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Miitopia im Test

Miitopia im Test

Mach Platz Miitomo – hier kommt Miitopia! Die Miis erleben ihr bisher größtes Abenteuer. Wie gelungen Nintendos neuster Streich ist, lest ihr in unserem Test.

Deine Geschichte

Ein düsterer Schurke der Menschen ihre Gesichter raubt. Eine geheimnisvolle Gestalt, welche einen immer wieder unterstützt. Eine Gruppe Helden die sich aufmacht die Welt zu retten. Auf dem Papier ist die Handlung von Miitopia jener Aspekt, der am wenigstens Aufmerksamkeit verdient hat. Hiermit würde man dem Spiel jedoch Unrecht tun – denn GERADE hier punktet Miitopia so richtig. Schließlich spielt man nicht einfach eine Geschichte mit irgendwelchen Figuren. Immer wieder wird man aufgefordert selbst festzulegen welcher Mii eine bestimmte Rolle übernimmt.

Das richtige Casting hier, kann zu großem Vergnügen im weiteren Verlauf führen. Wenn statt den üblichen Stereotypen echte Freunde sich gemeinsam in die Schlacht gegen andere Freunde wagen, dann hat man gleich ein ganz neues Spielerlebnis. Die Wahl des Miis ist auch nicht nur auf Name und Aussehen beschränkt. Selbstverständlich kann man für all jene in der eigenen Party auch die Klasse festlegen.

Wichtiger noch ist, dass man ihnen auch grobe Persönlichkeitszüge zuweisen kann. Diese können im weiteren Verlauf auch kurze Cutscenes zwischen den Charakteren beeinflussen. Nicht maßgeblich, aber darum geht es gar nicht. Gerade die kleinen Momente zwischen den selbstgewählten Figuren tragen zum enormen Charme Miitopias bei. Letztlich hat man deshalb eine Geschichte, welche weitaus besser gefällt, als sie es eigentlich dürfte. Der persönliche Bezug zu den Figuren macht es möglich.

Miis können auch aus anderen Spielen, wie Tomodachi Life, importiert werden.

Jeden Tag eine gute Tat

Obwohl dieser individuelle Aspekt das Herzstück von Miitopias Narrative darstellt und damit die tatsächliche Qualität des Erlebten noch subjektiver wird als ohnehin, kann das Spiel auch anders. Ein bestimmter Moment sticht dabei heraus und verpasst dem Spiel, sowohl für Gameplay als auch Story, einen tatsächlich unerwarteten Twist. Ohne zuviel zu verraten sei gesagt, dass man in Miitopia mitunter seine gesamte Herangehensweise an das Spiel überdenken muss. Diese harten Umschwünge sorgen für Abwechslung und lassen das Spiel auch langfristig frischer wirken. Vermeintliche Monotonie die sich im Verlauf der doch etwas repititiven Level ansammelt wird dadurch gekonnt bekämpft.

Ebenso gegen eventuell auftretende Langeweile hilft der gesamte Aufbau des Spiels. Miitopia ist nicht wie andere japanische Rollenspiele. Es ist nicht darauf ausgelegt in langen Sessions durchgezockt zu werden oder ganze Abende mit ödem Grinden zu verbringen. Zwischen den bewusst kurzen Abschnitten zwischen Gasthäusern, regelmäßigen Goodies als Belohnung für die Teilnahme an Umfragen und vor allem der immer wieder auftretenden Frage ob es denn für heute nicht schon reicht: Miitopia ist bewusst darauf ausgelegt in kurzen Schüben gespielt zu werden. Der Vergleich mit Tomodachi Life ist naheliegend, aber auch zu Animal Crossing kann man hierbei Parallelen sehen. Das ist nicht Jedermanns Sache – für einen Handheld wie den 3DS aber bestens geeignet.

Versteckte Finesse

Gerade der Umstand, dass Miitopia sich so sehr für Start-Stop Zockereinlagen eignet, lässt es banaler erscheinen, als es wirklich ist. Alle Standards von RPGs finden sich auch hier, zumeist jedoch in versimpeltem Ausmaß. Waffen und Rüstungen haben nur einen Wert und Neue sind immer besser als jene, die man gegenwärtig hat, Waffenmanagement erübrigt sich also. Items sind ebenso auf Bananen und Bonbons für Leben und Magie beschränkt. Städte gibt es vereinzelt, diese sind jedoch nicht allzu groß. Sidequests findet man nur äußerst selten. Eine offene Welt gibt es nicht. Stattdessen gibt es eine Oberwelt, vergleichbar mit klassischen Mario-Titeln. Hier sucht man sich einzelne Level aus. Diese bestehen dann großteils aus geraden Linien mit der gelegentlichen Abzweigung. Zufallskämpfe und Schatztruhen warten hier ebenso, wie am Ende des Levels ein Gasthaus.

Die Persönlichkeit die man einem Mii verpasst, hat durchaus Auswirkungen auf das Gameplay.

Damit kratzt man aber nur an der Oberfläche. Statt Items gibt es in Kämpfen etwa kreative Ideen wie eine Ruhezone abseits des Kampfes oder Salzstreuer, die verlorene Energie wieder herstellen können. Letztere kann man aufleveln indem man mehr Gegner besiegt und Leute rettet. Im Gasthaus wird sich währenddessen nicht nur erholt, sondern auch die Freundschaft zwischen Gruppenmitgliedern gestärkt. Engere Beziehungen eröffnen mehr und mehr Paar-Fähigkeiten. Waffen und Rüstungen können nicht beliebig gekauft werden, sondern bloß wenn eine Figur auch Lust hat einzukaufen. Wann man das Geld dafür übrig hat spielt also durchaus eine große Rolle.

Zusätzlich gibt es auch noch zwei Minispiele, mit denen man sich mehr Geld, Items, Erfahrungspunkte oder steigende Freundschaftswerte erspielen kann. Auch die Persönlichkeit eines Charakters kann im Kampf plötzlich neue Skills hervorbringen. Tatsächlich ist Miitopia also ein Spiel, welches über seine eigene, kreative Komplexität verfügt. Es distanziert sich nur von so manchen Genrekonventionen und geht seinen eigenen Weg. Mit Erfolg.

Gemeinsam sind wir stark

So gern Miitopia auch experimentiert, beim Kampfsystem ist man es, bis auf die erwähnten Optionen des Lebensstreuers und der Ruhezone, ganz klassisch angegangen. Angriff, Items, Fähigkeiten sind die Optionen die man während rundenbasierten Kämpfen hat. Bei den Klassen wird man jedoch wieder feststellen, dass die Entwickler durchaus ihren Spaß hatten. Natürlich, Magier, Dieb, Krieger, alle sind sie vertreten. Aber sein wir ehrlich, wer will schon wieder ein Krieger sein, wenn man doch genauso ein Panzer sein kann? Gemeint ist hier nicht die gängige Funktion des Tank in zahlreichen Games, sondern wirklich, wortwörtlich, ein Panzer. Dieser stellt auch nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt dar, jedoch einen mit absolutem Favoritenpotential.

Meister aller Klassen: Neben kreativen Optionen wie Panzer, dürfen etablierte Größen wie Krieger und Magier natürlich nicht fehlen.

Der Schwierigkeitsgrad ist durchwachsen, neigt jedoch tendenziell dazu niedriger zu sein. Im Vergleich mit jüngeren Nintendotiteln für den 3DS, wie etwa Hey! Pikmin, entpuppt sich das Spiel jedoch als durchaus schwierig. Bloß nicht immer. Die meisten Segmente, speziell im ersten Drittel des Spieles, warten kaum mit fordernden Gegnern auf, gelegentliche Bosskämpfe mal ausgeschlossen. Gleichzeitig gilt das aber für fast alle japanischen Rollenspiele. Man hat es mit jeder Menge Kanonenfutter zu tun, ehe man auf ein paar harte Brocken trifft.

Erst wenn man den ersten Abschnitt von Miitopia abgeschlossen hat, offenbahrt sich jedoch das wirkliche Potential. Fortan wird man bei multiplen Routen davor gewarnt, dass manche gefährlicher sind als andere. Und tatsächlich: Wagt man sich alleine oder nur zu zweit auf einen solchen Weg, wird man kaum weiter als bis zum ersten Gefecht kommen und selbst mit einer kompletten Party wird dies zum harten Kampf. Wer sich nach den ersten Stunden also unbesiegbar fühlt, keine Sorge: Da ist noch Raum nach oben!

Epische Klänge

Da es sich bei Miitopia um ein Spiel rund um Miis handelt, weiß man genau, was man in Sachen Grafik erwarten darf. Nicht allzu viel. Da die Optik trotzdem ihren eigenen Charme hat, ist dies ein zu verschmerzender Umstand. Im Gegenzug bekommt man immerhin schier unendliche Möglichkeiten der Charaktergestaltung.

Märchenhaft: Die Welt von Miitopia erinnert oft an ein Gemälde oder Bilderbuch. Schlicht, aber passend.

Witzigerweise hätte man auch die Musik auf harmloses Gedudel reduzieren können. Hier und da passiert dies sogar und klingt auch dann noch gut. Großteils aber ist der Soundtrack eine willkommene Untermalung, welche sogar den ein oder anderen richtig epischen Titel aufweist. Speziell das Theme des weisen Magiers ist ein Stück, welches man von einem Spiel wie Miitopia sicher nicht erwartet hätte. Die Differenz zwischen imposanter Musik und putzigen Gestalten erhöht den Funfaktor dazu auch gleich nochmal.

Fazit

Miitopia ist ein grandioses Spiel für unterwegs. Ein Titel, der genau weiß, was er sein will und dies durchzieht. Der Mix zwischen häppchenweise zu genießendem J-RPG und dem eigenen Charme von Tomodachi Life garantieren langfristiges Vergnügen. Die große Frage ist, ob man sich auf diese Art von Unterhaltung einlassen kann. Wem Tomodachi Life gefallen hat, wer wirklich seinen Spaß damit hat Freunde und Verwandte in abstrusen Situationen zu erleben und zu spielen, der wird Miitopia lieben. Selbst Genrefremde können hier einen Blick riskieren. Wem Tomodachi Life zu dumm oder seltsam war, der könnte zumindest das Gameplay liebgewinnen. Wer Miis und alles das mit ihnen zu tun hat jedoch hasst, hält jedoch besser Abstand. Auch wenn er damit ein exzellentes Spiel verpasst.


Release Date: 28.07.2017
Plattform: 3DS
Genre: Rollenspiel
Publisher: Nintendo
Entwickler: Nintendo
PEGI: 7

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