Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Viel Liebe, Bier und Moshpits: Heisskalt im Wiener Flex Cafe

Viel Liebe, Bier und Moshpits: Heisskalt im Wiener Flex Cafe

Viel Liebe, Bier und Moshpits: Heisskalt im Wiener Flex Cafe

Was? Heisskalt im Flex Cafe? Ja! Die vierköpfige deutsche Rockband spielte am 10. Februar 2017 in Wien, und zwar sehr gut und sehr laut. Tiefgründige Texte über die Liebe und das Leben, in Verbindung mit kräftigen Melodien durch E-Gitarren und Bass, das sind Heisskalt. Und die wurden live präsentiert in einem Club beim Donaukanal, der einen gespaltenen Ruf hat: das Flex.

Genauer gesagt war es ja im Flex Cafe, der Zubau neben dem eigentlichen Club, die Chill-out-Area, wenn man so will. Fast jeder hatte doch diese Flex Abende, an die man gerne zurückdenkt – und die anderen, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde. So me! Ich ging also mit einem etwas eigenartigen Gefühl dort hin, da ich nicht dachte, dass diese Location mit der Band gut harmoniert.

Kurz nach 19 Uhr gingen also die Türen auf und die Menschen strömten hinein. Nachdem meine Freundin und ich unsere Jacken abgegeben haben und uns für einen Gin Tonic an die Bar begeben haben, war ich nach einem Rundumblick etwas enttäuscht. Es waren knapp 20 Personen weitläufig verstreut und alle klebten an ihren Smartphones fest. Wo ist nur die gute alte Flex Zeit hin, in der man sich unterhielt, sich gegenseitig mit Bier anschüttete und anschließend mit diversen Sprachen, Dialekten oder Gesten ein Arschloch schimpfte? Zum Glück kamen dann nach und nach doch immer mehr Menschen und es wurde etwas voller! Immerhin spielten Heisskalt erst um 20:30 Uhr.

Kurz bevor es losging, stellten wir uns auf einen der noch freien guten Plätze und ich machte meine Kamera schussbereit. Als ich noch am Einstellen der Kamera war, krochen vier Gestalten neben mir vorbei und versuchten irgendwie auf die Bühne zu gelangen. Heisskalt waren hier! Anscheinend floss noch das eine oder andere Bier, denn beim Versuch auf die Bühne zu klettern, erinnerte es mich ein wenig an das Affenhaus im Tiergarten Schönbrunn. Macht nix, sie waren da, und nachdem die Instrumente umgeschnallt waren, ging es nach einer kurzen Begrüßung auch schon los.

Heisskalt-Wien

(c) Robert Reischütz

 

Mit Nacht ein spielten sie sich zuerst warm, es wurde nach der zweiten Strophe spürbar wärmer und auch sichtbar. Die ersten Westen und Hemden wurden ausgezogen und zur Seite gelegt. Die Dreadlocks von Sänger Mathias Bloech flogen schnell durch die Gegend, wie das gesamte Publikum. Moshpits und Crowdsurfen standen an diesem Abend auf der Tagesordnung. Typisch Flex!

Neben mir am Boden lag die Setlist von Heisskalt: Sie hatten ein bisschen was von beiden Alben dabei und sogar ein EP Medley. Einen Song vermisste ich aber, den Song, den sie unserer Hauptstadt gewidmet haben, Sonne über Wien. Mathias entschuldigte sich und schob die Schuld gleich auf ihren neuen Bassisten Dani Weber. Der sollte sich zwar damit auseinandersetzen, hat es aber anscheinend vergessen. Super Dani! Zum Glück hatte er gleich ein Argument bei der Hand: Er versprach, dass sie den Song bei ihrem nächsten Wien Konzert spielen werden. Na wehe nicht!

Beim EP Medley war das dann aber auch schnell vergessen. Als Hallo, der Mond, Still und Dezemberluft von ihrer EP Mit Liebe gebraut anstand, konnte ich nicht mehr ruhig bleiben. Da Hallo einer der Favorites von meiner Freundin und mir ist, standen wir Arm im Arm nebeneinander. Wir sangen laut mit und beim Refrain musste ich ihr jedes Mal sagen, dass ich sie lieben und dann sterben will, denn oh Gott sie is so schön! Und wir waren natürlich nicht die Einzigen. Das ganze Flex Cafe stand eng umschlungen nebeneinander und kuschelte.

Nach dem Medley folgten noch vier Songs, aber so ganz ohne Zugabe wollten wir Heisskalt dann doch nicht gehen lassen und sie uns wahrscheinlich genauso wenig. Alles gut und Gipfelkreuz wurden dann zum Abschluss gespielt. Doch irgendwann geht leider auch der schönste Abend zu Ende. Hoffentlich kommen die vier sympathischen Jungs bald wieder nach Wien. Und dann bitte mit Sonne über Wien!

Fotos (c): Robert Reischütz

Home   /   Live Reviews  /  Musik  /   Viel Liebe, Bier und Moshpits: Heisskalt im Wiener Flex Cafe

Tags

Robert Reischütz
Journalismus ist Literatur in Eile. -Matthew Arnold
Related Article
One Comment