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Das Spiel mit der Monotonie: Die Melvins in der Arena

Das Spiel mit der Monotonie: Die Melvins in der Arena

Die Melvins sind eine Band, für die es gar keine Worte benötigt. Auch sie haben sich die Worte gestern in der Arena gespart. Ein paar Worte verliere ich trotzdem.

Glamrock ohne Glam

Redd Kross, die erste Band des Abends, entpuppten sich schnell als eine herzliche Band. Eine Band, die Spaß auf der Bühne hat. Eine Band, die doch schon etwas länger im Geschäft ist. 1980 die erste EP – vor 20 Jahren das letzte Mal in Wien. Ihre Mischung aus Powerpop, Rock und verwaschenen Punkrhythmen wird durch die Bühnenperformance komplett überschattet. Quirliges Getanze, Sidebangs, Glitzershirts. Am Schlagzeug hilft Dale Crover von den Melvins aus. Die Setlist besteht zum Großteil aus Songs der Neunziger, der neuen Platte. Uglier, I’ll Blow You A Kiss, Pretty Please Me. Musikalisch ganz nett, aber nicht der Brüller. Die Show hingegen war einfach nur sympathisch.

Melvins (c) Mario Baumgartner

Melvins (c) Mario Baumgartner

 

Zwischen drückenden Gitarren und Monotonie

Die Hütte ist voll. Also wirklich voll. Alle 20 Sekunden wird man von links nach rechts gedrängt. Die Melvins betreten die Bühne und startet mit Sacrifice, einem Flipper Cover. Das Publikum ist gut durchmischt: Von alt bis jung, von Glatze bis Haare zum Boden, weiblich, männlich. Die Melvins rattern durch ihr Set. Nicht auf der Überholspur, sondern am Parkett. Drückend, langsam, ausgetüftelt. In der ersten Hälfte des Sets dominiert vor allem das Schlagzeug. Das Publikum feiert.

Melvins (c) Mario Baumgartner

Melvins (c) Mario Baumgartner

 

Rechtzeitig zum zweiten Cover des Abends gibt es dann auch die erste Schlägerei. Verständlich. Immerhin spielten die Melvins I Wanna Hold Your Hand der Beatles. Die Stimmung lässt sich trotzdem nicht drücken. Die Musik hingegen drückt bereits etwas. Vor allem die zweite Hälfte des Sets war sehr monoton. Sehr langsam, sehr hart. Nichts Ungewöhnliches für die Melvins, aber etwas mühsam. Gesprochen wird gar nichts. Das macht bei den Melvins aber absolut nichts. Die Show ist genau so, wie sie sein muss. Buzz Osborne schaut verbittert, Steven McDonald, der erst letztes Jahr zur Band gestoßen ist, lockert alles auf, Dale Crover regiert sein Schlagzeug.

Pausen machen die Melvins gar keine. Ihre Songs gehen ineinander über. Ruhig ist es trotzdem manchmal. So ruhig, dass man gut hörte, als einer Smoke On The Water rief und daher böse Blicke kassierte. Die Melvins ließen sich die Auflage aber nicht nehmen und integrierten den Deep Purple Klassiker ins nächste Lied. Nach einer Stunde ist das Konzert vorbei. Geschätzt 14-15 Lieder, am Stück. Keine Zugabe.

Melvins (c) Mario Baumgartner

Melvins (c) Mario Baumgartner

 

Fazit

Ein gutes Konzert, das vor allem von Buzz Osbornes drückendem Gitarrenspiel lebte. Steven McDonald ist definitiv eine gute Neubesetzung für den Bass. Neben Redd Kross macht er sich ja auch bei vielen anderen Projekten wie unter anderem OFF! sehr gut. Ein solides Konzert mit frühem Ende. Meiner Meinung auch ein Ende, das genau rechtzeitig kam.

 

Fotos (c) Mario Baumgartner

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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