging es recht zügig. Beim Lovely Days stimmte die Proportion zwischen Besucher und Barpersonal einfach nicht. Trotz Schweißausbrüche blieb der Ausschank jedoch stets freundlich. Was man von den Besuchern hingegen nicht behaupten kann. Ja, du wartest 40 Minuten auf ein Bier. Ja das ist Scheiße. Aber nein, das Personal an der Bar selbst kann nichts dafür. Umso weiter der Abend voran schritt, umso wüster waren die Beleidigungen der Besucher. Schrecklich.

Lovely Days (c) Mario Baumgartner

 

Mittlerweile hat Kris Kristofferson die Bühne verlassen und die Umbauarbeiten für The Doors Alive haben begonnen. Sicherlich ein Höhepunkt des Festivals. So sollen The Doors Alive eine der besten Doors Experiences geben, die es gibt. Vorher noch etwas essen. Ich verstehe schon, was man hier vorhatte. Foodporn, Gourmet, Schmankerl-Meile. Aber auch Fast-Food mit exotischem Fleisch bleibt Fast-Food. Kebab mit Gansfleisch um zehn Euro, eine Pferdeleberkäsesemmel um fünf Euro, eine Ofenkartoffel mit Joghurtsauce um sechs Euro. Im Pressetext heißt es außerdem: „frisches pannonisches Langos […] Gerichte vom original burgenländischen Würstelstand“. Man kann es auch übertreiben. Sicher gab es auch festivaluntypische Speisen wie ein Spanferkel oder Lachsweckerl. Aber eine preiswerte (und damit mein ich von mir aus Kebab um fünf Euro) Alternative fehlte leider.

The Doors Literally Alive

Der späte Nachmittag hat uns vor allem eins gebracht: Stimmung. The Doors Alive aus England sind The Doors. Punkt und aus. Der Sänger ist eine fast schon gemeingefährliche Kopie von Jim Morrison. Sie starten ihr Set mit Light My Fire und reißen einen Hit nach dem anderen runter. Von Alabama Song, über L.A. Woman bis hin zu The End. Klasse Setlist, klasse Musik.

Lovely Days (c) Mario Baumgartner

 

Uriah Heep folgten auf die Doors. Und das ist auch gut so. Die Herrschaften haben nach fast fünf Jahrzehnten Bandgeschichte die Riesengaude. Mit Gypsy beginnen sie ihr Set. Es macht einfach Spaß zuzusehen. Alte Männer mit einem Grinsen von einem Ohren zum Anderen. Leider mussten wir auch Uriah Heep nach dem dritten Song verlassen – auf unserem Timetable standen nämlich Tito & Tarantula im Haydn-Saal.

This is a Song I wrote for a movie

Tito Larriva und seine Band sind bereits beim Line-Check. Auf der Bühne sind zwei Herren und zwei Damen. Die Band Tarantula hat Tito für sein Akustikprogramm zu Hause gelassen, auch wenn sie am Flyer angekündigt waren. Die Show startet. In der Band ist unter anderem Titos Tochter Lolita Caroll Larriva. Tito verspricht, dass er sich aufs Spielen konzentrieren und wenig reden wird. Leichter gesagt als getan und Gott sei Dank hat er sich nicht daran gehalten. Abgesehen von der genialen Musik ist dieser Typ auch noch super witzig und sympathisch.

Lovely Days (c) Mario Baumgartner

Gefühlt jeden zweiten Song kündigt er damit an, dass er ihn für einen Film geschrieben hat. Und tatsächlich waren viele seiner bekannten Songs im Set. Dazwischen immer wieder Geschichten über Geister, abgebissene Penisse und Schmetterlinge. Als letzten Song, ganz klar, After Dark. In einer rund zehnminütigen Version. In der Mitte hat Tito seinen Einsatz verpasst, woraufhin er gesteht, dass er einen Tagtraum hatte und vergessen hat, welchen Song er gerade spielt. Dafür hat er uns seinen Tagtraum erzählt. Definitiv Dinge, die man nicht von seinem Vater hören will. Lolita ist es vermutlich schon gewohnt. Gegen Ende wurden noch Menschen auf die Bühne zum Tanzen gebeten. Sie sollten Salma Hayeks Part einnehmen, waren aber zu sehr damit beschäftigt, Bühnenselfies zu schießen. Auf jeden Fall der Auftritt des Abends.

Auch kein Zucker ohne Schweiß

Den Abschluss des Abends macht der italienische Kultsänger Zucchero. Für manche war es wohl eher ein gemütliches Rausspielen. Für uns zumindest. Klar, alles Profis und Zucchero hat eine Wahnsinnsstimme – Für mich ist und es bleibt es dennoch Italoschlager. Dennoch haben wir uns Zucchero aus der Ferne angesehen. Dennoch war die Musik recht rockig. Für mich jedoch nichts  für die Ewigkeit. Die Fans vor der Bühne und die Verkaufszahlen würden etwas anderes behaupten. Gegen Ende des Sets hatte Zucchero eine kleine Verschnaufpause eingelegt, während die Band Wake Me Up des schwedischen DJs Avicii spielten. Etwas random, aber eine nette Version.

Lovely Days (c) Mario Baumgartner

Lovely Days (c) Mario Baumgartner

Fazit

Wir verlassen das Festivalgelände gleichzeitig mit Zuccheros letzter Nummer. Getanzt wird mittlerweile bis ganz nach hinten zum Eingang. Geschmäcker sind ja Gott sei Dank verschieden. Trotzdem fahre ich mit einem Grinser und leerem Magen nach Hause. Denn allem in allem muss gesagt werden, dass das Lovely Days mehr als gelungen war. Super Line-Up, nette Menschen und die Location im Schlosspark Esterhazy ist mehr als genial. What A Lovely Day. Bis nächstes Jahr.

Photos: (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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