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Unite & Fight: Total Chaos im Dreiraum

Unite & Fight: Total Chaos im Dreiraum

Gestern waren die Punx von Total Chaos in Wien und zerlegten die Dreiraum Bar in der Wiener Arena. Ein Konzert geprägt von Parolen, einem Stromausfall und Brechreiz.

Viva La Punx

Wien, 20:00, es beginnt gerade zu regnen. Im Innenhof der Arena sind rund 20 bis 30 Menschen. Viele von Ihnen tragen buntes Haar, manche von ihnen sind schon betrunken. Nach dem ersten Bier und netten Gesprächen geht es auf in die Dreiraum Bar, die nach dem Beisl kleinste Location am Arena Gelände. Die in Wien ansässige Band The Soundheads eröffnen den Abend. Ein bekanntes Gesicht. Miguel Guinness, der ehemalige Sänger der Eccos, ist Frontman dieser Band. Zusammen mit einem Iren, einem Bosnier und einem Boxican (Bosnischer Mexikaner) macht er nun Punkrock mit teils spanischen, teils englisch Texten.

Die Songs der Soundheads sind recht melodisch. Manchmal punkig, manchmal poppig oder rockig. Für ein Lied kam Miguels Schwester, die gerade von Mexiko auf Besuch war, auf die Bühne um ihn an den Vocals zu unterstützen. Sehr gelungene Performance. Gegen Ende der Show tanzen ein paar Leute. Eine sehr sympathische Band und definitiv ein guter Start in den Abend.

Punx without Power

Weiter geht’s mit Acidez. Hardcore Punk der alten Roots aus Guadalajara, Mexiko. Die Band war mir bislang kein Begriff, es wurde aber schnell klar, dass sie die mexikanische Version von Total Chaos sind. Vier mitteljunge Herren, Irokesen, auftoupierte bunte Haare, kratzige Stimmen. Wir starten beim zweiten Lied in die Show. Schnell, räudig, hart. Die Stimmung ist mittlerweile etwas heißer, die Dreiraumbar etwas voller. Von den rund 50 Menschen tanzen acht, der Rest schaut, genießt und ab und an wird mitgegrölt.

Acidez heizen dem Dreiraum ein. Mittlerweile wird es etwas heiß. Und spät. Kurzerhand kommt ein Arenamitarbeiter und teilt der Band mit, dass sie Schluss machen müssen. Ein kurzes Hin und her. Sie spielen trotzdem noch einen Song. In der Mitte des Songs: Stromausfall. Kurz wirkte es für die Band so, als hätte man ihnen den Saft abgedreht. Mehrere Arenamitarbeiter strömten in verschiedenste Richtungen um den Fehler zu finden. Und so wurde er auch gefunden. Acidez hatten aber mittlerweile schon abgebaut.

Riot Riot Brechreiz

Total Chaos betreten die Bühne. Seit mittlerweile 28 Jahren treiben die California Punx weltweit ihr Unwesen. Mit Shows von Südamerika über Europa bis nach Bali. Die größten Zeiten der Band, zumindest in Österreich, sind jedoch vorbei. Zumindest spielten sie in der Vergangenheit in größeren Sälen. Aber generell hätte ich mit mehr Punx gerechnet. Tja, Wien du tote Stadt. Total Chaos machen harten, schnelle, brachialen Streetpunk. Mittlerweile ist der Dreiraum halbwegs gut gefüllt. Das Pit breitet sich über die Hälfte des Saals aus, wo 15 Menschen ihr Unwesen treiben und den Spaß ihres Lebens haben. Das Set besteht aus Songs der frühen Neunzigern bis hin zu brandneuen Songs wie Street Punx.

Total Chaos kämpfen sich durch ihr Set. Dazwischen gibt es immer wieder Ansagen von Sänger Rob. Sei es „USA ist scheiße“, „Fick die Europäische Union“ oder „Ich hasse die Polizei“. Rob wohnt seit einiger Zeit in Deutschland. Seiner Ansicht nach eine Spur besser als in den USA zu wohnen, trotzdem sei die Europäische Union der Teufel. Selbst bei den Ansagen ist seine Stimme kratzig und gebrochen. Bewundernswert, wie er sich durch das Konzert schreit. Gegen Schluss kam dann der Brechreiz. Immer wieder musste er mit dem Singen aufhören, husten, spucken. Nachdem er sich wieder gefangen hat, werfen Total Chaos noch altbekannte Klassiker wie Police Rat oder Riot City raus. Letzter Akkord, Licht aus, Band von der Bühne. Keine Zugabe. Nach guten 50 Minuten ist das Konzert vorbei.

Mini-Fazit

Das Konzert war rotzig. Das Konzert war schnell. Der Sound in der Arena wunderbar. Viele Menschen hatte eine gute Zeit. Für mich war es ein wenig zu brachial.

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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