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Rock in Vienna 2017 – Tag 1

Rock in Vienna 2017 – Tag 1

2017 war beim Rock in Vienna von Anfang an der Wurm drin. Konnte man 2015 und letztes Jahr mit einem hammermäßigen Rock-Line-up aufwarten (Rammstein, Kiss, Metallica, ….) so gelang das heuer leider überhaupt nicht.

Wenn ich bei der Deutschmatura das Thema Rock in Vienna bekommen hätte und ich hätte so ein Line-up abgegeben, wäre wohl neben dem 5er mit fettem Rotstift das Wort Themenverfehlung gestanden. Und mein Sitznachbar Ewald hätte bestimmt eine 1 bekommen, der alte Streber.

Vielleicht hätte man den Namen ändern können (Mischmasch in Vienna) aber mit dieser Überschrift und diesem Inhalt passt was nicht.

 

Vor allem das Nachmittagprogramm konnte in den letzten Jahren punkten. Bands wie Hellyeah, Turbonegro oder Bodycount hatte man schon lange nicht mehr gesehen und konnten auch abseits von den großen Headlinern einen Besuch rechtfertigten.

Zwei riesige Bühnen, tolle Acts und das urbane U6-Feeling hatte viele auf die Insel gelockt.

Verzückt vom Line-up vergangener Tage kauften sich viele Fans ein günstiges Early-Bird Ticket – nur um dann festzustellen dass heuer leider alles anders ist. „Zu wenig gute Bands sind leider gerade unterwegs“ war die offizielle Erklärung. So ein Pech auch, komisch nur dass alles, was Rang und Namen und eine Gitarre im Tourbus hat, zwei Wochen später für das Nova Rock verfügbar ist. Die Stones und Guns N‘ Roses waren lang im Gespräch als mögliche Headliner auf der Donauinsel – geklappt hat das leider alles nicht.

So gab es heuer maximal sechs Bands pro Abend und nur eine Hauptbühne. Das Gelände ist deutlich geschrumpft, die Bühne wurde vorverlegt und die Eingänge rutschten weiter nach vorne. Im Publikum war die Dichte an schwarzen Metalkutten merklich geringer als in den vergangenen Jahren, auch der Altersdurchschnitt ist deutlich nach unten gerutscht. Man wähnte sich auf einem Minifrequency mitten in der Stadt.

(c) Alexander Blach

 

Und womit eröffnet man am Besten ein verkorkstes Rockfestival? Mit einem Hip-Hop Act – eh kloa. Der kolumbianische Rocker Appletree (copyright das immer bestens informierte Boulevardmedium Österreich) hatte die Ehre und bemühte sich redlich die spärlich aufs Festivalgelände tröpfelnden Rockfans zu catchen. Der arme Kerl! Im Vorfeld meinte er noch mit dicker Hose „Die Stage werd ich schon rocken, obwohl ich einer von zwei der heutigen Acts bin, der ohne Tänzerinnen auskommt!“. Das Publikum war dankbar, machte brav mit, alles gut. „Eine Stimmung wie im B72“ meinte Appletree zum Abschluss.

Nach ihm folgte ebenfalls kein Vertreter der Rockgilde, sondern der Ferdinand Sarnitz also known as Left Boy. Der elektrifizierte Sohn von Andre Heller brachte seine obernicen Beats per SD Karte für den DJ mit, darunter auch seine neue Single The Return of …. . Scheppernde Breaks, nice Outfits vong Style her. Alles sehr schick und obercool und sicher ein geiler Act – nur leider wrong place, wrong time! Rock in Vienna steht doch groß auf der Hauptbühne.

Left Boy
(c) Alexander Blach

 

Does anybody here really listens to rock music?“ fragte Left Boy treffend, der seinen kleinen Sohn und seine Frau auf die Bühne mitbrachte, nebst allerhand Alufolie als Bühnendeko und einem Alibigitarristen mit langen Haaren. GOD No. 1 stand auf seinem Fußballtrikot, welches er mit einer orangenen Badehose kombinierte. Es hatte den Anschein, als hätte Ferdinand Mühe, seine 60 Minuten Stage-time zu füllen. So durften zwei warm-up MCs seine Show beginnen, es gab zwei Geburtstagsständchen und ein paar verstohlene Blicke auf den teuren Zeitmesser am Handgelenk.

Als dritter Act folgte dann endlich eine Perle – House of Pain. Diese US-Institution mit ihrem Crossover 90er Sound und ihrem Evergreen Jump Around, der nach wie vor auf keiner Party fehlen darf, waren sie die ersten die einen Besuch rechtfertigten. Die gealterten Herren rund um Everlast ließen nichts anbrennen, spielten brav ihr Set und gegen Ende schnappte sich Everlast eine akustische Gitarre und spielte seinen Hit What it´s like.

(c) Alexander Blach

 

We´ve been doing this shit longer than most of you guys are alive!“ meinte Everlast analytisch. Bei der einleitenden Fanfare zu Jump Around gab es dann kein Halten mehr, der erste Gänsehaut Moment dieses Tages. Am Ende legte DJ Lethal noch den Pantera Klassiker Walk auf, eindeutig das Härteste, was heute aus den Boxen donnerte.

Dann gab es noch zum Drüberstreuen Macklemore mit seinem Haberer Ryan Lewis, die als Headliner des ersten Tages am Hip Hop in Vienna – sorry, Rock in Vienna fungierten. Super durchgestylte Show inklusive Pyro und allerhand Ami Klimbim. Tänzer wuselten herum, ein Typ mit einer unhörbaren Trompete spazierte über die Bühne und Macklemore zeigte sich beeindruckt von der Mercedes Dichte unter den Wiener Taxis. Die Show war durchwegs sympathisch, inklusive einem Fuck Donald Trump Song, allerdings war nach 80 Minuten das Konzert früher als geplant schon wieder zu Ende.

Wir sind gespannt auf die Dinge, die uns morgen auf der Insel erwarten.

Photos: (c) Alexander Blach

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Luis Pasching
äähm, mir ist grad ein bisi schlecht
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