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Pretty Slow: The Flatliners in der Arena

Pretty Slow: The Flatliners in der Arena

Schon im Vorfeld war klar: Es könnte ein poppiger Abend werden. Immerhin haben The Flatliners mit ihrem letzten Album Inviting Light mehr Indie als Punk gemacht. Die Stimmung wird wohl trotzdem am Brodeln sein, immerhin ist die kleine Halle der Arena ausverkauft.

When he moves, everything moves

Überraschungen sind spannend. Nicht immer gut. Die Franzosen Not Scientists sind mir zwar schon öfters auf Flyern oder durch Verlinkungen auf Facebook untergekommen – reingehört habe ich jedoch noch nie. Die Halle ist gut gefüllt – Not Scientists starten ihr Set. Die Stimme ist recht poppig, ebenso das Songwriting. Ab und an vermischt sich eine harte Bridge in die Songs. Trotzdem treiben Not Scientists ihr Midtempo-Set voran. Trotz der teils sehr soften Nummern springen die vier sympathischen Franzosen quer über die Bühne. Der Bassist schaffte es durch seine Performance immer wieder das Mikrofon vom Verstärker zu lösen.

Coldplay auf Ecstasy

Die US-Amerikaner Prawn sollten das Gap zwischen The Flatliners und Not Scientists füllen. Aber nur zeitlich, wie sich schnell herausstellte. Sie starten mit hohen, dennoch drückenden Gitarren. Langsam, viel Hall, drückender Gesang. Ein Soundtrack für eine einsame Fahrt bei -20 Grad durch Südalaska, bei der man an alte Zeiten denkt. Ein sehr ruhiger Start. Die zweite Nummer ist etwas unspannender, so wie Nummer drei. Independent-Pop mit Fat Wreck Poppunkrock-Flair, wobei das Punkrock bei 90 Grad fast zur Gänze rausgewaschen wurde. Trotz der langsamen, ruhigen Songs schenken sich Prawn auf der Bühne nichts. Ganz nach ihren Kollegen von Not Scientists, springen sie quer über die Bühne und schmeißen die Gitarren bis an die Decke. Wie Coldplay auf Ecstasy. Aber schön, wenn es ihnen Spaß macht – ich verlasse die Halle nach vier Songs.

Midtempo Madness

Kleine Halle, große Halle, Open Air, B72, Heidenspass Festival, Bar Monsta in London, Winston Kingdom in Amsterdam,… Mittlerweile müsste ich auf mindestens zehn Flatliners Konzerten gewesen sein. Seit dem Album Cavalcade (2010) habe ich sie musikalisch nicht mehr verfolgt, war jedoch öfters auf Shows. Daher hörte ich im Vorhinein zumindest kurz in Inviting Light rein. Schon auf Cavalcade wurde es recht poppig, doch Inviting Light (und vermutlich auch die Platten dazwischen) fuhr eine ganz andere Schiene. Die Vocals sind cleaner, das Tempo um einiges runtergeschraubt.

The Flatliners starten mit einer mir unbekannten, dennoch fetzigen Nummer das Set. Ich schaue zu meiner Konzertbegleitung und nicke. Das Nicken für „schon besser“. Eulogy aus ihrem Album The Great Awake folgte an zweiter Stelle. Nur jede fünfte Nummer wurde getanzt – die anderen Nummern waren einfach zu langsam um hysterisch herum zuspringen. Mit Hang My Head haben The Flatliners sicherlich eine der eingängigsten Nummern ihrer Laufbahn geschrieben.

Mother Theresa Chokeslams The World kündigte Sänger Chris im Zuge seiner Ansagen zum zehnjährigen Jubiläum von The Great Awake an. All zu viele Songs dieser Platte dürften sich anscheinend nicht mehr in die Sets verirren. Super Scheibe. Ab dann wird es unkonkret. Irgendwann kam Monumental, Count Your Bruises, ein paar neue Songs. Als dritten Song von The Great Awake spielten sie July! August! Reno!. Endlich wird Crowd gesurft. Nach 50 Minuten ist es vorbei. Zwei Zugaben. Ich schaue zu meiner Konzertbegleitung und nicke. Das Nicken für „War doch nicht so spannend“. Vielleicht bin ich übersättigt – vielleicht hinausgewachsen.

Das diplomatische Fazit

Alle drei Bands haben solide ihr Ding durchgezogen. The Flatliners haben nach 15 Jahren Bandgeschichte etwas Dampf verloren, schreiben dennoch auch heute noch recht nette Nummern. Aber eigentlich wollte ich auf ein Punkrock-Show und auf kein Indie-Rock/Pop Konzert.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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