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Wohnzimmeratmosphäre: Tim Vantol in der Arena

Wohnzimmeratmosphäre: Tim Vantol in der Arena

Es gibt Konzerte, nach denen man einfach gut gelaunt rausgeht. Wo einem zwischenzeitlich das Herz aufgeht. Eines dieser Konzerte war definitiv der Auftritt von Tim Vantol und Dominik McNeder in der Arena Wien.

Nostalgie und Records. Records, Records, Records.

Der Salzburger Dominik McNeder eröffnete den Abend. Letztes Jahr hat er seine erste Langspielplatte Luck Keeps Us Alive veröffentlicht. Anfangs standen wir zu zehnt im Raum, doch schon beim ersten Song kamen die Menschen in die Halle. Gemütlich gefüllt. Dominik spielt ein Haufen Songs seiner Platte. Needles, Heroes, First Love. Seine Songs sind Geschichten. Sie handeln von der Nacht, als er alleine in einem Wiener Hotelzimmer überdurchschnittlich viel Wein genossen hat. Von seinem Bruder, der eine harte Drogensucht gut überwunden haben dürfte. Und von der alten Zeit, den alten Records seines Vaters, den alten Records seiner Freunde, Records, Records, Records. Nostalgie im Sympathiemantel. Er hämmert auf seiner Gitarre eingängige, manchmal eintönige Riffs und schreit sich die Seele aus dem Leib. Er überzeugt mit seiner Stimme – vor allem aber mit der Emotion, mit der er seine Lieder präsentiert. Da ist wer mit dem ganzen Herzen dabei. Definitiv.

Niets is wat het lijkt

Tim Vantol ist wohl einer der herzlichsten Menschen im Business. Die letzten Wochen (bis auf die letzten paar Tage) war er mit Band unterwegs. Heute ist er alleine hier. Das stört kein wenig. Die kleine Halle ist gut gefüllt. Zwischen seinen Songs erzählt er kleine Geschichten, anfangs auf Deutsch, dann auf Englisch. Manchmal hält er kleinen Ansprachen, manchmal sind es Witze, die seine Show auflockern. Doch auch während der Songs fühlt man sich einfach wohl. Neben alter Evergreens spielt Tim auch Songs seines letzten Albums Burning Desires, das erst dieses Jahr erschienen ist. So wie diesen hier.

Nothing. Die ganze Halle singt „Nothing is what it seems, what it seems“. Eigentlich wollte er uns die Zeile in einer Fremdsprache lernen. Leider war niemand da, der weder Deutsch noch Englisch als Muttersprache hat. Gut, dann wird’s halt Tims Muttersprache, Niederländisch. Vor dem letzten Lied fragte er uns, ob wir uns den Encore-Zugaben-Bullshit sparen können, und er einfach gleich drei Lieder spielen soll, dann aber ohne Widerrede geht. Das Publikum stimmt zu. Vor If We Go Down, We Go Together ein kurzer Appell an die Menschlichkeit, an das Willkommenheißen.

Nach dem Song entlässt Tim die Tontechnik in den Feierabend und begibt sich ins Publikum. Um ihn formt sich ein Kreis. Es wirkt fast wie ein Kreis kleiner Kinder, die gespannt und anhimmelnd dem Geschichtenerzähler in der Mitte zuschauen und hören. Ein Appell an das Leben. Wenn alle Stricke reißen, bleibt noch immer dieser Song. Für ihn zumindest. Er spielt Louis Armstrongs What A Wonderful World und die ganze Halle singt mit. Das letzte Lied: Bitter Morning Taste.

Fazit

Tim Vantol hat eine Wahnsinnsstimme, kann ordentlich Gitarrespielen, erzählt nette Geschichten. Vor allem aber ist Tim Vantol mit Herz bei der Sache. Die Emotionen, die er ihn seine Shows steckt, erlebt man selten so hautnah. Tim Vantol ist nicht nur ein Musiker, er ist ein Entertainer. Ein Entertainer, der gemeinsam mit Dominik McNeder, Hunderte Menschen zum Grinsen gebracht hat. Gestern ist sicherlich niemand traurig nach Hause gegangen. Danke.

 

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Robert Ziffer-Teschenbruck
"Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen" (Marcus Wiebusch)
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